Das Baugerüst ist weg
Sanierung im Museum Kunststätte Bossard nahezu abgeschlossen

Museumsleiterin Heike Duisberg-Schleier (links) und Restauratorin Stefanie Nagel und vor dem frisch sanierten Wohn- und Atelierhaus (Südseite) | Foto: Museum Kunststätte Bossard
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  • Museumsleiterin Heike Duisberg-Schleier (links) und Restauratorin Stefanie Nagel und vor dem frisch sanierten Wohn- und Atelierhaus (Südseite)
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Nach knapp zehn Monaten, in denen ein Baugerüst die Optik des historischen Wohn- und Atelierhauses im Museum Kunststätte Bossard bestimmte, erstrahlt das historische Gebäude in neuem Glanz. Mit einem gelungenen Konzept aus Erhalt der denkmalgeschützten Substanz und zeitgemäßen Lösungen nach Denkmalschutzkriterien ist der erste Bauabschnitt der Generalsanierung am Wohn- und Atelierhaus nahezu abgeschlossen. „Für uns ist das ein Meilenstein zum Erhalt des einzigartigen künstlerischen Nachlasses des Ehepaares Bossard und der denkmalgeschützten Bausubstanz“, so die Restauratorin des Museums, Stefanie Nagel, die die Sanierungsarbeiten betreute und in Einklang mit dem laufenden Museumsbetrieb brachte.

Die Gesamtkosten des ersten Bauabschnittes belaufen sich auf rund 520.000 Euro. Die Maßnahmen schlossen umfassende Überprüfungen und Instandsetzungen der Dachkonstruktion und -bauteile ein, um die Erhaltung des Hauses, das von 1912 bis 1914 erbaut wurde, langfristig zu sichern. Die circa 25 Jahre alte Dämmung wurde durch moderne, energieeffiziente Materialien ersetzt. Die Neueindeckung des Daches erfolgte mit historischen Ziegeln, die dem ursprünglichen Erscheinungsbild treu bleiben.

Zudem wurden die Dachelemente, wie der sogenannte „Ausguck“, wie in der bauzeitlichen Eindeckung mit Ziegeln verkleidet, statt der Schieferschindeln, die in den 1950er Jahren angebracht wurden. Der Wintergarten, eines der markantesten Merkmale des Gebäudes, wurde instand gesetzt, in dem nicht tragfähige Holzelemente unter Wahrung des historischen Erscheinungsbildes ausgetauscht wurden.

„Eine besondere Herausforderung bei der Sanierung der Gebäudehülle war die historische Fenstergestaltung. Die Fenster wurden in unterschiedlichen Bauarten ins Gebäude eingelassen – teilweise in Metallrahmen mit Einfachverglasung, teilweise in Holzrahmen mit Einfachverglasung, mit polychromen Fassungen und nicht gebrannten Glasmalereien. Ziel war es, die historischen Fenster so weit wie möglich zu erhalten und fachgerecht zu restaurieren“, beschreibt Stefanie Nagel.

Die Fensterfront des Eddasaals im Wohn- und Atelierhaus etwa erstreckt sich über das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss. Die Metallrahmen und kleinteilige Fenstergläser erinnern an Industriegebäude. In der ursprünglichen Nutzung war in diesem Raum das Atelier von Johann Michael Bossard untergebracht, der bis 1930 als Arbeitsraum genutzt wurde – mit einem großen, für Transporte geeigneten doppelflügeligen Tor und Klarglasscheiben in Einfachverglasung.

Stefanie Nagel (links) und Heike Duisberg-Schleier an der Nordseite des Wohn- und Atelierhauses (Eingang Eddasaal) | Foto: Museum Kunststätte Bossard
  • Stefanie Nagel (links) und Heike Duisberg-Schleier an der Nordseite des Wohn- und Atelierhauses (Eingang Eddasaal)
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Mit der Umnutzung des Raumes als Wohnraum, im Zuge der Ausgestaltung des Eddasaals zwischen 1930 und -35, wurden die Fenstergläser polychrom gefasst. Einzelne Klarglasbänder blieben bestehen. Eine Neuerung im Zuge der Sanierung: die gestalteten Gläser der Nordseite des Eddasaals werden künftig durch Vorsatzfenster geschützt.

Die Generalsanierung des Wohn- und Atelierhauses in zwei Bauabschnitten fasst die vorangegangenen Maßnahmen der letzten 30 Jahre zusammen bzw. ergänzt diese: Ende der 1990er bis Anfang 2000er Jahre wurden die Innenräume Erossaal, Märchenzimmer, Gelbes Zimmer, Blauer Flur, Musikzimmer, Wohndiele und Eddasaal konserviert. Die thermische Bausanierung seit 1996 gewährleistet stabile klimatische Werte (um die 16 Grad) zur präventiven Erhaltung der wertvollen Raumausstattungen.

„Durch diese Maßnahmen setzen wir alles daran, die historische Substanz des Gebäudes zu bewahren und gleichzeitig die Energieeffizienz sowie die Sicherheit zu verbessern. Auch die Planung zur Sanierung der Innenräume im Wohnhaus, also Bauabschnitt II, wird in diesem Jahr abgeschlossen“, so die Restauratorin.

Der erste Bauabschnitt der Generalsanierung am Wohn- und Atelierhaus wurde über Fördermittel finanziert. Unterstützt wurde das Museum vom Bundesministerium für Kultur und Medien, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur über das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung sowie dem Verein Freundeskreis Kunststätte Bossard.

Mit Abschluss der Sanierungsarbeiten gehören die beliebten Führungen durch die Innenräume des Wohn- und Atelierhauses ab sofort wieder zum Museumsprogramm. Die Teilnehmerzahl ist auf sechs Personen begrenzt. Anmeldung unter Tel. 04183-5112 oder per E-Mail an info@bossard.de. Die Führungen finden mittwochs, freitags und sonntags statt. Mehr Infos: www.bossard.de

Museumsleiterin Heike Duisberg-Schleier (links) und Restauratorin Stefanie Nagel und vor dem frisch sanierten Wohn- und Atelierhaus (Südseite) | Foto: Museum Kunststätte Bossard
Stefanie Nagel (links) und Heike Duisberg-Schleier an der Nordseite des Wohn- und Atelierhauses (Eingang Eddasaal) | Foto: Museum Kunststätte Bossard
Redakteur:

Armon Böhm aus Winsen

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