Im Rahmen der Wochen gegen Rassismus
Winsener Gymnasiasten auf den Spuren verfolgter Juden
- Leiteten die besondere Stadtführung (v. li.): die Gymnasiastinnen Malena, Greta, Lilly und Batul
- Foto: Antje Halle
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
Im Rahmen der Winsener Wochen gegen Rassismus veranstalteten Schüler der Klasse 10B des Luhe-Gymnasiums jetzt zwei Stadtführungen zu den Schicksalen hinter den Winsener Stolpersteinen. Zahlreiche interessierte Bürger hatten sich eingefunden, um Neues über die neun während des Nationalsozialismus verfolgten Winsener Juden und den verfolgten Homosexuellen Ernst Meincke zu erfahren.
Zuvor hatte sich die Klasse 10B mit der bereits vorhandenen Forschungsliteratur und auch mit Akten aus mehreren Archiven zum Schicksal dieser Menschen beschäftigt. Dabei förderten sie bisher unbekannte Details zutage. So konnten die Schüler erstmals private Fotos der Familie Bernstein einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren, die Wes Eichenwald, Großneffe einer Schwiegertochter von Amalie Bernstein, zur Verfügung stellte.
Ein besonderes Highlight für die Klasse war es, den bislang unbekannten Ehemann von Emma Horwitz identifizieren zu können. Er hieß Julius Horwitz, war in Uelzen geboren und Emmas Cousin ersten Grades. Bisher bekannt waren bereits sein Selbstmordversuch und sein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik in Göttingen, nun konnten biografische Lücken geschlossen werden. Zunächst war er in Winsen Vieh- und Pferdehändler, von 1928 bis 1934 Patient in der Lüneburger Psychiatrie. 1940 wurde er ein Opfer der Euthanasiemorde des nationalsozialistischen Regimes.
Für ihr Engagement erhielten die Schüler viel Zuspruch von den Teilnehmern ihrer Stadtführung. "Über die Arbeit der vorangegangenen Wochen sagte eine Schülerin, dass sie zwar von den Verbrechen der Nationalsozialisten gewusst habe, dass aber die Beschäftigung mit den Akten ihr noch einmal in erschreckender Weise verdeutlicht habe, wie früh bereits die Ausgrenzung und gezielt wirtschaftliche Ausraubung von Juden auch hier vor Ort begonnen habe", berichtet die das Projekt betreuende Lehrerin Antje Halle. Diese schrittweise und systematische Entrechtung habe viele Menschen empört. Eine Schülerin appellierte daher am Ende der Stadtführung an die Zuhörer, die Geschichte angesichts der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nicht zu vergessen und heute nicht auf ähnliche Weise wie damals zu handeln.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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