Gelber Sack im Landkreis Harburg
Warten auf die Müllabfuhr: Nachsammlung - Fehlanzeige!
- Offenbar schon von hungrigen Tieren angefressen: tagelang herumliegende Gelbe Säcke, hier in Klecken
- Foto: Heinz Giesecke
- hochgeladen von Gabriele Poepleu
Update: Noch eine Woche nach Veröffentlichung des Wochenblatt-Artikels liegen überall im Landkreis Gelbe Müllsäcke herum. Offenbar ist der Krankenstand bei Knettenbrech & Gurdulic noch immer außergewöhnlich hoch. Die Nachsammlungen wegen der Fahrerausfälle kommen jedenfalls nicht in Schwung, wie uns verschiedene Leser berichten:
"Seit Dienstag vergangener Woche tut sich nichts - außer einiger Verwehungen von Verpackungsmüll der Nachbarn", beschwert sich Rolf Meyer aus Buchholz-Sprötze. Hier schlage K+G "die Mangelleistung um weitere 48 Stunden".
Rolf Roth ärgert sich: Am 20. November sei die Abfuhr der gelben Säcke in Buchholz-Steinbeck vorgesehen gewesen. Sie lägen – nicht nur dort – inzwischen zehn Tage, also das zweite Wochenende, noch immer auf den Straßen. "Ein 'wunderbarer' Schmuck zum 1. Advent!" Er fragt sich in Bezug auf K+G, "ob es sich hierbei um Unwillen oder Unfähigkeit handelt, ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen."
In Moisburg sieht es auch schlecht aus: Silke und Jochen Mertens aus Moisburg berichten: K+G habe weder auf ihre E-Mail vom 24. November reagiert, noch sei das Unternehmen telefonisch erreichbar. Die nächste Beschwerde ging dann direkt an das Duale System/ Der Grüne Punkt: Die gelben Säcke lägen nun seit zwei Wochen in Moisburg an den Straßenrändern, teilweise beschädigt, sodass Plastikmüll in die Natur wehe.
Die Leser drohen jetzt mit weiteren Maßnahmen: "Die durch die Nichtabholung der gelben Säcke durch die Firma Knettenbrech & Gurdulic verursachte Umweltverschmutzung müsste normalerweise juristisch verfolgt werden. Wir fordern Sie auf, dafür zu sorgen, dass die gelben Säcke umgehend eingesammelt werden. Sollten die Säcke nicht bis Mittwochabend, 3. Dezember, abgeholt worden sein, behalten wir uns weitergehende Schritte gegen die Verantwortlichen vor."
Was könnten Bürger tatsächlich unternehmen? Tatsächlich wäre wohl das Ordnungsamt der jeweiligen Kommune als "aufsichtsführende Behörde" zuständig, meinen manche Bürger. Dort könnte man eine "Ersatzvornahme" anmahnen: Dann muss das Ordnungsamt tätig werden und würde K+G die Kosten in Rechnung stellen.
"Das stimmt so leider nicht", sagt dagegen Kreissprecher Andres Wulfes. "In erster Linie ist derjenige für herumliegenden Müll zuständig, der ihn da hingebracht hat." Wenn der zuständige - im Auftrag der Bürger privatwirtschaftlich organisierte - Entsorger nicht anrücke, müssten die Bürger den Müll selbst wieder einsammeln, falls die Säcke platzen, Tiere anziehen und die Gegend verschmutzen. "Ich weiß: Das ist eine schwierige Aussage, aber so ist die Rechtslage." Auch beim Auffinden von normalem Müll werde vom Landkreis derjenige in die Pflicht genommen, der den Müll in die Landschaft gebracht hat. "Das ist der Verursacher, und der muss sich kümmern und - falls er zu ermitteln ist - für die Entsorgung zahlen."
Übrigens: Wie uns Leserin Van der Heide aus dem Meckelfelder Haferkamp berichtet, wurde dort zwar der Gelbe Container geleert, dafür aber die Blaue Papiertonne stehengelassen - auch für sie ist K+G zuständig, allerdings im Auftrag des Landkreises Harburg. Vereinzelt beschwerten sich Bürger über die sozialen Medien, der Landkreis poche nur auf deren Abfuhr, kümmere sich zu wenig um den Verpackungsmüll. "Das ist mitnichten so", widerspricht Andres Wulfes. "Wir nehmen da keine Priorisierung vor." Man sei auch über die Gelben Säcke mit K+G im Gespräch. Allein: Es fehle ein Druckmittel, weil der Landkreis dafür einfach nicht zuständig sei und keine Verträge habe, die man kündigen könnte.
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Gerade erst hatten viele die Einführung der Gelben Tonne statt der herumfliegenden Gelben Säcke gefeiert und Knettenbrech&Gurdulic (K+G)-Prokurist Alexander Pabst hatte beteuert, die Personalengpässe seien vorbei. Da erreichen das Wochenblatt schon wieder zahlreiche Meldungen über tagelang nicht abgeholte Säcke.
Betroffen diesmal: Buchholz-Steinbeck, Klecken, Eckel, Maschen und Jesteburg. Auch in Neu Wulmstorf und Undeloh wurden die Gelben Säcke nicht abgeholt.
"Hier liegen die Säcke schon seit vergangenen Donnerstag, also fünf Tage", klagt ein Anwohner des Buchholzer Fritz-Reuter-Wegs. "Das gilt für die ganze Siedlung rund um den Vaenser Weg." Tatsächlich blieben auch viele Firmen - zum Beispiel in der Maurerstraße von der Redakteurin selbst bemerkt - auf ihrem Verpackungsmüll sitzen.
In Klecken liegen die Säcke seit vier Tagen am Straßenrand. "Sie sind von Elstern und vermutlich Ratten schon angefressen", klagt ein Anwohner. "Was ist bei dem Entsorger los?" Denn der ist nicht erreichbar. Schon der Buchholzer hatte dort trotz mehrfacher telefonischer Versuche niemanden erreicht: "Ich wurde mehrfach am Telefon einfach weggedrückt", sagt er.
Vor dem örtlichen Kleckener Bäcker ein großer Säckehaufen rund um einen Gelben Container, in den Dorfstraßen sieht es genauso aus.
Das gleiche Bild in Jesteburg "Das ist doch Irrsinn, bei Sturm fliegt das alles durch die Gegend", kommentiert Anwohner Heinz May aus dem Dachsweg. "Hier ist die ganze Siedlung rund um Dachsweg, Am Ilksberg und Pfarrweg wie beim letzten Mal schon betroffen." Auch in Bendestorf liegen die Gelben Säcke schon seit einer Woche herum.
In Neu Wulmstorf das gleiche Problem: "Im Kernort gibt es zahlreiche Straßen, in denen die Gelben Säcke nicht abgeholt worden sind. Eine Antwort hierzu hat es bisher nicht gegeben und nach den Beteuerungen des Unternehmens (...) ergibt sich für viele das gleiche Bild wie vor ein paar Wochen", berichtet Bürgermeister Tobias Handtke. Auch er hat das Vertrauen in die Firma K+G nachhaltig verloren: "Die Beschwerden sind verständlicherweise zahlreich und das Vertrauen in einen reibungslosen Wechsel auf die gelbe Tonne kann ich für mich ehrlicherweise nicht feststellen."
Was ist da los? K+G-Sprecherin Nadine Kuhnigk weist die Aussage zur unmöglichen Erreichbarkeit von sich: "'Weggedrückt' wird in Marxen keiner. Wir sind bemüht, alle Anfragen zeitnah zu beantworten. Wir prüfen mit dem Dienstleister, ob eine Störung in der Telefonanlage vorlag oder liegt, die ein augenscheinliches 'wegdrücken' ausgelöst hat."
Der Grund für den liegengebliebenen Müll seien erneut "krankheitsbedingte Personalengpässe, die wir zeitnah mit Fahrern und Ladern aus anderen Niederlassungen ausgleichen", so Kuhnigk. "Dadurch werden aufgrund der fehlenden Ortskenntnisse der auswärtigen Fahrer einige Straßenzüge teilweise nicht abgefahren.
Allerdings fehlten grundsätzlich "trotz intensiver Suche" weiterhin Fahrer und Lader für die Abfuhrwagen. Man habe den "geplanten und notwendigen" Personalstand noch nicht erreicht. "Wie allseits bekannt, gibt es bundesweit einen Mangel an Berufskraftfahrern, der im Raum Hamburg besonders ausgeprägt ist."
Schließlich erhielt nach fast einer Woche zumindest der Bürgermeister eine Antwort von K+G: "Die noch nicht gesammelten Bereiche in Neu Wulmstorf werden so zeitnah wie möglich nachgefahren. Hierfür sind auch zusätzliche Sammeltouren am kommenden Samstag vorgesehen. Sobald uns der konkrete Abholtermin für die Nachfahrtouren in Neu Wulmstorf vorliegt, gebe ich diesen durch", teilte ein K+G-Mitarbeiter mit.
Wird - vor diesem Hintergrund - die zeitnahe Auslieferung der Gelben Tonne bis Ende Januar klappen? Kuhnigk: "Die Auslieferung der gelben Tonne ist davon unabhängig. Hier erfolgt die Auslieferung planmäßig über dafür eingesetzte Auslieferungsunternehmen."
Übrigens: Beschwerden beim Landkreis Harburg sind an der falschen Adresse und helfen wenig. Er ist schlicht nicht zuständig und hat keinerlei Handhabe, direkt gegen K+G vorzugehen oder den Auftrag einem zuverlässigeren Unternehmen zu geben.
Zuständig ist allein das Unternehmen Duale Systeme "Der Grüne Punkt GP GmbH" (E-Mail entsorgungsdienstleistungen@gruener-punkt.de, Tel. 02203-937136), welches im Auftrag der Produkthersteller, die Verpackungen verwenden, das Einsammeln von "Leichtverpackungen", wie sie im Amtsdeutsch heißen, erledigen soll. Dafür wird das Unternehmen von den Herstellern bezahlt. Das heißt: Die Bürger zahlen indirekt über den Produktpreis auch die Entsorgung der Verpackung.
Die Dualen Systeme holen aber nicht selbst ab, sondern schreiben den Auftrag dafür aus und vergeben ihn auch nach ihren eigenen Kriterien, im Falle des Landkreises Harburg an K+G. (E-Mail dispo-nord@knettenbrech-gurdulic.de, Tel. 04185-9269012).
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