400 Teilnehmer bei Aktion in Evendorf
Lautstarker Protest gegen Bahntrassen-Pläne an A7

Rund 400 Teilnehmer aus dem Landkreis Harburg und angrenzenden Regionen kamen zur Protestaktion nach Evendorf
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ce. Evendorf. "Ich fühle mich von der Deutschen Bahn und anderen Entscheidungsträgern verarscht, weil sie ignorieren, was wir im Landtag beschlossen haben!" Klartext redete Landtagsabgeordneter André Bock (CDU) aus Winsen am Samstag bei einer Protestaktion in Evendorf gegen die jüngsten Bahntrassen-Pläne entlang der A7. Bock sprach auch den rund 400 Zuhörern aus dem Herzen, die dem Aufruf der Bürgerinitiative (BI) "Region Egestorf für Alpha E" gefolgt waren. Die Aktion am Schwindeweg, an der auch Verwaltungschefs, Politiker und weitere BI-Vertreter aus den Landkreisen Harburg und Heidekreis teilnahmen, stand unter dem Motto "Aufkreuzen statt Aufgeben". Doppelte Bedeutung: An markanten Stellen des geplanten Verlaufs der A7-Trasse wurden große gelbrote Kreuze als Mahnmale errichtet. 
Wie berichtet, wurde 2015 unter großer öffentlicher Beteiligung als Konsens die Alpha-E-Variante, der Ausbau der bestehenden Gleise, entwickelt. Inzwischen prüft die Bahn jedoch auch den möglichen Neubau einer Trasse entlang der A7, was massive Auswirkungen auf den Kreis Harburg hätte. Evendorf und andere Orte würden bei einer Umsetzung der Pläne durchschnitten.
Dass zusätzlich zum Ausbau-Kompromiss eine weitere Strecke an der A7 geprüft wird, begründet die Bahn mit dem Deutschlandtakt. Die neue Strecke würde eine schnellere Verbindung von Hamburg nach Hannover ermöglichen. Die BIs halten den Neubau einer ICE-Strecke entlang der A7 für nicht vereinbar mit der gemeinsam entwickelten Lösung für den Schienenausbau. 
"Ich bin erschüttert über die Streckenplanung", erklärte Evendorfs Ortsbürgermeister und BI-Sprecher Christian Sauer. Zur Bekräftigung zeigte er auf zwei große Protestkreuze, die unweit des Schauplatzes der Protestaktion stehen. "Dort würde die neue Bahntrasse entlangführen - gleich neben dem Friedhof", schüttelte Sauer verständnislos den Kopf. "Wir fordern von der Bahn, als Bekenntnis zu Alpha E den Bestandsausbau weiter zu verfolgen. Wo das nicht möglich ist, sollen die nötigen neuen Strecken offengelegt werden, damit die Bürger wissen, was auf sie zukommt." 
Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler (SPD) verurteilte einen Trassen-Neubau als "grausam und Tritt gegen das Schienbein aller Bürger, die sich über Monate für das Erreichen des Alpha-E-Kompromisses engagiert haben". 
Landrat Rainer Rempe zeigte sich beeindruckt vom "gemeinsamen Flaggezeigen" in Evendorf. "Wir haben auch mit Unterstützung der BIs den Alpha-E-Kompromiss des Bestandsausbaus erreicht, die Zustimmung vom Land, und ich verlange, dass der Kompromiss 1:1 umgesetzt wird", betonte Rempe. "Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren."
"Wir müssen hier über neue Bahnstrecken diskutieren, deren genauer Verlauf uns noch immer nicht bekannt ist", prangerte Hanstedts Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus die mangelhafte Informationspolitik der Deutschen Bahn an. Diese sei "höchst defizitär", pflichtete Salzhausens Verwaltungschef Wolfgang Krause seinem Amtskollegen bei. Man habe deshalb die Bahn aufgefordert, bis zum 31. Mai sämtliche Pläne für den Trassenneubau in der Region offenzulegen. "Gleichwohl müssen wir weiter dafür kämpfen, dass Alpha E umgesetzt wird!"
Als langjähriger Sprecher des Projektbeirates, der den Prozess zur Aufnahme der Alpha-E-Lösung in den Bundesverkehrswegeplan begleiten soll, nahm Tostedts Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam an der Protestaktion teil. "Die breite Unterstützung aus der Bevölkerung tut sehr gut", freute er sich über den Rückhalt. Und stellte klar: "Der von uns gefundene Kompromiss ist klimafreundlicher als der Bau neuer Bahntrassen, die - etwa weil sie sich nicht rentieren - nach ein paar Jahren wieder stillgelegt oder abgerissen werden müssen."

Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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