"Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht"
Funktionstüchtigkeit von Alarmsystemen im Katastrophenfall

Sirenen gehören zu den effektivsten Warnsystemen
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(jab/ce). "Katastrophaler Katastrophenschutz" titelte jetzt ein Boulevardblatt, als es darüber berichtete, dass von der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Betroffene nicht rechtzeitig gewarnt bzw. über das Ausmaß informiert werden konnten, da Strom- und Funknetze zusammengebrochen waren. Das WOCHENBLATT fragte bei den Landkreisen Harburg und Stade und deren Kreisbrandmeistern nach, wie funktionstüchtig hier die Alarmsysteme in Extremlagen sind.
Im Landkreis Stade ist Kreisdezernentin Nicole Streitz für den Katastrophenschutz zuständig. Sie sagt: "Es kann nie eine hundertprozentige Sicherheit für alle Eventualitäten in einem Katastrophenfall geben." Es werde immer in der konkreten Lage zu entscheiden sein, welche Ziele mit welchen Maßnahmen in welcher Reihenfolge zu verfolgen sind. Der Umgang mit der Unplanbarkeit und dem Unvorhergesehenen ist immer ein Teil der Bewältigung einer Katastrophe. Aber: "Viele Aspekte des jetzigen Unglücks in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind auch Teil unserer Vorausplanungen für den Katastrophenfall." Zur Planung gehöre auch das Thema "großflächiger Stromausfall" und damit einhergehend die erwartbaren Kommunikationsprobleme. "Das Herstellen einer vernünftigen Ersatzkommunikation mit Einsatzkräften und die Information der Bevölkerung stellen die vordringlichsten Aufgaben im Katastrophenfall dar."
Um Einsatzkräfte zu alarmieren, gibt es ein autarkes, d.h. vom Mobilfunk unabhängiges digitales Alarmierungssystem im Landkreis, das auch über Notstrom wieder in Betrieb genommen werden kann. Die zugeordneten Relaisstellen sind alle planmäßig mit Stromerzeugern ausgestattet. Zudem sei es abgesprochen, dass sich die Einsatzkräfte selbstständig in die Feuerwehrgerätehäuser bzw. die Unterkünfte der Hilfsorganisationen begeben, so Streitz. Auch die Kommunen bereiten entsprechende Notfallpläne vor.
Damit im Notfall jeder weiß, was er zu tun hat, üben sowohl der Katastrophenschutzstab als auch die Einsatzkräfte regelmäßig verschiedene Szenarien. Aber: "Am Ende wird es immer darauf ankommen, genau die richtigen, auf die Situation passenden, Maßnahmen zu treffen und so gut wie möglich und so schnell wie möglich zu entscheiden", sagt Streitz. Stades Kreisbrandmeister Peter Winter ergänzt: "In den Simulationen können wir nie solche Dimensionen abbilden, wie sie im Ernstfall vorkommen." Lediglich die Abläufe könnten wirklich geübt werden.
Über die Warn-App Nina werden zentrale Informationen, Übersichten und Handlungsempfehlungen an die Bevölkerung weitergegeben. Sollte es zu einem Zusammenbruch der Stromversorgung und des Mobilfunknetzes kommen, erhalte die Bevölkerung Informationen per Radio. "Im Fall des Falles hilft übrigens immer das Autoradio weiter." Die Unterkünfte der Hilfsorganisationen und Feuerwehren sowie einige öffentliche Gebäude können teilweise auch als Anlaufpunkte für die Bevölkerung dienen. Sie sind die sogenannten Katastrophenschutz-Leuchttürme. Sofern Straßen passierbar sind, können auch Durchsagen mit Lautsprecher-Wagen gemacht werden.
Die Dezernentin weist in diesem Zusammenhang auf die Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hin. Dazu hatte der Landkreis im vergangenen Sommer an alle Haushalte eine entsprechende Broschüre verteilt. Diese orange Broschüre ist auch in den Rathäusern im Landkreis bzw. beim Landkreis online verfügbar unter www.landkreis-stade.de.
• "Wenn es keine Störungen beispielsweise im Digitalnetz gibt, wird die Bevölkerung des Landkreises Harburg bei Katastrophenlagen über unsere Bürger-Informations- und Warn-App BIWAPP in Kenntnis gesetzt", erklärt Kreis-Pressesprecher Andres Wulfes. Über die Rettungsleitstelle in Winsen, die auch via Notstromversorgung arbeiten könne, würden die Sirenen in den betroffenen Städten und Gemeinden ausgelöst. Die Feuerwehren seien erreichbar über digitale Meldeempfänger, die bei Engpässen auch über Notstrom funktionierten. "Sollte strom- und digitaltechnisch alles zusammenbrechen, müssen Feuerwehr und Polizei durch die Straßen fahren und die Menschen mit Lautsprecherdurchsagen warnen", so Wulfes. Volker Bellmann, Kreisbrandmeister des Landkreises Harburg, teilt Wulfes' Ausführungen. "Bei einem Ausfall des Digitalfunks bei den Feuerwehren bleibt für diese eventuell noch die Möglichkeit, sich per Telefon über Einsätze abzustimmen", ergänzt er. Zur Gewährleistung der Sicherheit könne man andernfalls Personal präventiv in Feuerwehrhäusern zusammenziehen und sie bei Bedarf zum Einsatzort abholen.
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte in Medien eine Warn-SMS durch Mobilfunkanbieter an alle von Katastrophen betroffenen Bürger gefordert. "Tagsüber ergeben diese SMS Sinn, nachts dürfte aber niemand davon aufwachen", gibt Volker Bellmann zu bedenken. "Vom Heulen der Sirenen wacht dagegen jeder auf."

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Sirenen gehören zu den effektivsten Warnsystemen
"Eine Warn-SMS ergibt nur tagsüber Sinn": Kreisbrandmeister Volker Bellmann
Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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