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Federleicht und hart wie ein Brett

Wirtschaftsingenieur Gerret Kalkoffen in der CFK-Fertigungshalle
 
Fahrzeug im Test-Einsatz in der Schweiz (Foto: Coop Genossenschaft)

Jungunternehmer aus dem CFK-Valley in Stade bringt sparsames Transporter-Chassis auf die Straße / Serienfertigung ist das große Ziel

tp. Stade. Rollen bald Tausende Transporter aus dem Wunder-Leichtbaumaterial CFK über Deutschlands Straßen? Das zumindest ist die Vision des Jungunternehmers Gerret Kalkoffen (33). Ein Fahrzeug mit einem 3,50 Meter langen CFK-Chassis aus der Stader Ideenschmiede ist bereits im Testbetrieb. Kalkoffen hat starke Partner an seiner Seite. Auch der expandierende Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort, das Netzwerk für Kohlenstofffaserverbundleichtbau CFK Valley Stade, scheint ideal für das mutige Vorhaben.
In direkter Nachbarschaft des Airbus-Werkes, das den belastbaren und ebenso vielseitigen Kohlefaserverbundstoff seit mehreren Jahren im Flugzeugbau einsetzt, arbeitet Kalkoffen mit seinen fünf Mitarbeitern am Vorankommen der 2013 gegründeten Carbon Truck & Trailer GmbH (Carbon TT).

Schon jetzt feiert das aufstrebende Unternehmen erste Erfolge:
Nach seiner Vorstellung auf der IAA Nutzfahrzeuge 2014 gemeinsam mit den Partnern Volkswagen und The Team Composite AG (TTT), hat das erste Fahrzeug die Straßenzulassung erhalten. Die absolute Neuheit: Der Kühltransporter bietet durch Carbonfaser-Leichtbau bis zu 50 Prozent mehr Nutzlast als konventionelle Fahrzeuge seiner Klasse.

Inzwischen wurde der 3,5-Tonner an den dritten Projektpartner und Einzelhändler Coop in der Schweiz übergeben. In der Alpenrepublik wird der Flitzer bereits im Lieferbetrieb eingesetzt. "Die Fahrer sind begeistert", sagt Kalkoffen. Das CFK-Chassis "made in Stade" sei im Vergleich zum herkömmlichen Baumaterial Stahl nahezu "federleicht". Das "brettharte" mit Kunstharz aufgefüllte Faserstoff verleihe dem Fahrzeug eine super Straßenlage.

Sicherheit wird groß geschrieben: In die Teile sind elektronische Sensoren eingebaut, die das Material permanent überwachen. Nicht nur im Chassis, auch in dem "Kühlkoffer" genannten, quaderförmigen Stauraum wird CFK verwendet.
Wenn alles nach Plan läuft, geht das vom Wirtschaftsministerium Niedersachsen und der NBank zu 45 Prozent mitfinanzierte Projekt noch in diesem Jahr in die zweite Runde. In einem eigenen Bereich in der Entwicklungshalle CFK Nord will Carbon TT mit dem Stader Partner TTT mehr als 100 Prototypen der zweiten Generation herstellen. Die neuen Chassis werden in Hybridtechnik gefertigt, das heißt, dass das wertvolle CFK nur dort eingesetzt wird, wo es wirtschaftlich Sinn macht. Langfristig plant Kalkoffen eine Serienfertigung im Raum Stade. Alle 30 Minuten soll dann ein neues Chassis fertig werden. Allein in der Produktion sollen bis zu 50 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Kalkoffen rechnet sich gute Marktchancen aus. Wenngleich Fahrzeugteile aus CFK bis zu neun Mal teurer sind als solche aus Stahl, bergen sie für Transportunternehmen riesiges Sparpotenzial: Aufgrund des geringeren Gewichtes erhöht sich die Frachtmenge so stark, dass bis zu jedes dritte Nutzfahrzeug eingespart werden könnte.

• Für die Innovation Interessiert sich Niedersachsens Polit-Prominenz: Wirtschaftsminister Olaf Lies besucht am Montag, 27 Juli das Unternehmen Carbon TT in Stade.