Wahlkampf in Winsen
Fragen an die Bürgermeister-Kandidaten
- „Das neue Jugendzentrum kommt“: Bürgermeister André Wiese will Winsen mit konkreten Bauprojekten als Familienstadt stärken
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Drei Kandidaten stehen in Winsen zur Wahl für das Bürgermeisteramt. Das WOCHENBLATT stellte ihnen Fragen, die die Bürger in Winsen derzeit sehr beschäftigen. Die Reihenfolge der Antworten ist alphabetisch und stellt keine Wertung dar.
Frage 1: Innenstadtsanierung
Die Innenstadt in Winsen ist nun (fast) fertig saniert, dennoch wünschen sich viele Winsener etwas mehr Leben dort. Welche kleineren oder größeren Maßnahmen sind vorstellbar, um beispielsweise wieder etwas mehr Gastronomie anzulocken?
Christine Glawe (SPD): Um Winsens Innenstadt zu beleben, sind neben gastronomischen Einrichtungen moderne Formate wie weitere Concept und/oder Pop-Up Stores notwendig. Gemeinsam mit dem Stadtmarketing, welches weiterhin gestärkt und ausgebaut werden muss, profitieren wir von der Vernetzung der City Marketing GmbH. Weitere strukturelle Vernetzung und Stärkung bedeutet mehr Personal und finanzielle Mittel, um dieses Asset gewinnbringend einzusetzen.
Die Aufenthaltsqualität hat sich durch den Umbau mit Bänken und Springbrunnen verbessert, dennoch fehlt es an weiteren Grünflächen und Beschattungen. Durch die Versiegelung der Innenstadt ist eine Beschattung vorerst nur durch mobile Beschattungsanlagen möglich. Klimaresistente und standortgerechte Bäume helfen langfristig; Kletterpflanzen und weitere Begrünung unterstützen das Mikroklima. Die Ansiedlung junger Gastronomie kann gelingen, wenn wir das Gespräch mit den Vermietern suchen, um Nutzungskonzepte wie bspw. die Umsatzpacht anstelle von fixen Mieten zu ermöglichen. Zuschüsse seitens der Kommune wären anfangs denkbar, um die Startphase zu bezuschussen. Auch kostenfreie Genehmigungen für die Außengastronomie für Tische und Stühle und innovative Nutzungskonzepte sind möglich. Die Bandbreite ist riesig, wenn man es möchte und vor allem Raum dafür gibt.
Henning Schwieger (AfD): Eine lebendige Innenstadt erreichen wir vor allem durch die Stärkung des Einzelhandels und den konsequenten Erhalt von Parkplätzen, um die Erreichbarkeit für alle Bürger zu sichern. Ich werde bürokratische Hürden für die Außengastronomie abbauen und kommunale Gebühren auf den Prüfstand stellen, um Ansiedlungen für Pächter wirtschaftlich attraktiver zu gestalten. Statt ideologischer Verkehrsversuche setze ich auf ein Konzept, das den Verkehrsfluss sicherstellt und Besucher nicht durch künstliche Verknappung von Stellflächen abschreckt. Als Bürgermeister werde ich den direkten Dialog mit den Gewerbetreibenden suchen, um unbürokratische Lösungen für mehr Attraktivität und Sicherheit zu finden.
André Wiese (CDU): Die sanierte Winsener Innenstadt hat stark an Attraktivität und Barrierefreiheit gewonnen, wobei besonders die Wasserspiele und Sitzdecks neue Anziehungspunkte sind. Mit hochkarätigen Veranstaltungen wollen wir zukünftig noch mehr Gäste anlocken. Formate wie das Oldtimertreffen, die verkaufsoffenen Sonntage oder das Fest der Kulturen zeigen schon jetzt, welches Potenzial hier besteht. Im engen Schulterschluss von Eigentümern, Gewerbetreibenden und der Stadt möchte ich bestehende Lücken in den Bereichen Gastronomie und Übernachtung in den nächsten Jahren gezielt schließen.
Frage 2: Bezahlbares Wohnen
Wohnen wird immer teurer und der Druck auf den Winsener Wohnungsmarkt aus Hamburg ist ungebrochen. Wie wollen Sie der Situation begegnen? Haben für sie neue Baugebiete in den Ortsteilen Priorität oder wollen Sie eher innenstadtnah verdichten?
Christine Glawe (SPD): Um bezahlbares Wohnen zu ermöglichen, brauchen wir dringend die verbindliche Quote von 25% bei allen Bauprojekten. In meinen Gesprächen mit den Verantwortlichen in Hamburg, Geesthacht und Göttingen wird deutlich, dass eine feste Quote von Unternehmen akzeptiert werden. Vor allem das serielle Bauen fördert entsprechende Projekte und die Quote liegt stellenweise weit über 25%. Das sollten wir nutzen und davon profitieren. Vernetzung und Zusammenarbeit - auch über die Landesgrenze hinaus.
Nachverdichtung spielt dabei ebenfalls eine zentrale Rolle wie eine nachhaltige Entwicklung neuer Wohngebiete, die den Charakter einer Schwammstadt haben. Dabei ist nachhaltiges Wachstum essentiell. Eine komplette Nachverdichtung kann dazu führen, dass wichtige Flächen versiegelt werden, die wir zum Erhalt des Klimas und der Versickerung von Regenwasser benötigen. Grundsätzlich gilt, nachhaltiges Wachstum mit einer gleichzeitigen Überplanung der Infrastruktur. Das ist in den letzten Jahren versäumt worden.
Henning Schwieger (AfD): Um dem enormen Siedlungsdruck zu begegnen, setze ich auf eine maßvolle Nachverdichtung, die den gewachsenen Charakter unserer Stadt und ihrer Ortsteile konsequent bewahrt. Wir müssen bezahlbaren Wohnraum gezielt für Einheimische und junge Familien schaffen, statt die soziale Infrastruktur durch ungebremsten Zuzug aus der Metropolregion zu überlasten. Einige Gemeinden (z.B. Stelle) haben bereits sog. Einheimischensatzungen, um ortsansässige und einkommensschwächere Personen bei der Vergabe von verbilligtem Bauland oder Wohnraum zu bevorzugen. Das wünsche ich mir auch für Winsen. Ich werde teure und ideologische Bauvorschriften im Rahmen der städtischen Möglichkeiten stoppen, damit das Bauen für den Mittelstand überhaupt wieder finanzierbar wird. Neue Baugebiete in den Ortsteilen sollen mit Augenmaß entwickelt werden, um die Identität unserer Heimat und unsere Natur frei von Windkraft-Industrialisierung zu schützen. Mein Ziel ist eine vernünftige Baupolitik ohne Bevormundung, die den Fokus auf die Bedürfnisse der Winsener Bürger legt.
André Wiese (CDU): Ich setze darauf, dass wir sowohl im Stadtkern als auch in den Ortsteilen durch kluge Nachverdichtung und neue Baugebiete Wohnen für alle Bevölkerungsgruppen ermöglichen. Mein Ziel ist eine Entwicklung mit Augenmaß, bei der sich neue Wohnprojekte harmonisch in die gewachsenen Strukturen einfügen. Geförderten Wohnraum für junge Menschen und die „fleißige Mitte“ der Gesellschaft brauchen wir dabei genauso wie eine höhere Eigentumsquote, damit sich mehr Winsener den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen können.
Frage 3: Familienstadt Winsen
Winsen positioniert sich als Familienstadt. Welche Herausforderungen für die nahe Zukunft sehen Sie bei dem, was die Verwaltung für junge Familien, Kinder und Jugendliche tun kann und muss?
Christine Glawe (SPD): Die Herausforderungen sind bereits vorhanden und die Liste aus meiner Sicht sehr lang. Zu einer familienfreundlichen Stadt gehören für mich
- kurze Wege in die Kindertagesstätten.
- bezahlbarer Wohnraum für junge Familien und gut durchmischte Quartiere.
- Anlaufstellen für Familien und Jugendliche.
Bei der Planung von Wohnflächen gehören nicht nur die Spielplätze, sondern auch Kindertagesstätten in der Nähe. Hier wäre eine Clusterbauweise ein guter Ansatz, um Kitas zu erweitern, wenn das Baugebiet später erweitert werden soll. Quartiere und Wohngebiete für junge Familien müssen bezahlen. Mit einer Durchmischung von Quartieren, wo jung und alt ein Zuhause finden, finden auch Seniorinnen und Senioren ein barrierefreies Zuhause und Anschluss an die Gemeinschaft im Wohngebiet. Kindertagesstätten können langfristig als Tageseinrichtungen nachgenutzt werden.
Um Familien, Seniorinnen und Senioren als auch Jugendliche zu unterstützen, sind Anlaufstellen in der Stadt und den Ortsteilen notwendig. Dazu gehören Einrichtungen, wo alle sich treffen, austauschen, voneinander lernen und vor allem leben können. Ähnliche Projekte gibt es bereits in Süddeutschland in Leonberg. Um Kindertagesstätten und Spielplätze zu beschatten, sind Sonnensegel notwendig. Langfristig ist die Pflanzung von klimaresistenten und standortgerechten Bäumen notwendig. Das gehört bei der Planung der Infrastruktur dazu und ist in den letzten Jahren massiv vernachlässigt worden.
Auch unsere Schulwege sind alles andere als sicher. Mit dem Pieto-Projekt werde ich in den kommenden Jahren Stück für Stück, Querungshilfen und Schulwege sicherer gestalten und gemeinsam mit Fachleuten prüfen, wie wir Schulwege soweit ausbauen können, dass wir Elterntaxis auf ein maximales Minimum reduzieren. Auf Kreisebene habe ich bereits einen Antrag an unsere Fraktion gegeben, dass die Einzugsgebiete für Schulbusse neu geprüft und angepasst werden. Darüber hinaus brauchen unsere Kids auch frei zugängliche Sportplätze, die nicht einem „Acker“ gleichen. Öffentliche Sportplätze müssen gepflegt werden, so dass unsere Kinder dort Fussball spielen können und zwar auch außerhalb eines Vereines. Dafür setze ich mich ein.
Es gibt also sehr viel zu tun, denn die Last darf nicht nur auf ehrenamtlichen Schultern ruhen.
Henning Schwieger (AfD): Eine echte Familienstadt benötigt zwingend den Erhalt unseres Krankenhauses Winsen als vollumfänglichen Versorger, um die stationäre medizinische Versorgung vor Ort langfristig zu garantieren. Die Sicherheit unserer Kinder im öffentlichen Raum hat für mich oberste Priorität, weshalb ich für Recht und Ordnung sowie eine konsequente Durchsetzung der Ausreisepflicht eintrete. In Bildung und Kultur müssen wir zur strikten Neutralität zurückkehren und jegliche politische Einflussnahme auf städtisch geförderte Einrichtungen konsequent beenden. Die Verwaltung muss sich als Dienstleister verstehen, der bürokratische Hürden abbaut und das Bürgermeisteramt als direkte, regelmäßige Anlaufstelle für die Sorgen der Eltern öffnet. Als zweifacher Vater und Großvater weiß ich genau, dass Familien vor allem Sicherheit, eine verlässliche Infrastruktur und eine ideologiefreie Erziehung benötigen.
André Wiese (CDU): Die freiwillige Ganztagsschule haben wir flächendeckend eingeführt und finanzieren sie verlässlich weiter, während wir leider noch auf eine ausreichende finanzielle Unterstützung des Landes Niedersachsen warten. Zudem sanieren und erweitern wir kontinuierlich Schulen sowie Kitas für optimale räumliche Bedingungen. Nach der erfolgreichen Eröffnung des neuen klimaneutralen Naturbads stellen wir dort nun schnellstmöglich das Funktionsgebäude fertig. Mit dem neuen Jugendzentrum am Luhespielpark schaffen wir bis Ende nächsten Jahres zudem einen zentralen Ort, damit dort unterschiedlichste Angebote für Jugendliche gebündelt und ausgebaut werden können.
Redakteur:Jan Filter aus Winsen |
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