Landkreis-Kulturpreis "Blauer Löwe" für Flüchtlings-Integrationsprojekt
"Das ist eine Befreiung""

Bei der Preisverleihung (v. li.): Andreas Sommer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Harburg-Buxtehude, Pianistin Friederike Sieber, Christian Lange, Jusef Amiri, Mohammad Alalie, Landrat Rainer Rempe, Cornelia Salje, Yacoub Yahiya, Waheed Safdari, Laudator Karl-Heinz Glaeser und Veranstaltungsmoderator Lars Cohrs
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  • Bei der Preisverleihung (v. li.): Andreas Sommer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Harburg-Buxtehude, Pianistin Friederike Sieber, Christian Lange, Jusef Amiri, Mohammad Alalie, Landrat Rainer Rempe, Cornelia Salje, Yacoub Yahiya, Waheed Safdari, Laudator Karl-Heinz Glaeser und Veranstaltungsmoderator Lars Cohrs
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  • hochgeladen von Christoph Ehlermann

ce. Buchholz. "Sie begreifen die kulturelle Vielfalt als Bereicherung und tragen so zu einer weltoffenen, toleranten Gesellschaft bei!" Mit diesen Worten unterstrich Landrat Rainer Rempe die Bedeutung des gemeinsam mit Flüchtlingen realisierten Jesteburger Projektes "'Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus' – eine Auch-szenische Winterreise", das jetzt in der Buchholzer Empore den Kulturpreis "Blauer Löwe" des Landkreises Harburg erhielt. Die Auszeichnung erfolgte in der Sparte "Interkulturelle Kunst- und Kulturarbeit".
Der "Blaue Löwe" - eine gläserne Trophäe mit dem Kreis-Wappentier im Handstand als Motiv - wird seit 2005 jährlich in wechselnden Sparten ausgeschrieben. Die Jury besteht aus Journalisten - darunter WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann - sowie aus Vertretern der Sparkasse Harburg-Buxtehude, des Landkreises und regionaler Kulturinstitutionen. Das Preisgeld von 2.000 Euro stellt die Sparkassen-Stiftung.
Die Jury prämierte das musikalische Projekt unter der Leitung der renommierten Mezzosopranistin Cornelia Salje aufgrund seiner hohen künstlerischen Qualität und Professionalität. Auch die interkulturelle Dimension sprach für die Auswahl. Das Projekt entstand aus der Unterstützungsarbeit für geflüchtete Jugendliche in Jesteburg. Gemeinsam mit Salje, Bariton Christian Lange, der ghanaische Wurzeln hat, und Pianistin Friederike Sieber gestalten dabei die Schutzsuchenden Waheed Safdari, Jusef Amiri, Mohammed Alalie und Yacoub Yahiya einen szenischen Abend. Grundlage dafür ist der Liederzyklus "Winterreise“ von Franz Schubert und Wilhelm Müller. Das Fremde ist dabei das verbindende Element, da sich jeder immer wieder fremd fühlt und nach Zugehörigkeit sucht. Hinzu kommen Szenen der Flucht und persönliche Erlebnisse, die den aktuellen Bezug herstellen. Das Projekt wurde bereits erfolgreich im Landkreis Harburg und in Hamburg aufgeführt. "Ziel ist es, Verständnis und Respekt füreinander zu schaffen und zu fördern", erklärte Cornelia Salje.
Der mit Salje und ihrer Projektgruppe gut befreundete Karl-Heinz Glaeser aus Jesteburg betonte in seiner Laudatio, die "Winterreise" beinhalte "ein breites Spektrum an sozialen, politischen, psychischen und künstlerischen Ebenen" und werde durch eine "'Wir schaffen das!'-Energie" zusammengehalten. Er erinnerte mit letzterem Begriff an das Motto, das Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Beginn der nach Deutschland kommenden Flüchtlingsströme im Jahr 2015 ausgab.
Glaeser berichtete auch von Gesprächen mit dem syrischen Projektteilnehmer Mohammed Alalie, der die Performance als "Erklärung, wie wir unterwegs gelitten haben", interpretiert. "Das ist für mich eine Befreiung. Ich kann auf der Bühne meine Gefühle richtig ausdrücken", so Alalie. Der aus Afghanistan stammende Jusef Amiri, der Jesteburg und Umgebung lieb gewonnen hat ("Das ist mein Land, die verstehen mich"), schwärmte dankbar: "'Winterreise' - das ist meine Liebe."
"Standing Ovations" vom begeisterten Publikum der Preisverleihung gab es für alle Beteiligten, als sie berührende Ausschnitte aus "Fremd bin ich eingezogen ..." auf die Empore-Bühne brachten. Die Lieder und Gedichte trugen die Geflüchteten dabei zum Teil in ihren Landessprachen vor. Cornelia Salje bedankte sich für den Beifall und die Auszeichnung: "Wir haben bei dem Projekt untereinander eine wunderbare menschliche Nähe geschaffen. Ein Gefühl von Fremdsein kann da gar nicht erst entstehen."

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