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Zurück auf die Schiene: Vision vom Pendlerzug zwischen Stade und Bremervörde

Der Deinster Bahnhof als Pendlerstation zwischen Stade und Bremervörde - das ist noch Zukunftsmusik (Foto: tp/Montage: MSR)
 
Tagung am Deinster Bahnhof. Die Lenkungsgruppe um Sprecher Rainer Schlichtmann (3. v. re.) (Foto: tp)

Neues Leben auf alten Gleisen: Minister Olaf Lies bekundet Interesse / Studie zu Fahrgastzahlen

tp. Stade/Fredenbeck. Heißt es auf der Bahnstrecke Stade-Bremervörde bald wieder "zusteigen bitte"? Mitglieder der regionalen Lenkungsgruppe für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILE) der europäischen Förderregion Moorexpress-Stader Geest, die sich vergangene Woche am Deinster Bahnhof trafen, glauben, dass es zahlreiche Anreize gibt, Passagiere aufs Gleis zu locken.
Die Verantwortlichen klopften erste Maßnahmen zur Wiederbelebung des alten, wenig genutzten Schienenwegs fest.

Neben öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäuser, Behörden, Hallen- und Freibäder, Kino und Geschäfte gibt es Ausflugsziele wie den Vörder See oder den Künstlerbahnhof Mulsum, wo der Bildhauer Gerd Rehpenning jährlich an Himmelfahrt in sein offenes Atelier einlädt. Nicht zuletzt könnte die Strecke für Berufspendler und Schüler interessant sein. Zudem ist der Bau eines Bahnhofs in dem neuen Stader Wohngebiet Heidesiedlung Riensförde mit 2.000 Einwohnern in vager Planung.

Zu den weiteren Ideen gehört eine einheitliche Kennzeichnung der Bahnhöfe und möglicherweise eine Instandsetzung, etwa im Geest-Dorf Essel und in Stade-Hagen.

Das Vorhaben steht und fällt mit einer positiven Fahrgast-Prognose. In einem ersten Schritt soll ein Student mit einer wissenschaftlichen Untersuchung im Rahmen seiner Masterarbeit beauftragt werden. Ermittelt werden soll, unter welchen Bedingungen Bewohner der ländlichen Region bereit sind, vom Pkw aus Gleis zu wechseln. Verglichen mit städtischen Ballungsräumen sind die Aussichten auf hohe Fahrgastzahlen eher verhalten. Ein Grund, warum ein Förderantrag zur Reaktivierung der Moorexpress-Bahnstrecke Bremen, Worpswede, Bremervörde, Hesedorf, Stade im Jahr 2014 bereits scheiterte.

Doch nun starten die die Verantwortlichen einen zweiten Anlauf. Gemeinsames Ziel des Fredenbecker Samtgemeinde-Chefs Ralf Handelsmann, seines Amtskollegen Rainer Schlichtmann aus Harsefeld (ILE-Sprecher), Detlev Fischer, Bürgermeister von Bremervörde, und weiterer Akteure wie dem Planungsprofi Jan-Christoph Lendner, Projektleiter Regionalentwicklung der Sweco GmbH aus Bremen, ist es, für das Projekt nicht abgerufene Landes-Fördermittel zu akquirieren.

Die Initiative findet Gehör beim niedersächsischen Wirtschaftsministerium. ILE-Vertreter wurden von dem Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Olaf Lies (SPD), nach Hannover eingeladen, um ihr Vorhaben vorzustellen. Der Zeitrahmen bis zur Umsetzung ist noch völlig offen. Die Beteiligten gehen von einer mehrjährigen Planungsphase aus.

KOMMENTAR: Eine reizvolle Vorstellung

Ein Pendlerzug zwischen Stade und Bremervörde wie in alten Zeiten - eine reizvolle Vorstellung, nicht zuletzt wegen der Vorteile für die Umwelt durch Reduzierung des Pkw-Verkehrs. Doch wegen der geringen Aussichten auf einen rentablen Betrieb hat die Wiederbelebung der Bahnstrecke wohl wenig Aussicht auf Erfolg. Schon auf stark frequentierten Bahnabschnitten ist öffentlicher Personennahverkehr meistens ein Zusatzgeschäft.
Zudem sollten die Verantwortlichen überdenken, aus Spargründen einen Studenten mit der für Förderentscheidungen wichtigen Fahrgastprognose zu beauftragen. Die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit könnte leiden.
Thorsten Penz