Technikdenkmal am neuen Ort
Kiekeberg zeigt Trafoturm aus Ashausen
- Das Trafohaus ist von Ashausen an den Kiekeberg gezogen
- Foto: nw
- hochgeladen von Anika Werner
Auf einer Wiese am Rand von Ashausen stand er jahrzehntelang. Jetzt steht er am Kiekeberg, frisch restauriert, mit Blick auf das neue Museumsviertel. Der über acht Meter hohe Trafoturm aus der Siedlung Büllhorn ist offiziell eröffnet worden. Im Rahmen des Fördervereinsfests des Freilichtmuseums wurde das historische Bauwerk als neues Ausstellungsstück in der Baugruppe Königsberger Straße begrüßt (das WOCHENBLATT berichtete hier
und hier
).
Der Trafoturm stammt aus dem Jahr 1944 und wurde gebaut, um die Stromversorgung in der Wochenendsiedlung Büllhorn zu sichern. Dass er ausgerechnet in Kriegszeiten entstand, ist ungewöhnlich. Baustoffe waren knapp, die Prioritäten lagen woanders. Warum der Bau trotzdem erfolgte, will das Museum weiter erforschen.
Technisch erfüllte der Turm einen klaren Zweck. Er wandelte Hochspannung in haushaltsüblichen Strom um. Erst dadurch wurde elektrisches Licht auf dem Land möglich. Gekocht, gewaschen und geheizt wurde weiter mit Holz, Kohle oder Muskelkraft. Aber mit dem Licht begann ein neuer Alltag.
Seit den 1980er-Jahren war der Turm nicht mehr in Betrieb. Er blieb dennoch erhalten und prägte als markantes Bauwerk das Bild am Rande von Ashausen. Die spätere Eigentümerin Christiane Örtzen stellte das Grundstück zur Verfügung und stieß den Kontakt zum Museum an. Ihr Wunsch: Der Turm sollte erhalten bleiben und seine Geschichte zugänglich gemacht werden.
Der Transport des 64 Tonnen schweren Gebäudes war aufwendig. Die Spezialfirma JaKo Baudenkmalpflege zerlegte ihn in drei große Teile. Auf Tiefladern ging es über die Autobahn zum Kiekeberg. Dort wurde der Turm in eine vorbereitete Baugrube eingesetzt und originalgetreu aufgebaut. Auch innen soll das Gebäude künftig zugänglich sein. Besucher können einen Trafo aus den 1980er-Jahren und alte Leitungen besichtigen. Infotafeln vermitteln die Technikgeschichte des Hauses.
Der Zeitpunkt der Eröffnung fiel mit dem Fördervereinsfest des Museums zusammen. Rund 1.000 Mitglieder waren vor Ort, als der Turm offiziell Teil der Königsberger Straße wurde. Diese Ausstellungsgruppe zeigt das Alltagsleben in Norddeutschland zwischen 1945 und 1970.
Jan Bauer, CDU-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Fördervereins, nutzte die Gelegenheit für eine erfreuliche Bilanz. Der Verein zählt inzwischen 14.650 Mitglieder. Nummer 14.651 trat beim Fest gleich ein: die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Cornell Babendererde. In ihrem Grußwort würdigte sie das Projekt als Beispiel für bürgerschaftliches Engagement und erinnerte an die Symbolkraft der Königsberger Straße. Der Name stehe für Vertreibung, Neuanfang und historische Verantwortung.
Dass der Turm jetzt Teil dieser Ausstellung ist, verdankt sich vielen Beteiligten. Vor allem aber dem Förderverein, der mit Spenden, Ehrenamt und viel Einsatz große Projekte wie dieses möglich macht.
Für Ashausen bleibt der Abschied spürbar. Der Trafoturm war lange Teil des Ortsbildes. Nun erzählt er seine Geschichte an einem neuen Ort. Und bleibt dabei mehr als nur ein Bauwerk.
Redakteur:Anika Werner aus Winsen |
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