Jesteburg: Samtgemeinde-Bürgermeisterin sauer
Mitarbeiterin "übelst beschimpft"

Wenig Frustrationstoleranz: Einige Jesteburger haben offenbar Probleme, neue Verkehrsregeln zu akzeptieren und besprühten die neuen Tempo-30-Schilder. Inzwischen sind sie notdürftig gereinigt | Foto: tn
  • Wenig Frustrationstoleranz: Einige Jesteburger haben offenbar Probleme, neue Verkehrsregeln zu akzeptieren und besprühten die neuen Tempo-30-Schilder. Inzwischen sind sie notdürftig gereinigt
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Der Ton in Jesteburg ist - mal wieder - rauh, in den sozialen Medien wurde kräftig gepöbelt: Weil acht Jesteburger Bushaltestellen barrierefrei umgebaut werden mussten und sich der Ampelabbau übers Wochenende verzögerte, entrüsteten sich viele Bürger - nicht zuletzt auf Facebook und Co.: Da war beispielsweise öffentlich von "Verarschung" die Rede, von der "Unfähigkeit der Verantwortlichen", die "kolossale Ausmaße annehme". Einer der noch eher harmloseren Kommentare: "Die Straßenbeleuchtung seit Wochen defekt, ganze Viertel komplett verdunkelt, aber anstatt dieses Problem zu lösen, werden neue Poller in 30-Zonen mit passenden Umfahrverbotspollern installiert." Den Gemeindemitarbeitern schlage oft unkontrollierte Wut entgegen, sodass Samtgemeinde-Bürgermeisterin Claudia von Ascheraden sich jetzt zu einer öffentlichen Stellungnahme genötigt sah.

"Ich habe mich gefragt, was wirklich wichtig ist. Neben meiner Dankbarkeit für die vielen Menschen, die sich in unserer Samtgemeinde ehrenamtlich engagieren, gibt es leider auch ein Gefühl der Traurigkeit über das Verhalten einzelner, das aus meiner Sicht ungerechtfertigt ist", so von Ascheraden, die sich - wie auch ihre Mitarbeiter - nicht zum ersten Mal unflätigen öffentlichen Kommentaren ausgesetzt sieht.

Worum geht es diesmal? Um Verkehrsbehinderungen in der Jesteburger Hauptstraße. "Die Verwaltung hat sehr transparent berichtet, dass die Unannehmlichkeiten der Baustellenregulierung im Rahmen des barrierefreien Umbaus der Bushaltestellen bis Weihnachten bestehen werden", erklärt von Ascheraden. Tatsächlich berichtete auch das WOCHENBLATT online und in der Printausgabe im Vorfeld über die notwendigen Maßnahmen und von der Verzögerung.

Bis Weihnachten barrierefrei
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Und darüber hätten im Grunde alle froh sein können, denn zum Beispiel in Bendestorf zum Beispiel war das nicht so: Hier versäumte die zuständige Baufirma, Verwaltung und Bürger wie abgesprochen zu informieren.

Haltestellen werden umgebaut

"Meine Bauabteilung hat alles versucht, um die Ampelanlagen entgegen der Absprachen bereits zum letzten Wochenende vor Weihnachten entfernen zu lassen", betont von Ascheraden. "Besonders im Hinblick auf die vorweihnachtlichen Einkaufsaktivitäten war uns allen daran gelegen." Jedoch sei an besagtem Freitag, 19. Dezember, an dem der gewünschte Rückbau "hohe Wellen im Internet" schlug, noch gebaut worden.

Die Baufirma habe mit dem Abbau der Ampelanlagen zudem nichts zu tun. Sie habe ihre Arbeiten "fristgerecht erledigt". Für den Abbau war dagegen eine Fachfirma für Baustellensicherung verantwortlich. Der war für Montag, 22. Dezember, geplant und wurde zu diesem Termin – wie angekündigt vor Weihnachten - auch umgesetzt. "Eine Punktlandung, über die man sich hätte freuen können", findet von Ascheraden.

Stattdessen der oben zitierte Shitstorm: Die Telefone in der Verwaltung liefen heiß, nicht nur am Freitag, sondern auch am Montag. Von Ascheraden ist sauer: "An der Stelle hört für mich jegliches Verständnis auf." Eine Mitarbeiterin sei übelst beschimpft worden, ihrem Versuch, die Situation zu erklären, sei mit Schimpftiraden begegnet worden. "Hier ist für mich eine Grenze überschritten worden, was mit nichts zu rechtfertigen ist. Man darf sich über Dinge ärgern und den Ärger zum Ausdruck bringen, aber das bitte in einem angemessenen Ton. Nicht nur vor Weihnachten sollte man mit Respekt miteinander umgehen, aber in der Vorweihnachtszeit ist es umso bitterer, sich mit so viel Wut konfrontiert zu sehen. Zumal meine Mitarbeiterin weder die richtige Adressatin war, noch etwas daran hätte ändern können."

Offenbar haben einige Jesteburger Schwierigkeiten, neue Verkehrsmaßnahmen zu akzeptieren, wenn sie nicht den eigenen Vorlieben entsprechen: Gegner des - vom demokratisch gewählten Gemeinderat seit Jahren gewünschten und vom Landkreis kürzlich umgesetzten - Tempo 30 bei der Ortsdurchfahrt ließen sich jetz offenbar sogar zu Straftaten hinreißen: Tempo-30-Schilder wurden durch Sprühfarbe beschädigt und unbrauchbar gemacht - nicht nur Sachbeschädigung, sondern "ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr", so ein Anwalt (Name der Redaktion bekannt), der den Sachverhalt auch der Polizei meldete.

Durch Jesteburg mit Tempo 30

Der konkrete Ampel-Vorfall ließe sich auf viele weitere übertragen, so von Ascheraden weiter, und man könne darüber philosophieren, ob sich die ganze Gesellschaft in diese Richtung entwickele: Die Pöbler säßen bequem und passiv auf dem Sofa und beschimpften andere, die etwas tun. "Die einzige Aktivität besteht in der Meckerei. Meine Anregung und mein Wunsch für das Neue Jahr: Überlegen Sie sich, wie Sie Kritik äußern und lassen Sie Dinge, die man nicht ändern kann, einfach mal ruhen, mit der Frage: Was ist wirklich wichtig?"

Redakteur:

Gabriele Poepleu aus Seevetal

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