Wenn Ideen Karriere machen
Ungeplant Doktor in Buxtehude
- Mohamed Abdelhafez (v.li.) Doktorand und Wissenschaftlicher Mitarbeiter für den Fachbereich Technik und Prof. Dr.-Ing. Thorsten Hermes, Vizepräsident und Fachbereichsleitung Technik an der Hochschule 21 in Buxtehude
- Foto: sts
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Ein ausrangierter Roboter wurde für Mohamed Abdelhafez (37) zum Türöffner für die Promotion. Als der wissenschaftliche Mitarbeiter im Februar 2023 an die Hochschule 21 in Buxtehude kam, stand dort ein älterer Roboter, der nicht mehr genutzt wurde.
Abdelhafez begann, den Roboter technisch zu überarbeiten. „Ich wollte den bereits sechs Jahre alten Roboter der Hochschule renovieren und autonom machen“, erzählt er.
Mit Zeit, Ausdauer und zahlreichen Ideen entstand AurOrA. Der Roboter kann Ziele selbstständig anfahren und an der vorgesehenen Position präzise stoppen. Künftig könnte er im Obstbau unter anderem Unkraut entfernen, Obstkisten transportieren und weitere Aufgaben auf den Plantagen übernehmen.
Ein besonderer Moment war die erste autonome Fahrt. „Der Moment, in dem AurOrA zum ersten Mal autonom gefahren ist, war natürlich sehr besonders, weil er gezeigt hat, dass viele kleine Schritte am Ende wirklich zu einem großen Ziel führen.“
Vom Roboter zur Promotion
Abdelhafez wollte zunächst vor allem technische Lösungen entwickeln. Weil es einen Roboter mit den von ihm erarbeiteten Funktionen zuvor nicht gab, schlug ihm Prof. Dr.-Ing. Thorsten Hermes vor, die Ergebnisse wissenschaftlich zu veröffentlichen und zu promovieren.
„Kreativität braucht Freiraum und Vertrauen. Nur wenn beides vorhanden ist, können neue Ideen entstehen. Deshalb haben diese Werte für mich einen hohen Stellenwert“, sagt Hermes, Vizepräsident der Hochschule 21 und verantwortlich für den Fachbereich Technik.
Abdelhafez promoviert kooperativ an der Technischen Universität Braunschweig und der Hochschule 21. Wissenschaftlich begleitet wird er von Professoren beider Hochschulen.
Im Mittelpunkt seiner Forschung stehen autonome mobile Roboter für den Einsatz in Obstplantagen. Eine wissenschaftliche Arbeit zur Beikrautregulierung hat er bereits veröffentlicht. Das darin beschriebene System schneidet Unkraut rund um Obstbäume und kommuniziert mit dem Trägerroboter.
Von Ägypten nach Buxtehude
Der Weg zu seiner heutigen Forschung begann lange vor AurOrA – in Ägypten. Dort schloss Abdelhafez sein Ingenieurstudium mit dem Bachelor ab. Für einen Master in Mechatronik und Informationstechnik mit dem Schwerpunkt Robotik verließ er seine Heimat und kam nach Deutschland.
Deutsch hatte er sich zuvor selbst beigebracht. In Paderborn legte er innerhalb von sieben Monaten die erforderlichen Sprachprüfungen ab. Anschließend studierte er am Karlsruher Institut für Technologie.
„Ich habe mein Leben in Ägypten verlassen, um hier weiter zu studieren. Ich kam als Ingenieur, und während andere bereits arbeiteten, lernte ich Vokabeln“, erzählt Abdelhafez.
Sein Weg führte ihn schließlich nach Buxtehude. Dort entwickelte sich die Arbeit an einem alten Roboter zum Ausgangspunkt seiner Promotion.
Ausdauer gehört zur Forschung
Abdelhafez arbeitet mit Zwischenzielen. Sein Alltag besteht aus Problemlösung, Softwareentwicklung, Hardware-Fehlersuche und dem Lesen wissenschaftlicher Literatur.
Gerade in der Robotik ließen sich viele Probleme nicht allein theoretisch lösen. „Man muss testen, beobachten, anpassen und wieder testen“, sagt er. Deshalb gehörten auch Abende häufig zur Arbeit. Entscheidend sei für ihn, kontinuierlich voranzukommen.
Auch seine Hobbys passen zu dieser Haltung. „Schach hat mich gelehrt, langfristig zu denken. Angeln hat mich Geduld und Hoffnung gelehrt.“
Die Hochschule als zweite Familie
Unterstützung erhielt Abdelhafez nicht nur bei seiner wissenschaftlichen Arbeit. Als er keine Wohnung fand, stellte ihm Personalbuchhalterin Monika Frohberg-Engelke vorübergehend ihre leergeräumte Wohnung zur Verfügung.
„Wir helfen uns alle untereinander. Wir sind noch klein genug als Hochschule“, sagt sie.
Diese Unterstützung habe ihm das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein, erzählt Abdelhafez. Die Hochschule sei für ihn zu einer zweiten Familie geworden.
Auch Buxtehude hat für ihn inzwischen eine besondere Bedeutung. Vor allem die Ruhe und Überschaubarkeit der Stadt hätten ihm geholfen, konzentriert an seinen Forschungsfragen zu arbeiten.
„Pläne können hier Schritt für Schritt Realität werden. Dadurch hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass ich hier langfristig wirklich etwas aufbauen und erreichen kann.“
Redakteur:Stefanie Schimanski aus Buxtehude |
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