Aufwachsen in der DDR als Thema
Winsener Schüler interviewten für Podcast Filmjournalist Knut Elstermann

Aufzeichnung des Podcasts: die Schüler Kilian Wiese und Gabriel Goral sowie Kultur- und Filmjournalist Knut Elstermann | Foto: Neises
  • Aufzeichnung des Podcasts: die Schüler Kilian Wiese und Gabriel Goral sowie Kultur- und Filmjournalist Knut Elstermann
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Was bedeutet es, in einem Land aufzuwachsen, das es heute nicht mehr gibt? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine neue Folge des Podcasts „Auf ein Wort, …!“, produziert von Schülern des Wahlpflichtkurses Journalistik der Winsener Johann-Peter-Eckermann-Realschule. In der aktuellen Episode sprechen Zehntklässler Kilian Wiese und Gabriel Goral mit dem Kultur- und Filmjournalisten Knut Elstermann. Entstanden ist ein Zeitzeugengespräch über das Aufwachsen in Ost-Berlin, über Alltag und Lebenserfahrungen in der DDR sowie über den Wandel von Journalismus vor und nach der politischen Wende 1989.

Elstermann beschreibt seine Jugend im sozialistischen Staat als von Gegensätzen geprägt. Heimatgefühl und Verlässlichkeit standen politischer Enge und fehlender Meinungsfreiheit gegenüber. Die Berliner Mauer war Teil des Alltags, nicht Symbol, sondern Realität. Aufgewachsen in einer politisch linientreuen Familie, schildert der Journalist eine ehrliche Identifikation mit dem System, verbunden mit dem späteren kritischen Hinterfragen staatlicher Strukturen und persönlicher Gewissheiten.

Kilian Wiese und Gabriel Goral führen das Gespräch entlang biografischer Stationen und lenken den Blick auf konkrete Erfahrungen und Veränderungen im Lebensalltag. Der Fall der Mauer erscheint als biografischer Wendepunkt für Knut Elstermann, der neue Möglichkeiten eröffnete, zugleich aber das Ende vertrauter Strukturen markierte.

Ein Schwerpunkt der Podcastfolge liegt auf dem Thema Journalismus. Die Schüler erfahren, dass freie journalistische Arbeit in der DDR kaum möglich war. Kritik, unabhängige Meinungsäußerung oder Schülerzeitungen wurden unterdrückt. Elstermann berichtet, dass er nach der Wiedervereinigung seinen Beruf im Grunde neu erlernen musste und erst danach ein Journalismus möglich wurde, der Diskussion und Meinungsvielfalt zulässt.
Auch die Zeit nach 1990 wird thematisiert. Elstermann spricht über tiefgreifende Umbrüche, entwertete Abschlüsse und soziale Veränderungen, die viele Ostdeutsche bis heute prägen. Gleichzeitig betont er die neuen Chancen, die sich ihm beruflich und persönlich eröffneten.

"Die neue Folge von 'Auf ein Wort, …!', die unter www.eckermannschule.de abrufbar ist, zeigt, wie Geschichte im Dialog zwischen Generationen greifbar wird", so Schulleiter Andreas Neises. "Der Podcast macht deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der DDR differenziert geführt werden muss – jenseits einfacher Urteile und mit Blick auf individuelle Lebenswege."

Redakteur:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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