Bendestorfer Neujahrsempfang
Ehrungen für Waltraud Becker und Heiner Braband
- Freuten sich über die Ehrung: Heiner Braband (sitzend) und Waltraud Becker. Karl-Jochen Lewerenz (hi. li.) hielt die Laudatio für Braband, Bernd Beierstorf (hi. Mi.) überreichte die Urkunden, Frank Dohnke hielt die Lobrede auf Waltraud Becker
- Foto: Burkhard Schonlau
- hochgeladen von Gabriele Poepleu
Rund 60 Bendestorfer besuchten den Neujahrsempfang ihrer Gemeinde am vergangenen Sonntag. Höhepunkt der Feier: Bürgermeister Bernd Beiersdorf zeichnete zwei Bendestorfer aus, die sich Jahrzehnte lang um das Dorf in verschiedenen Ehrenämtern verdient gemacht hatten: Waltraud Becker und Heiner Braband nahmen den Dank der Gemeinde, Blumen und Urkunden erfreut entgegen.
Dabei sind Waltraud Becker und Heiner Braband keine gebürtigen Bendestorfer. Doch sie sind echte Bendestorfer im Herzen, setzen sich schon seit Jahrzehnten für ihr Dorf ein:
Waltraud Becker kam nach dem Krieg 1946 im Alter von sieben Jahren aus Schlesien nach Bendestorf. "Die ersten Jahre waren ganz und gar nicht leicht", erinnert sie sich noch heute lebhaft. "Man wollte uns als Flüchtlinge nicht hier haben, das war klar. Und dann musste ich zunächst auch zurück in die erste Klasse gehen - das war furchtbar für mich!" Doch dann ging es aufwärts. Beckers Vater fand Arbeit bei den Filmateliers, Waltraud Becker - und manchmal ihre ganze Klasse - verdiente sich etwas Geld als Komparsin beim Film. Die Familie fand 1951 ein Häuschen auf dem Sonnenberg, wo Becker noch heute in dem inzwischen zum geräumigen Familienheim ausgebauten Haus wohnt. 1960 heiratete sie Wilfried Becker, es folgten zwei Kinder.
"Ich habe alles Mögliche gemacht", sagt Waltraud Becker lachend. Ehrenamtlich aktiv war sie schon immer, obwohl sie auch ihr ganzes Erwachsenenleben berufstätig gewesen ist: als gelernte Versicherungskauffrau, in einem Maklerbüro, bei der Gemeinde Bendestorf, bei der Kleinen Zeitung in Jesteburg. Der Einsatz für die Gemeinschaft habe schon in der Schulzeit angefangen, als sie Klassentreffen organisiert habe. Es schlossen sich Jahrzehnte der Vorstandsarbeit im Bendestorfer Sportverein an, zunächst zehn Jahre im geschäftsführenden Vorstand, nach zehn Jahren "nur noch" im erweiterten Vorstand. Noch heute organisiert die inzwischen 86-Jährige Geselliges für den Verein, denkt an Geburtstage und kümmert sich um Weihnachtsfeiern.
Eng verbunden war Waltraud Becker auch immer mit der Bendestorfer Kirchengemeinde, die sie durch ehrenamtlichen Einsatz unterstützt: Zehn Jahre lang organisierte sie die Weihnachtsfeier für rund 70 Personen mit. Das hat sie zwar aufgegeben, als sie 80 wurde, ist aber immer noch aktiv im Besuchsdienst unterwegs und trifft im Auftrag der Gemeinde an Geburtstagen und Jubiläen ältere Bendestorfer. "Mir werden schon immer diejenigen ausgesucht, die ich besonders gut kenne, manche noch aus der Schulzeit."
Über das Dorf hinaus wurde Waltraud Becker im Zusammenhang mit einem NDR-Film über die ehemaligen Bendestorfer Filmstudios bekannt, saß deshalb im Jahr 2000 auch schon auf dem roten Sofa der NDR-Sendung DAS!. Sehr bequem war es allerdings "für Menschen meiner Größe" nicht, findet Becker, aber man brachte ihr umgehend ein Kissen für den Rücken. "Sonst hätten meine Beine in der Luft gebaumelt", lacht Waltraud Becker. Auf der Rückfahrt von den Live-Aufnahmen in Hannover stand ihr Telefon dann nicht mehr still.
Was Becker heutzutage wirklich am Herzen liegt, ist der von ihr geleitete Seniorennachmittag: Alle 14 Tage donnerstags treffen sich ab 14.30 Uhr ältere Bendestorfer zu Kaffee, Kuchen und Klönschnack, anschließend wird gespielt. Doch auch hier fehlt - wie in vielen Bereichen - der Nachwuchs. "Ich bin jetzt 86, ich kann das nicht ewig machen. Es wäre schön, wenn sich Unterstützung fände", sagt Becker, der man ihr Alter nicht ansieht. "Ich habe die Gene von meinem Vater", lacht sie. "Der war als Gastwirt auch immer sehr aktiv."
Heiner Braband stammt ursprünglich aus Hamburg. Als er 15 Jahre alt war, zogen seine Eltern 1955 ins ländliche Bendestorf. "Das Dorf hat mich immer fasziniert: Hier gab es noch die Milchkannen am Straßenrand, die dann in die Molkerei nach Jesteburg gebracht wurden. Und eine wunderbare Landschaft." Sein Herzensthema war immer das Gleichgewicht zwischen Bebauung und Natur. Nach der Gebietsreform 1972, als Heiner Braband als SPD-Mitglied im Bauausschuss der Samtgemeinde Jesteburg mitarbeitete, habe es aber einen "Run" auf Bendestorfer Grundstücke gegeben, sodass eine viel zu dichte Bebauung entstanden sei. Und: "Man muss es leider sagen: Heute ist Bendestorf elitär zugebaut." Ein Lehrer, Ingenieur oder Beamter könne sich hier kein Grundstück mehr leisten.
Umso wichtiger ist es dem Chemieingenieur, der lange bei der Beiersdorf AG in Hamburg arbeitete, die alten Bendestorfer Strukturen zu erhalten, oder "zumindest an sie zu erinnern", sagt Braband. Er selbst wohnt im - heute erweiterten und ausgebauten ehemaligen Wochenendhaus der Familie, seit 1966 zusammen mit Ehefrau Elisabeth ("Lissi"), wo auch die beiden Töchter groß wurden. "Heiner spielte damals für mich an der Este 'Texas Hammer' auf dem Banjo", erzählt Lissi Braband. "Da war es um mich geschehen." Zu Anfang habe man im Haus nicht einmal fließend Wasser gehabt, erinnert Braband sich. "Das war eine ganz andere Zeit."
Lissi Braband war es auch, die mit ihrer Sammlung alter Postkarten von Bendestorf Heiner Brabands großes "Heimatkunde-Projekt" anstieß: Bei der Jesteburger Messe kam ihm die Idee, den SPD-Stand mit historischen Ansichten zu versehen. Später zogen die Brabands durchs Dorf, besuchten alte Bendestorfer und durften bei vielen die alten Fotoalben abfotografieren. Die Bilder bannte Heiner Braband auf Diafilm, seit zwei Jahren sind sie digitalisiert. Braband hielt lange Jahre regelmäßig Vorträge über Bendestorf und wie es sich verändert hat, wirkte an der Dorfchronik Wilhelm Marquardts mit, die 2011 erschien, und brachte 2014 den Band "Bendestorf - Harmstorf Alte Ansichtskarten" heraus. Ganz nebenbei baute Heiner Braband auch noch Modelle: vom Dorf Bendestorf in den 1930er Jahren (steht im Makens-Huus, Bendestorf, Poststraße 4), vom Winsener Bahnhof (zu sehen im Marstall, Winsen, Schlossplatz 11) und von der Kunststätte Bossard (heute im Bossard-Schaumagazin, Jesteburg, Sandbarg 32).
Die vielen historischen Ansichten gaben schließlich auch den Anstoß zu seinem neuesten Projekt: Heiner Braband haben die Bendestorfer die Idee zu dem 2021 eröffneten, mit 31 Infotafeln bebilderten historischen Rundwanderweg zu alten Hofstellen und bedeutsamen Orten zu verdanken. "Ich will zumindest an die alten Strukturen erinnern, wenn es schon nicht gelungen ist, sie zu erhalten."
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