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"Kostenlüge" und "Schönrechnerei"

"Bei uns findet kein Schönrechnen statt": Hans-Jürgen Haase
 
A20-Kritiker (Foto: Uwe Schmidt)

A20-Gegner üben harsche Kritik an Stader Behördenchef / Warnung vor Preis-Expolsion

tp. Stade. "Falsche Zahlen können eine explosive Wirkung entfalten", sagt Uwe Schmidt, Sprecher des Koordinationskreis der Initiativen und Umweltverbände gegen die durch den Landkreis Stade verlaufende Autobahn 20 (A20) in Anspielung auf aktuelle Angaben des zuständigen Chef-Planers Hans-Jürgen Haase. Der Leiter der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Stade hatte in einem WOCHENBLATT-Artikel über den Planungsstand der Küstenautobahn den jüngst in Schleswig-Holstein gefassten Planfeststellungsbeschluss für den zugehörigen Elbtunnel bei Drochtersen als "Meilenstein der A20-Planung" bezeichnet.

Die Kosten für den Elbtunnel veranschlagt Haase unter Berufung auf eine Kalkulation des Landes Schleswig-Holstein mit rund 1,1 Milliarden Euro. Doch laut Uwe Schmidt, der in Hipstedt (Landkreis Rotenburg) wohnt, halten die Angaben "keiner Überprüfung stand, wenn man sie mit gleichartigen Projekten vergleicht". So habe die 2002 eröffnete vierte Elbtunnel-Röhre mit einer Länge von rund 2,6 Kilometern mit Kosten in Höhe von 875 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Umgerechnet auf einen Kilometer seien das 341,8 Millionen Euro. Demnach, so Schmidt, müsste der Tunnel rund 3,6 Milliarden Euro Kosten. "Da Herr Haase den A20-Elbtunnel erst nach dem Jahr 2025 realisiert sieht, kommen ab 2022 noch die jährlichen Preissteigerungsraten hinzu."

Ebenso seien die von Haase genannten Zahlen zur eigentlichen Autobahn fehlerhaft.
„Diese Schönrechnerei des Projektes A20 soll offenbar bewirken, die grundsätzliche Zustimmung der Regierung und des Bundestags für die Realisierung des Projekts zu erreichen“, vermutet Schmidt. Später würde man sich dann mit den "unvorhersehbaren" Kostensteigerungen nach dem Muster anderer Großprojekte, wie der Elbphilharmonie befassen dürfen.

Hans-Jürgen Haase wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Ein 'Schönrechnen' von Kosten findet bei uns grundsätzlich nicht statt." Das sei schon in Bezug auf das Vertrauensverhältnis mit dem Bund als Kostenträger nicht vertretbar. Grundsätzlich würden Kosten immer auf der Grundlage aktueller Preise ermittelt. Baupreisentwicklungen und den genauen Umsetzungszeitpunkt eines Projektes könne niemand vorhersagen. Daher fänden von Zeit zu Zeit Kostenfortschreibungen statt, in die aktuelle Erkenntnisse einfließen. Die angeführten Preisvergleiche mit anderen Tunneln hält Haase "für sehr fragwürdig".

Auch WOCHENBLATT-Leser Manfred Schuster aus Beverstedt meldet sich zum Thema zu Wort: Nach seinen Schätzungen, bei denen er sich auf Berechnungen des Gutachterbüros "Schmid Traffic Service GmbH" stützt, würden die 75 Kilometer Küstenautobahn im Elbe-Weser-Raum mit mehr als 2.9 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Schuster wirft den Politikern vor, sie würden Kosten bewusst niedrig ansetzen, um Projekte wie die Küstenautobahn "durchdrücken" zu können: "Das ist Betrug", so der Kritiker. Das Vorgehen werde von der Wirtschaft und deren Verbände unterstützt. "Sie erwarten durch die Baumaßnahmen Aufträge, eine Haftung für Mehrkosten gehen sie nicht ein."