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Headhunter als Image-Retter

Gelingt es einem Personalberater, einen geeigneten Kandidaten für das dritthöchste Amt im Stader Rathaus zu finden (Foto: tp/Grafik MR)
 
Erfahrener Headhunter: Dr. Lothar Mahnke von der "Regionomica Aachen GmbH" (Foto: Regionomica Aachen GmbH)

Wenn Politik und Verwaltung bei der Suche nach Spitzenpersonal scheitern, kann es teuer werden

tp. Stade. Jetzt soll ein privater Personalberater den Karren aus dem Dreck ziehen: Nach dem missglückten Auswahlverfahren für einen Nachfolger des scheidenden Stadtbaurates Kersten Schröder-Doms (68) in der Kreisstadt Stade haben sich Verwaltung und Rat darauf verständigt, einen sogenannten Headhunter mit der Akquise von Kandidaten für den hoch dotierten Posten des Spitzen-Wahlbeamten zu beauftragen. Das hätten die Verantwortlichen offenbar gleich tun sollen. Zwei Branchenprofis bewerteten im WOCHENBLATT-Gespräch die von der Stadt gewählte klassische bundesweite Ausschreibung der Stelle in einem Fachmagazin, einer Tageszeitung und in zwei Internet-Portalen (Kosten insgesamt 4.800 Euro) im vergangenen Jahr als "dilettantisch".

Wie berichtet, gerieten Ratsfraktionen und Bürgermeisterin Silvia Nieber (SPD) in einen handfesten Zoff um die Neubesatzung des für acht Jahre vom Rat gewählten Stadtbaurats-Amtes. Am Ende lehnte die Bürgermeisterin in letzter Minute einen Bewerber aus Nordrhein-Westfalen ab, auf den sich Politik und Verwaltung zunächst einvernehmlich geeinigt hatten. Dem Vernehmen nach passte das politische Image des Favoriten nicht in das Anforderungsprofil der als wirtschafts- und industriefreundlich geltenden Bürgermeisterin. Erst spät war bekannt geworden, dass dieser früher der Grünen-Partei angehörte. Nach dem Besetzungs-Zank gilt das Image der Stadt als beschädigt.

Das wäre unter der Regie eines erfahrenen Headhunters wie Dr. Lothar Mahnke (58) von der "Regionomica Aachen GmbH", ein internationales Beratungsunternehmen für Ministerien, Verwaltungen und private Einrichtungen, wohl nicht passiert. "Regionomica" war vor rund einem Jahrzehnt für die Stadt Stade tätig, um das Arbeitsfeld für den damals neuen Wirtschaftsförderer Thomas Friedrichs, der sich aktuell übrigens auch als Stadtbaurat bewarb, abzustecken. Aus klassischer Kommunalberatung wie dieser resultieren typischerweise Folge-Aufträge für Headhunter der Personalberatungsfirmen, die aus dieser Tätigkeit heraus über Verwaltungsstrukturen und Wechsel-Absichten von Top-Mitarbeitern Bescheid wissen und diese bei Bedarf gezielt ansprechen. So geschehen mit dem Kreis-Wirtschaftsförderer Michael Seggewiß, den "Regionomica" vor einigen Jahren nach Stade holte.

Für Dr. Mahnke gehört die Frage nach der Parteizugehörigkeit zu jedem Standardgespräch zwischen Headhunter und Bewerber, und entsprechende Angaben gehörten "in jeden vernünftigen Lebenslauf" sodass eine "verfahrene Situation" wie derzeit in Stade "unerklärlich" ist.

Der Einsatz einer Personalberatungsfirma bringe für eine Kommune den entscheidenden Vorteil einer professionellen Vor-Auswahl mit sich, auf die sich die Verwaltungsspitze - gleichbedeutend mit einem Gutachten - bei Abstimmungsgesprächen mit dem Rat berufen könne, so Dr. Mahnke.

Er rechnet der Stadt Stade hohe Chancen bei der Bewerbersuche via Headhunter aus - allerdings mit deutlicher zeitlicher Verzögerung, sodass der 1. August 2015 als angepeilter Termin kaum zu halten sei. Die Kandidaten-Auswahl dauere durchschnittlich rund drei Monate, hinzu kommen mindestens sechs Monate Kündigungsfrist bei dessen alten Arbeitgeber.

Auch ein Experte* von der "Renta Control Union" in Sachsen, der seit rund 25 Jahren als Headhunter arbeitet, bescheinigt der Stadt Stade Erfolgsaussichten - und zwar nur auf diesem Wege: Denn inzwischen würden knapp 80 Prozent aller Spitzen-Verwaltungsleute, die auf der Suche nach Aufstiegschancen sind, einen diskret arbeitenden Headhunter mit Top-Insiderwissen konsultieren.

Doch der Trend hat sich offenbar weder nach Buxtehude noch nach Buchholz herumgesprochen. Im Rathaus an der Este sucht man einen Fachbereichsleiter für Schulen, Soziales und Kultur und in der Nordheide-Metropole einen Ersten Stadtrat - in beiden Fällen auf die eher altmodische Art, die in Stade floppte.

Vielleicht scheut man dort auch die hohen Kosten: Für eine erfolgreiche Akquise verlangt ein Headhunter bis zu zwei Jahresgehälter eines hohen Verwaltungs-Mitarbeiters. Dabei kommt schnell ein sechsstelliger Euro-Betrag zusammen. Fest vereinbarte Honorare sind allerdings auch möglich.


Kommentar:

Geld verbrannt, Ruf beschädigt

Egal wie der neue Anlauf bei der Suche nach dem Mann an dritthöchster Position im Stader Rathaus ausgeht, auf dem Weg dorthin ist weiterer Streit zwischen den Fraktionen, die an der Definition des Profils des Kandidaten mitwirken wollen, programmiert. Schon jetzt ist der Ruf der Hansestadt Stade, die sich in einem langjährigen Prozess vom Image als hinterwäldlerisches Beamtennest löste, angeschlagen. Zudem wurde eine Menge Geld verbrannt - und Zeit verbummelt. Thorsten Penz

*Name der Redaktion bekannt