Wiederholt sich der Dürre-Sommer kommt es zur Katastrophe
Schicksalsjahr für den Wald

Sturm, Dürre und Borkenkäfer haben im Wald 
immensen Schaden verursacht Fotos: jd/mi
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    immensen Schaden verursacht Fotos: jd/mi
  • hochgeladen von Mitja Schrader

(mi). Erst kam der Sturm, dann die Dürre und dann der Borkenkäfer. Das Jahr 2018 war für den Wald in weiten Teilen Deutschlands und auch bei uns in der Region eines der schlimmsten überhaupt. Die Krise ist dabei noch nicht ausgestanden. Wiederholt sich die Dürre des vergangenen Jahres, könnte es zur Katastrophe kommen. Davor warnen Landesforsten und der Privatwaldbesitzerverband unisono.
Militärisch gesehen würde man das, was die Natur dem Wald im vergangenen Jahr zugemutet hat, als konzertierte Aktion bezeichnen. Die Vorarbeit erledigte im Januar 2018 Sturmtief Friederike, das allein im Staatswald in Niedersachsen rund eine Million Bäume, vor allem Fichten, umwarf. Im Privatwald kam es zu ähnlichen Szenarien. Trotz sofortiger Aufräumaktionen der Forstbetriebe zogen die großen Totholzbestände Schädlinge wie die Borkenkäfer-Arten Kupferstecher und Buchdrucker an. Dann kam der Dürre-Sommer: Bedingt durch die Wasserknappheit konnten Fichten und Co. kaum Harz produzieren. Die Schädlinge hatten leichtes Spiel. Gleichzeitig bot die trockene Hitze den Käfern optimale Brutbedingungen. Laut eines Berichts des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden durch Sturm, Dürre und Borkenkäfer in 2018 Waldflächen von mindestens 114.000 Hektar vernichtet. Das entspricht 159.600 Fußballfeldern oder etwa der Hälfte der Fläche des Saarlands.
Die Schwerpunkte der Katastrophe lagen laut Knut Sierk, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten für die Region Nordost Niedersachsen, im südlichen Niedersachsen, vor allem im Harz, aber auch der Wald in der Region wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Folge: Durch die vielen Abholzungen wegen des Borkenkäfers sei der Holzpreis extrem gefallen. Sierk: "Der Markt ist nicht gesättigt, sondern übersättigt." Sorgen bereiteten den Landesforsten aber nicht nur die vorhandenen Schäden, sondern die Folgen eines erneut extrem trockenen Sommers. Knut Sierk: "Wir haben mit den Aufforstungen bereits begonnen, allerdings ist es auch dieses Jahr schon wieder entschieden zu trocken für die Setzlinge." Ähnliches erklärt auch sein Kollege Arne Riedel. Der Leiter des Forstamts Harsefeld sagt: Auf den Borkenkäfer sei man mittlerweile eingestellt. Das Totholz wurde entfernt. Außerdem hätten die Landesforsten, wo notwendig, Fangholzhaufen aufgestellt. Dabei handele es sich um mit Lockstoffen und Insektiziden behandeltes Totholz. Auch Riedel blickt allerdings mit großer Sorge auf den kommenden Sommer. "Wenn wir nochmal so eine Trockenheit bekommen, könnte es zu immensen Schäden kommen."
Noch deutlicher wird Norbert Leben, Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen. Leben: "Unsere Aufzeichnungen über den Waldzustand reichen ca. 300 Jahre zurück. So dramatisch wie bisher war die Situation niemals zuvor." Das Jahr 2018 habe demnach Schäden von mindestens 150 Millionen Euro angerichtet. Auch Leben beklagt den extrem gefallenen Holzpreis. Noch dramatischer sei aber, dass auch die vorhandenen Bäume bereits jetzt mit teilweise mehr als 30 Prozent Wasserdefizit in den Sommer gingen. Leben: "Wiederholt sich der trockene Sommer, steuern wir auf eine Katastrophe zu." Eine Trendwende ist laut dem Forstwirt auch bei einem entspannteren Sommer nicht zu erwarten. Norbert Leben: "Wir werden uns auf komplett neue Waldbilder einstellen müssen." Nadelbäume, wie die flachwurzelnde Fichte, hätten demnach den veränderten Bedingungen wenig entgegenzusetzen. Selbst die Buche sei, folge man langfristigen Klimaprognosen, gefährdet. Besser mit Dürre und Stürmen kämen dagegen Eiche, Kiefer und Douglasie zurecht.

Sturm, Dürre und Borkenkäfer haben im Wald 
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Verbandspräsident Norbert Leben

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