Galloway-Bullen sind offenbar verhungert

Bio-Vermarktung trotz Verbots: Waren die Kontrollen zu lasch?
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Tier-Martyrium in Hammah beschäftigt die Landespolitik / Landkreis Prüft Haltungsverbot

tp. Hammah. Die Untersuchung der 23 Galloway-Jungbullen, die kürzlich auf einem Bio-Bauernhof in Groß Sterneberg bei Hammah tot aufgefunden wurden (das WOCHENBLATT berichtete), leifert erste Ergebnisse: Demnach sind die Rinder, die Spaziergänger auf sumpfigen Moorweiden entdeckt hatte, aller Wahrscheinlichkeit nach an Hunger verendet.
Laut der zuständigen Dezernatsleiterin beim Landkreis Stade, Juristin Nicole Streitz, erwartet das Veterinäramt den offiziellen Sektions-Befund Ende kommender Woche. Abschließend wird sich kaum noch ermitteln lassen, ob einige der Rinder in den Gräben ertranken oder wegen Erschöpfung verendeten. Einige der Tiere, die entgegen den Vorschriften ohne geschützte und trockene Stand- und Liegeflächen gehalten wurden, müssen verzweifelt nach Futter gesucht haben und dabei versucht haben, Zäune zu durchbrechen. Davon zeugen Fellspuren am Stacheldraht.
Mittlerweile stehen die auf dem Hof verbliebenen 100 Galloway-Rinder, die größtenteils in dem zwischenzeitlich gereinigten Stall stehen, unter engmaschiger Kontrolle des Veterinäramtes. Der Landwirt hat Unterstützung bei der Versorgung der Herde. Mit der Maßregelung des Halters hat der Landkreis als Kontrollbehörde den ersten von drei genormten Schritten bei Tierschutzfällen wie diesen getan. Laut Nicole Streitz folgt nun die Sicherstellung der Zukunft der Tiere. Dazu werde zunächst der Landwirt angehört.
Schritt drei im Ablauf sind Sanktionen: Ist es eine Ordnunswidrgkeit wird diese mit einem Bußgeld geahndet. Im Fall eine Straftat wird die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Möglicherweise verhängt der Landkreis ein Rinderhaltungsverbot für den Bio-Landwirt.
Der Bioland-Erzeugergemeinschaft, unter dessen Marke der Landwirt zuletzt trotz entzogenen Zertifikates Rindfleisch und Eier vermarktete, hat das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) bereits im vergangenen Jahr über Missstände auf dem Hof informiert. Die Laves-Behörde, die mit dem Landkreis Stade kooperiert, prüft den Fall. Dabei geht es nicht um Tierschutzverstöße, sondern darum, ob der Bauer u.a. Vorschriften der Ökoverordnung wie regelmäßige Weidegänge der Galloways missachtet hat.
Das Tier-Martyrium, dass offenbar familiäre und gesundheitliche Probleme des Hofbetreibers als Ursache hat, beschäftigt jetzt auch die Politik: Der agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Helmut Dammann-Tamke, kündigte eine Anfrage an die Landesregierung an: „Wer kontrolliert die Kontrolleure? Wie kann es sein, dass das 'Laves' den Betrieb trotz gemeldeter Verstöße bei der Tierhaltung nicht schon im November engmaschiger kontrolliert hat? Wahrscheinlich hätte so der Hungertod de Tiere verhindert werden können." Offen sei auch, warum der Betrieb noch bis bis vor Kurzem auf der Internetseite des Bioland-Verbandes als Biohof gelistet wurde.

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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