BAP-Sänger kommt nach Buchholz / Verlosung
WOCHENBLATT-Interview mit Wolfgang Niedecken "zwischen Start und Ziel"
- BAP-Sänger Wolfgang Niedecken kommt mit seinem Solo-Programm "Niedecken/Zwischen Start & Ziel" 2026 auch nach Buchholz
- Foto: Tina Niedecken
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
"Et Levve ess en Autobahn met Staus un Kurve, die kütt uss der Verjangenheit un führt uns durch et Jetz enn Richtung morje", singen die Kölschrocker BAP in einem ihrer Songs. Für Frontmann Wolfgang Niedecken (74) sind die Zeilen derzeit Programm: Seine "Dylanreise"-Tour hat er kürzlich abgeschlossen, mit BAP ist er derzeit deutschlandweit für "Zeitreise"-Open-Airs unterwegs – und im Januar kommt er solo mit "Niedecken/Zwischen Start & Ziel" wieder nach Buchholz. Zwischen zwei Konzertterminen nahm sich Wolfgang Niedecken Zeit für ein Interview mit WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann, der den Künstler seit knapp drei Jahrzehnten kennt.
WOCHENBLATT: Das Programm, mit dem du in Buchholz auftrittst, heißt „Niedecken / Zwischen Start & Ziel“. Wie kam es zu dem Titel?
Wolfgang Niedecken: Ursprünglich wollte ich das Programm "Lieder und Geschichten aus dem Leben" nennen. Das war mir aber zu langweilig. Dann habe ich auf eine Zeile aus einem Song gelauert, die besser passt, und stieß auf "irjendwo zwesche Start un Ziel" aus dem Song "Noh all dänne Johre". Das ist ein schöner Titel für so ein Programm.
WOCHENBLATT: Worauf liegt der Fokus bei diesem Abend?
Niedecken: Er umfasst mein gesamtes Leben. Das Programm fängt an mit dem Song "Alles relativ". Dazu muss ich dann gar nicht viel sagen, denn er erklärt quasi, was das Publikum in den nächsten drei Stunden erwartet - nämlich durchweg eigene Songs, die irgendwo einen autobiografischen Kern haben. Zwischen den Liedern gibt es - genau wie bei der "Dylanreise" - kurze Passagen mit Lesungen oder Erzählungen.
WOCHENBLATT: Welche Lieder hast du neben "Alles relativ" unter anderem noch im Gepäck?
Niedecken: Es sind auch Stücke dabei, die jeder kennt - wie beispielsweise "Verdamp lang her" über meinen Vater, das ich zum ersten Mal in einem Solo-Programm spiele. Und ich spiele auch politische Songs wie "Arsch huh - Zäng ussenander". Die darin beschriebene Geschichte ist mir genauso passiert. Der Mann, der in der Bäckerei mit anhören muss, wie ein Typ im Blaumann rechten Schwachsinn von sich gibt, und nicht in der Lage ist, ihm Paroli zu bieten, war ich selbst.
WOCHENBLATT: Begleitet wirst du bei deinem Programm – wie schon bei der „Dylanreise“, mit der Ihr auch in Buchholz wart – wieder von Mike Herting am Piano. Was macht das Zusammenspiel zwischen euch aus?
Niedecken: Das funktioniert wie Ying und Yang. Mike ist hochmusikalisch und weiß genau, was er wo spielen kann und was er sich besser verkneift.
WOCHENBLATT: Wir haben über den Song "Noh all dänne Johre“ gesprochen, der vom BAP-Album „Halv su wild“ von 2011 stammt. Darin besingst Du die "Unruh enn dä Seel un dat Jeföhl wie op dä Durchreis". Ist die Unruhe, die Dich als Mensch und Künstler um- und antreibt, heute immer noch so groß? Oder stimmt die – hochdeutsch übersetzte – Zeile aus dem gleichen Song: „Man wird gelassener, demütiger sogar. All die Zeit auf dem Buckel ist auch heilsam offenbar“?
Niedecken: Sowohl - als auch. Es lässt sich nicht vermeiden, dass mit zunehmendem Alter auch die Gelassenheit zunimmt. Viele Situationen, bei denen man früher auf dem Tisch gestanden hätte und sich mordsmäßig echauffiert hätte, kennt man inzwischen schon und kann entspannter damit umgehen. Aber es gibt immer noch Themen, bei denen ich auf dem Tisch stehe, und das hält ja auch lebendig. Wenn ich alles aus der Hängematte kommentieren würde, wäre mir das zu langweilig. So ist mein Leben nie gewesen und so wird es auch nicht werden.
WOCHENBLATT: Was treibt dich beim Blick ins Land und in die Welt gerade besonders um?
Niedecken: In politischer Hinsicht sind das diese ganzen Populisten, die an die Macht drängen oder schon an der Macht sind. Es macht mich auch wahnsinnig, dass die Meinung verbreitenden Plattformen nicht mehr öffentlich rechtlich sind, sondern irgendwelchen Milliardären gehören, denen nur daran gelegen ist, ihren Reichtum zu sichern und zu vergrößern. Sie haben die Macht über die Medien, was wahrscheinlich vielen Leuten gar nicht bewusst ist. Die lassen sich von den Plattformen manipulieren, was das Zeug hält. Was das bedeutet, haben wir ja schon im BAP-Song "Ruhe vor'm Sturm" mit dem Jonathan-Swift-Zitat beschrieben: "Lüje fleeje un die Wahrheit humpelt hingerher".
WOCHENBLATT: Im nächsten Jahr feierst Du vor spektakulären Kulissen in Köln gleich zwei Jubiläen – deinen 75. Geburtstag am 30. März mit einer besonderen Version Deines Solo-Programms in der Philharmonie und 50 Jahre BAP am 10. Juli im Rheinenergiestadion. Was macht das mit einem, wenn man an solch fast schon geweihten Orten spielen darf?
Niedecken: Ich habe unfassbar viele Erinnerungen an dieses Stadion. Als Kind hat mich mein 20 Jahre älterer Halbbruder dorthin mit zum Fußball genommen, als Köln 4:0 gegen Nürnberg gewonnen hat. Von da an wusste ich: Da will ich jetzt öfters hin. Mit BAP haben wir dreimal im Vorprogramm der Rolling Stones gespielt. Ich habe dort viele tolle Konzerte erlebt. Es ist so etwas wie mein - etwas zu groß geratenes - Wohnzimmer.
Auch die Aussicht, in der Philharmonie aufzutreten, ist wunderbar. Der Klang darin ist großartig. Dort haben wir mit BAP schon unser (Un-)Plugged-Album "Das Märchen vom gezogenen Stecker" aufgenommen.
WOCHENBLATT: Wolfgang, vielen Dank für das ausführliche Gespräch.
• Das WOCHENBLATT verlost in Kooperation mit der Buchholzer Empore dreimal zwei Karten für den Niedecken-Auftritt. Wer die Tickets haben möchte, schickt bis 12. Juli eine E-Mail mit dem Stichwort "Niedecken" an gewinnspiel@kreiszeitung.net.
• Karten für "Niedecken / Zwischen Start & Ziel" am Montag, 26. Januar, um 20 Uhr in der Buchholzer Empore (Breite Straße 10) sind ab 45,90 Euro erhältlich bei der Karten-Kasse der Empore unter Tel. 04181 - 287878 und unter www.EMPORE-Buchholz.de.
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.