Mit der Sichel im eisigen Sumpf

Wieder ein Bündel geerntet: Johann Kotterbach ist stolz
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Einer der letzten seiner Zunft: Reet-Schneider Johann Kotterbach (80) ist glücklich mit einfacher Knochenarbeit

tp. Drochtersen. Mit metallischem Surren gleitet die angerostete und dennoch blitzscharfe Klinge durch die trockenen Halme, die sich im eisigen Wind wiegen. Johann Kotterbach (80) knotet die Schilfrohre zu Garben und lädt sie auf den Anhänger. Auf dem Weg dorthin knatscht der frostige Boden unter seinen Gummistiefeln. Der Reet-Schneider aus Kehdingen ist einer der letzten seiner Zunft.

"Diese Arbeit habe ich von Kindesbeinen an gerne verrichtet", erinnert sich Johann Kotterbach. Dabei strahlt sein faltiges, wettergegerbtes Gesicht Lebensglück und Zufriedenheit aus. Kotterbach ist ein norddeutsches Urgestein. Der Familienname, der lautet wie ein kleines Gewässer auf der Elbinsel Krautsand, zeugt von tiefen familiären Wurzeln in den schroff-schönen Landstrich im dünn besiedelten Norden des Landkreises Stade. Auf der Scholle bei Drochtersen, auf der Kotterbach geboren wurde, wachsen alte Obstbäume, früher züchtete er Rinder. Und seit jeher gehört der winterliche Reet-Schnitt zum Jahresablauf auf dem Hof.

"Der Großteil der Ernte war ursprünglich für den Eigenverbrauch vorgesehen", sagt Johann Kotterbach. Früher besaß die Familie ein reetgedechtes Fachwerkhaus. Als das Bauernhaus nach einem Blitzschlag abbrannte und durch ein Wohnhaus mit Ziegeldach ersetzt wurde, machte Johann Kotterbach stoisch weiter: "Reet ist mein Hobby."

Die Abnehmer für die strapazierfähigen Halme kommen aus der ganzen Region: "Irgendwo gibt es immer ein durch Ratten- oder Marderbiss beschädigtes Weichdach zu flicken", weiß Johann Kotterbach. Neben Hausbesitzern, die Dachreparaturen zu erledigen haben, gehören Bastler zu seinen Kunden, die das über rund 50 Jahre witterungsbeständige Naturmaterial für rustikale Vogelhäuser oder Kaninchenställe benötigen.

Reet braucht nur knapp ein Jahr, um vom grünen Sprössling zum rund drei Meter langen, grau-braunen Riesenhalm aufzuschießen. Geerntet wird im Winter, wenn es trocken und kalt ist. Dann zieht Johann Kotterbach mit seiner Reet-Sichel an die Elbe, um in den gefrorenen Sümpfen stundenlang die monotonen Hangriffe zu wiederholen: schneiden, bündeln, aufladen. Danach ist die Arbeit noch lange nicht nicht zu Ende.

Die Fuhre Reet, die Kotterbach in der Abenddämmerung stolz mit seinem knatternden Trecker nach Hause zieht, muss noch von Kraut und Gräsern befreit und in die Scheune eingelagert werden. Dabei hilft ab und zu Kotterbachs Lebensgefährtin Irene Muuß (61), eine redselige Philippina. "Doch am liebsten arbeite ich allein", sagt Johann Kotterbach, "dann habe ich meine Ruhe."

Trotz seines fortgeschrittenen Alters denkt Johann Kotterbach nicht ans Aufhören: "Ich mach' weiter, bis ich hundert bin. Die frische Luft hält gesund", sagt Kotterbach. Die Temperaturen zur Erntezeit bei weit unter dem Gefrierpunkt haben ihn übrigens noch nie gestört: "Mir wird von der Arbeit warm."

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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