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Keine Corona-Notbremse im Landkreis Stade

Immer mehr Flüchtlinge im Landkreis Stade

In Harsefeld gibt es eine große zentrale Asylbewerberunterkunft mit rund 40 Plätzen
  • In Harsefeld gibt es eine große zentrale Asylbewerberunterkunft mit rund 40 Plätzen
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(bc/mum). Deutschland muss sich auf einen enormen Zustrom neuer Flüchtlinge einstellen. Die Zahl steigt stetig. 2007 wurden in Deutschland laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 19.164 Asylanträge gestellt. Im Jahr 2012 waren es 64.539, in den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es bereits 52.754 Anträge. In Niedersachsen ist die Zahl der Asylanträge in den ersten sieben Monaten um knapp 100 Prozent auf 5.097 gestiegen. Das wirkt sich auch auf den Landkreis Stade aus.

212 Asylbewerber und 309 Flüchtlinge, die aus völkerrechtlichen, humanitären oder politischen Gründen ihre Heimat verlassen mussten, leben derzeit im Kreisgebiet. In diesem Jahr gab es bislang 180 Neuankömmlinge, die in den zwölf Mitgliedskommunen des Landkreises untergebracht wurden.

Dabei wird es nicht bleiben: Laut Quote, die vom Land Niedersachsen vorgegeben wird, muss der Landkreis in diesem Jahr noch 95 Asylbewerber aufnehmen. Wahrscheinlich werden es sogar mehr. Denn im September wird es eine neue Quote geben. Hinzu kommen die Flüchtlinge aus Syrien. Laut Nicole Streitz, Dezernentin beim Landkreis Stade, muss Niedersachsen in diesem Jahr 500 syrische Flüchtlinge aufnehmen. "Wir beobachten die steigende Zahl mit wachsamen Augen", sagt Streitz.

Je nach Größe sind die einzelnen Kommunen dazu verpflichtet, eine gewisse Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen, die ihr von der Landesaufnahmebehörde in Oldenburg zugewiesen werden. Für die Kosten der Unterbringung und die finanzielle Ausstattung der Asylbewerber kommt der Landkreis auf. Die Kosten für den Ankauf, die Anmietung, den Umbau oder die Sanierung möglicher Unterkünfte bleiben jedoch bei den Kommunen hängen.

Die Städte und Gemeinden gehen unterschiedlich mit dem Thema um. So favorisiert die Gemeinde Jork die Unterbringung in kleineren Wohneinheiten, verteilt auf das gesamte Gemeindegebiet. Derzeit leben 40 Asylbewerber in Jork, acht neue kommen in diesem Jahr noch hinzu. "Wir gehen davon aus, dass die Zahl 2014 deutlich steigen wird", sagt Verwaltungs-Vize Matthias Riel. Er rechnet im nächsten Jahr mit mindestens 20 Neuankömmlingen. Noch sucht die Gemeinde passenden und laut Riel "vor allem menschenwürdigen" Wohnraum. "Wir müssen die unterschiedlichen Kulturen berücksichtigen. Nicht jeder kann mit jedem", so Riel.

Die Samtgemeinde Apensen will dagegen zentral in zwei nebeneinander liegenden Häusern 30 Flüchtlinge unterbringen. Schon jetzt leben dort 15 Asylsuchende in einem Gebäude. Vor Kurzem nutzte die Samtgemeinde die Gelegenheit, ein weiteres Haus in einer Zwangsversteigerung zu erwerben.

Auch in Harsefeld gibt es eine große zentrale Asylbewerberunterkunft mit rund 40 Plätzen. Wie in Apensen werden hier in erster Linie alleinstehende Männer untergebracht. Eine Containerlösung für Flüchtlinge oder gar eine Zeltstadt, wie sie kürzlich in Hamburg errichtet wurde, um dem Zustrom Herr zu werden, gibt es laut Nicole Streitz im Landkreis Stade nicht.

Anders die Situation im Landkreis Harburg: Dort spitzt sich die Situation zu. "In zwei Wochen stehen keine Unterkünfte mehr für Asylbewerber zur Verfügung", sagt Reiner Kaminski, zuständiger Dezernent im Winsener Kreishaus. Sollte es dann keine Alternativen geben, müsse der Landkreis Menschen in Sporthallen unterbringen. Schon jetzt wurden Asylbewerber in einem Hotel oder wie in Buchholz in Containern untergebracht.

Nicht überall sind die Asylbewerber willkommen: beispielsweise in Appel (Samtgemeinde Hollenstedt). Dort besteht die Möglichkeit, in einem ehemaligen Seniorenheim 50 Asylbewerber unterzubringen. "Wenn es so kommt, wird sich die Gemeinde wehren", kündigt ein anonymer Anrufer an.

Auch in Neu Wulmstorf regt sich Widerstand: Dort besteht bereits eine Unterkunft für etwa 50 Asylbewerber. Jetzt soll eine weitere Einrichtung mit 90 Plätzen folgen. Eigentlich für Neu Wulmstorf kein Problem. Wenn da nicht die Stadt Hamburg wäre. Dort plant man in Fischbek an der B73 - quasi in direkter Nachbarschaft - ein Mega-Quartier mit bis zu 400 Plätzen.

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

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