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SOS-Foto in schwerer Stunde

Melanie Wiechert fotografiert Menschen in besonderen Lebenslagen
 
Bewegende Erinnerung an ein totgeborenes Kind (Foto: Dein Sternenkind)

Ehrenamt mit Kamera: Melanie Wiechert (27) aus Stade engagiert sich für "Dein Sternenkind" und "Herzbilder"

tp. Stade. Es kann zu jeder Tageszeit passieren, dass ihr Smartphone zum SOS-Einsatz in der Mission Menschlichkeit Alarm schlägt. Seit einem Jahr engagiert sich Melanie Wiechert ehrenamtlich für die Hilfsorganisation "Dein Sternenkind". Mit ihrer Kamera rückt die einfühlsame Hobby-Fotografin auf Anruf zu Eltern aus, um ihnen mit einem besonderen Porträt ihres sterbenden früh geborenen oder tot geborenen Kindes eine Erinnerung an die kurze gemeinsame Zeit zu schenken.

An ihren Einsatzorten, zumeist Krankenhäuser oder Bestattungsunternehmen, treffen die bundesweit insgesamt 600 "Sternenkind"-Fotografen stets auf Menschen in emotionaler Ausnahmesituation. Trauernde Mütter und Väter, denen schon wenige Tage nach der Geburt ihres Kindes der schwerste Gang bevorsteht.

Melanie Wiechert hält zu Hause handgearbeitete winzige Kleidungsstücke für die verstorbenen Frühgeborenen bereit. Die Mini-Strampler, Jäckchen, Einschlagdecken oder Stoffschiffchen werden von der ebenfalls im Landkreis Stade aktiven Freiwilligen-Gruppe „Nähen für Regenbogenkinder und Frühchen“ (das WOCHENBLATT berichtete) zur Verfügung gestellt.

Fachleute wie Krankenschwestern oder Hebammen helfen bei der Vorbereitung des besonderen Porträts, das eines der wenigen Andenken an das tote Baby sein wird. Das verstorbene Frühchen wird behutsam angekleidet. Dann fotografiert Melanie Wiechert Gesicht, Hände, Füßchen. Anschließendes Retouchieren ist Tabu. "Das Bild soll das Kind zeigen, wie es seine Eltern lieben", sagt Melanie Wiechert. Vor Antritt des Ehrenamtes belegte sie einen speziellen Foto-Workshop, der u.a. eine medizinische und psychologische Schulung beinhaltete.

Melanie Wiechert, von Beruf Industriekauffrau und Vertriebsdisponentin, spürt nacheigenem Bekunden keine Berührungsängste vor Trauer und Tod. Bereits als Kind begleitete sie ihre Großmutter, die ehrenamtlich schwer kranke Menschen, darunter Wachkoma-Patienten, bis zum Tode, pflegte. "Außerdem habe ich wohl das Helfersyndrom", sagt Melanie Wiechert. Sie spendet regelmäßig Blut und ist in der Deutschen Knochenmarkspender-Datei registriert.

Ihr erster Einsatz führte Melanie Wiechers während ihres Urlaubes nach Hamburg. Eine Mutter bat sie zu einem Bestatter, um ihre dort aufgebahrten toten Jungen zu fotografieren. Die Frau hatte die Kinder in der 23. Schwangerschaftswoche verloren. Melanie Wiechers setzte das tote Zwillingspaar auf Wunsch der Eltern in einem Weidenkörbchen in Szene.

Nach inzwischen zwei Einsätzen für "Dein Sternenkind" hat die passionierte Menschenfotografin, die selbst noch keine Kinder hat, ihre freiwilligen Aktivitäten ausgeweitet: Sie engagiert sich für den Verein "Tapfere Knirpse" als Fotografin für Familien mit einem schwerkranken Kind. Für die Initiative "Herzbilder" porträtiert sie Menschen mit Demenzerkrankung in ihrem letzten Lebensabschnitt.

http://www.melaniewiechert-fotografie.com