Ausbau des Ehestorfer Heuwegs
Kohle wird zum Problem

Rolf Weiß, Vorsitzender des Vereins Bergwerk Robertshall, hatte die Hamburger Behörde auf Stollen und Braunkohle hingewiesen. Hier zeigt er eine ca. 30 Zentimeter breite
Braunkohle-Sandschicht unter der Betonschicht
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  • Rolf Weiß, Vorsitzender des Vereins Bergwerk Robertshall, hatte die Hamburger Behörde auf Stollen und Braunkohle hingewiesen. Hier zeigt er eine ca. 30 Zentimeter breite
    Braunkohle-Sandschicht unter der Betonschicht
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bim. Ehestorf. Für die Hamburger Verkehrsbehörde offenbar überraschend, für Rolf Weiß, Vorsitzender des Vereins Bergwerk Robertshall, eine Katastrophe mit Ansage: Seit Anfang der Woche ist der Ehestorfer Heuweg bis einschließlich 28. September voll gesperrt (das WOCHENBLATT berichete). Der Grund: "die Braunkohle-Historie in den Harburger Bergen". Auf die hatte Rolf Weiß die Bezirksversammlung Harburg bereits Anfang 2018 hingewiesen und nach eigenen Angaben keine Reaktion erhalten.
Wegen Braunkohlerückständen, Hochofenschlacken und anderen instabilen Schichten ist der Boden im Ehestorfer Heuweg nicht ausreichend tragfähig und muss ausgetauscht werden. Doch diese Rückstände sind wohl nicht die einzigen Überbleibsel aus der Bergbauzeit in Rosengarten-Ehestorf und Hausbruch in den Jahren 1920 bis September 1922.
"Im Dezember 2017 habe ich Bodenradarmessungen zwischen den Straßen Rehwechsel und Beim Bergwerk auf rund 100 Metern Länge und einer Breite von drei Metern vorgenommen. An mindestens drei Stellen waren Bodenirritationen zu erkennen. Zwei Stellen wiesen Hohlräume in 15 Metern Tiefe auf, die auf nicht vollständig verfüllte Stollen hindeuten", erklärt Weiß. Und auch die übrigen, mehrere Meter langen Irritationen könnten auf weitere Hohlräume oder weichere Bodenbeschaffenheit schließen lassen.
Bereits drei Wochen nach Einstellung des Bergbaus habe der Bergwerksdirektor damals zwar dem Bergamt in Celle gemeldet, dass alle 25 Kilometer Stollen zugeschüttet worden seien. "Das ist jedoch mit den zum Schluss nur noch zwölf Mann in der kurzen Zeit völlig unmöglich", ist Weiß überzeugt. Seit dem Jahr 1925 sei es in dem Gebiet daher zu massiven Einbrüchen gekommen. Und die von ihm entdeckten Hohlräume könnten langfristig zu Absackungen führen, wenn jetzt nicht gehandelt wird, so Weiß.
Der problematische Untergrund wäre möglicherweise (noch) nicht zum Problem geworden: Die Hamburger Behörde - zuständig ist der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), der der Verkehrsbehörde zugeordnet ist - hatte nämlich gar nicht vor, den Ehestorfer Heuweg auf den 200 Metern auf niedersächsischer Seite so grundlegend zu sanieren. Dort sei lediglich eine Deckensanierung geplant gewesen. "Durch die Vielzahl der nicht verzeichneten Versorgungsleitungen" habe aber eine Änderung der Entwässerungsplanung vorgenommen werden müssen. Das nun größere Siel soll im Bereich der Fahrbahn eingebaut werden. Dadurch "wurde der nicht tragfähige Untergrund aus Braunkohle-Sand unterhalb einer durchgängigen Betonschicht erst im Rahmen einer ergänzenden Untersuchung festgestellt", teilt die Behörde mit (s. weitere Informationen im Kasten).

Schlampig verfüllte Stollen und eine provisorische Straße

(bim). Nicht nur, dass die alten Stollen damals womöglich nur schlampig verfüllt wurden. Der Ehestorfer Heuweg auf niedersächsischer Seite ist bisher wohl eher ein Provisorium denn eine Straße. So schreibt es der Hamburger Senat in einer Anfrage zweier FDP-Abgeordneter. Deren Fragen, die sich teilweise mit der WOCHENBLATT-Anfrage decken, und die Antworten geben wir hier in gekürzter Form wieder:
Wann wurden vor Baubeginn die ersten Bodenproben entnommen und welches Ergebnis hatten sie?
Der LSBG war über die Braunkohle-Historie in den Harburger Bergen informiert und hat im September 2015 Baugrunduntersuchungen durch ein Baustoffprüflabor in Auftrag gegeben. Die Untersuchungen beziehen sich auf die Anforderungen der geplanten Arbeiten, daher erfolgen für Grundinstandsetzungsarbeiten und einfachere Deckensanierungen unterschiedlich intensive Voruntersuchungen. Der Baugrund im gesamten Verlauf des Ehestorfer Heuwegs wurde auf seine Tragfähigkeit und Zusammensetzung hin untersucht. Es gab jedoch keine Hinweise darauf, dass mit Braunkohle vermischte Sande als Straßenunterbau an den Fundstellen verwendet wurden.
Wann wurde bekannt, dass der Boden nicht tragfähig ist und daher ausgetauscht werden muss?
Während der Bauausführung wurde eine mangelhafte Tragfähigkeit für den benannten Bereich im Mai 2019 vermutet. Daraufhin wurde dies zusätzlich durch ein Prüflabor untersucht und ausgewertet. Der abschließende Prüfbericht lag dem LSBG Anfang August vor.
Warum ist eine einmonatige Vollsperrung notwendig, wie ist der Zeitablauf?
Unter der derzeit vorhandenen, provisorischen Verkehrsfläche befinden sich die Schichten aus Beton und dem besagten Braunkohle-Sand. Diese müssen ausgebaut werden, um Siel- und Anschlussleitungen herstellen zu können. Danach kann der Bereich mit zugelassenen Straßenbaustoffen verfüllt und wieder aufgebaut werden, damit eine langfristig tragfähige Unterschicht entsteht. Durch den notwendigen Rückbau auf gesamter Fahrbahnbreite kann die derzeitige provisorische Verkehrsführung nicht mehr aufrechterhalten werden.
Wie lange verzögert sich dadurch der Fertigstellungstermin des Ehestorfer Heuweges?
Das derzeitige Fertigstellungsdatum des ersten Bauabschnitts verzögert sich voraussichtlich auf März 2020.
Wird die angekündigte vierwöchige Vollsperrung im Dezember 2019 trotzdem stattfinden?
Die für Dezember geplante vierwöchige Vollsperrung wird bei günstigem Baufortschritt voraussichtlich auf zwei Wochenenden beschränkt.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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