Polizeialltag
Interview mit Polizeikommissarin: "Wurden Sie schon einmal im Dienst beleidigt?"

Polizeikommissarin Lena Gade mit Zephyrpinsel zur Fingerspurensicherung am Einsatzfahrzeug der Tatortgruppe
  • Polizeikommissarin Lena Gade mit Zephyrpinsel zur Fingerspurensicherung am Einsatzfahrzeug der Tatortgruppe
  • Foto: ts
  • hochgeladen von Thomas Sulzyc

(ts). Gewalttätige, Betrunkene und Provokateure - Polizisten begegnen Menschen, denen andere lieber aus dem Weg gehen. Was in ihrer letzten Schicht passiert ist und was sie nie vergessen wird, sagt die Polizeikommissarin Lena Gade (28) aus Buchholz im Interview mit WOCHENBLATT-Redakteur Thomas Sulzyc.
WOCHENBLATT: Warum sind Sie Polizistin geworden?
Lena Gade: Ich wollte schon als Kind zur Polizei. Ich bin eine Spürnase, von Natur aus neugierig. Polizisten müssen einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben und anderen Menschen helfen wollen - das trifft auf mich zu. Ich war mir meiner Entscheidung immer sicher. Nach dem Abitur hatte ich bei der Berufswahl nie einen Plan B.
WOCHENBLATT: Was ist in Ihrer letzten Schicht passiert?
Lena Gade: Spaziergänger im Wald Höllenschlucht, einem beliebten Ausflugsziel in Buchholz, haben uns Brandgeruch gemeldet. Ich gehöre zur Tatortgruppe und bin speziell in der Spurensuche ausgebildet. Gemeinsam mit drei Feuerwehrleuten habe ich den Wald abgesucht. Wir stießen auf eine Stelle, an der viele Bäume umgestürzt und mit einer noch unbekannten Flüssigkeit betröpfelt waren. Die Feuerwehr war davon überzeugt, dass es sich um einen Brandbeschleuniger handeln müsse. In meiner letzten Schicht war ich also auf der Suche nach einem Brandstifter.
WOCHENBLATT: Was war das Ereignis in Ihrer Laufbahn bisher, das Sie nie vergessen werden?
Lena Gade: Ich hatte Spätschicht, es war bereits dunkel. Wir erhielten einen Anruf, dass Jugendliche auf die Gebäuderückwand des Polizeikommissariats in Buchholz schießen würden. Kollegen und ich gingen nachsehen. Auf der anderen Straßenseite sah ich plötzlich jemanden hervorspringen - eine Silhouette mit einer Waffe in der Hand. Als der Jugendliche auf mich zulief, zog er plötzlich die Waffe und warf sie vor mir auf den Boden. Hätte er sich anders bewegt, hätte er die Waffe anders gehalten, hätte ich von meiner Schusswaffe Gebrauch gemacht. Es war das erste Mal, dass ich bereit war, in einem Ernstfall meine Dienstwaffe zu benutzen. Das werde ich nie vergessen.
WOCHENBLATT: Womit war der Jugendliche bewaffnet?
Lena Gade: Es stellte sich als Softairwaffe heraus, die so manipuliert war, dass sie mich verletzen hätte können. Die Softairwaffe sah einer echten Schusswaffe zum Verwechseln ähnlich. Dies zu erkennen, ist in solch einer Situation fast unmöglich.
WOCHENBLATT: Pöbeleien gegen Polizisten nehmen zu, heißt es. Sind Sie im Dienst schon einmal beschimpft oder attackiert worden?
Lena Gade: Dass ich im Dienst beschimpft werde, passiert häufig von Menschen jeden Alters. Die Beleidigungen merke ich mir erst gar nicht - oft ist es unter der Gürtellinie.
Während meines Praktikums vor fünf Jahren ging mich eine Frau mit Tritten und Fäusten an, bespuckte mich. Sie stand unter Drogen und unterlag starken Stimmungsschwankungen. Am Ende hat sie sich heulend bei mir entschuldigt. Verletzt hat sie mich nicht.
WOCHENBLATT: Was ist anders in Ihrem Beruf, als Sie sich das vorgestellt haben?
Lena Gade: Erstaunlicherweise ist 70 Prozent meiner Arbeit Schreibarbeit. Jeden Hinweis und jeden Einsatz müssen wir aktenkundig machen, auch wenn er nicht einmal zu einer Ordnungswidrigkeit führt. Das hätte ich damals nicht gedacht.
WOCHENBLATT: Was stört Sie an Krimis im Fernsehen am meisten?
Lena Gade: Es vermittelt ein falsches Bild, wenn die Kommissarin in High Heels am Tatort erscheint und womöglich noch einen Verbrecher verfolgt. Aber solche Szenen stören nicht wirklich, man muss es eben als Unterhaltung nehmen. Ich schaue ohnehin selten Kriminalfilme.
WOCHENBLATT: Haben Sie eine Lieblingskriminalfigur?
Lena Gade: Ich lese gerne Bücher von Sebastian Fitzek oder Charlotte Link. Sie beschreiben Morde und Tatorte, wie ich sie im echten Leben nicht erlebe. Mich begeistert, wie die einzelnen Szenen am Ende zusammenpassen.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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