Doch keine neue Schule?
208 Millionen Euro für Buxtehuder Grundschulen
- Ein wichtiger Abend in Buxtehuder: Die Verwaltung stellt einen Vorschlag für die nächsten Schritte im „Masterplan Grundschulen“ vor
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Gemischte Gefühle bestimmten die Debatte in der Buxtehuder Politik, als die Verwaltung kürzlich die nächsten Schritte im Masterplan Grundschulen vorstellte. In der Pausenhalle der IGS präsentierte Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt gemeinsam mit dem beauftragten Planungsbüro die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für Sanierungen und Neubauten. Das Ergebnis: ein Mammutprojekt, das die gesamte Grundschullandschaft der Stadt verändern soll, doch auch viele Fragen offen lässt.
Zwei Schulen haben Priorität
Den Auftakt sollen, so der Vorschlag der Verwaltung, zwei Standorte machen. Am Rotkäppchenweg steht neben dem seit über zehn Jahren diskutierten Neubau der Sporthalle vor allem die Sanierung und Erweiterung des Schulgebäudes im Fokus. Noch gravierender ist die Lage an der Grundschule Am Stieglitzweg. Dort hat ein Gutachter bereits 2024 festgestellt, dass große Teile der Schule „ihr Ende erreicht“ haben. Ein Abriss galt als wahrscheinlich – nun soll geprüft werden, ob sich zumindest das Hauptgebäude erhalten lässt. Die Pavillons hingegen sollen weichen.
Frühestens 2028 könnten die Bauarbeiten beginnen. Insgesamt ist der Zeitplan auf mehr als zehn Jahre angelegt – ambitioniert angesichts der Vielzahl an Projekten. Denn auch die übrigen Grundschulen in Buxtehude weisen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Der Masterplan soll alle Standorte einbeziehen.
Kosten: 208 Millionen Euro
Die Dimension wird bei den Kosten deutlich: Rund 208 Millionen Euro veranschlagte das Planungsbüro Luchterhand als Kostenrahmenschätzung. Allein 50 Millionen Euro fallen dabei auf die Stieglitzschule, 34 Millionen auf den Rotkäppchenweg. Summen, die im Sitzungssaal für Unruhe sorgten. Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt mahnte, die Pläne nicht vorschnell zu verwerfen: „Ich habe wenig Verständnis dafür, dass man jetzt aus der Hüfte schon sagt: ‚Das ist alles zu teuer‘.“ Stadtbaurätin Michaela Springhorn betonte, dass bewusst keine „Schönrechnung“ vorgelegt worden sei.
- Bürgermeisterin Katja-Oldenburg Schmidt steht an diesem Abend Rede und Antwort
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Stimmen aus der Politik
Ratsmitglied Thomas Ringhoff (CDU) äußerte sich skeptisch: Ihm sind die Kostenansätze zu vage, zu viele Fragen zur Finanzierung und Umsetzung seien offen geblieben. Schulausschussvorsitzender Ulrich Felgentreu (Grüne) sieht in den Investitionen eine wichtige Grundlage für die Zukunft: „Für mich sind die 208 Millionen Euro keine schwere Kost, sondern eine notwendige Investition in die Buxtehuder Grundschulen.“ Trotzdem gebe es noch viele Detailfragen, die vor einer endgültigen Entscheidung zu klären seien.
Die politischen Reaktionen fielen angesichts der Informationsflut an diesem Abend unterschiedlich aus. "Erschlagen" fühlten sich an dem Abend viele. Nick Freudenthal (SPD) begrüßte den Masterplan jedoch als fundierte Diskussionsbasis. Bente Rosebrock (Grüne) plädierte für mehr Positivität, denn die Pläne gingen voran. Stephan Griebel, Vertreter der AG Sport im Schulausschuss, wünschte sich, schnellstmöglich "ins Tun zu kommen". Die AfD äußerte angesichts des gesamten Projektes ihren Unmut.
- Die Buxtehuder Politik steht vor großen Entscheidungen – dabei bleiben einige große Fragen erstmal offen
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Eine Frage des Personals
Neben den Kosten rückt die Umsetzbarkeit in den Fokus. Springhorn zeigte sich zuversichtlich: „Wir sind personell so aufgestellt, dass wir diese zwei Standortprojekte umsetzen können.“ Auch finanziell seien die Planungsmittel gesichert. Dennoch bleiben einige Politiker skeptisch, ob dies über die gesamte Laufzeit tragfähig ist.
Enttäuschung in Neukloster
Kritik kommt aus den Ortsteilen. Anja Heckert (SPD), Ortsbürgermeisterin in Neukloster, zeigte sich enttäuscht: „Ich fühle mich total verlassen.“ Sie und viele andere hatten lange versucht, die traditionsreiche Schule in Neukloster zu erhalten. Im Masterplan ist allerdings eine Zusammenlegung mit den Grundschule in Hedendorf vorgesehen.
Entscheidungen mit Zeitdruck
Nun soll die Politik abstimmen – und das möglichst schnell. Denn der Zeitplan ist eng: Oldenburg-Schmidt wünscht sich eine Entscheidung vor den Sommerferien, damit im dritten Quartal direkt mit der konkreten Planung begonnen werden kann. Welche Maßnahmen realisiert werden und in welcher Reihenfolge, entscheidet sich also im Laufe der nächsten Monate.
Doch keine neue Grundschule?
Noch im Sommer galt der Neubau einer weiteren Grundschule in Buxtehude als oberste Priorität. Eine aktualisierte Schülerzahlenprognose hat diese Einschätzung nun relativiert. „Heute haben wir nicht den Druck, einen Neubau bauen zu müssen“, erklärte Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt. Schülersprecherin Emma Simon widersprach und warnte, diese Entscheidung sei langfristig nicht sinnvoll. Oldenburg-Schmidt präzisierte daraufhin: Ein Neubau sei nicht vom Tisch, sondern rücke lediglich in der Planung nach hinten.
In den aktuellen Entwürfen des Planungsbüros luchterhand & partner wäre ein möglicher Standort in Ottensen vorgesehen. Andere von der Facharbeitsgruppe vorgeschlagene Flächen – etwa in Altkloster oder an der Giselbertstraße im Norden – spielen derzeit keine Rolle mehr. Für Altkloster setzt die Verwaltung in ihren Plänen stattdessen auf eine Erweiterung am bestehenden Standort, unter Einbeziehung des Geländes der Feuerwehr, die perspektivisch umziehen soll.
Als Übergangslösung sollen zudem Container in Ottensen aufgestellt werden, unter anderem für stark belastete Standorte wie Altkloster. Schulausschussvorsitzender Ulrich Felgentreu (Grüne) sieht diese Entwicklung kritisch. Eine solche Lösung sei vermeidbar, wenn früher mit einem Neubau begonnen würde. Auch die Standortfrage müsse aus seiner Sicht erneut diskutiert werden. Angesichts möglicher Schwankungen bei Geburten-, Zuwanderungs- und Geflüchtetenzahlen könne der Bedarf an Schulplätzen langfristig deutlich steigen.
Redakteur:Pauline Bellmann aus Buxtehude |
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