Neues Leuchtturm-Projekt für die ganze Region

Beeindruckend: Für sechs Millionen Euro entsteht im Freilichmuseum am Kiekeberg das Projekt „Königsberger Straße“
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  • Beeindruckend: Für sechs Millionen Euro entsteht im Freilichmuseum am Kiekeberg das Projekt „Königsberger Straße“
  • Foto: Freilichtmuseum am Kiekeberg
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Am Kiekeberg entsteht eine Ausstellung von überregionaler Bedeutung / Millionen-Zuschuss aus dem Bundeshaushalt.

(mum). Das ist ein Paukenschlag für den Landkreis Harburg: Dank des Engagements von Michael Grosse-Brömer (CDU) bekommt das Freilichtmuseum am Kiekeberg Finanzmittel in Höhe von 3,84 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, der in Brackel zu Hause ist, hat sich seit mehreren Monaten für das Projekt eingesetzt und viele Gespräche geführt. Mit dem Geld plant Kiekeberg-Chef Prof. Dr. Rolf Wiese ein Leuchtturm-Projekt für den Landkreis Harburg, vielleicht sogar für Niedersachsen. Grosse-Brömer ist sich sicher: „Dort entsteht eine Ausstellung von überregionaler Bedeutung.“

Und darum geht es: Im Zuge der Ausstellung „Königsberger Straße“ sollen regionaltypische Gebäude aus der Nachkriegszeit errichtet werden, die beispielhaft für die gesamtdeutsche Entwicklung sind. Diese Ausstellung ist das erste Museumsprojekt, das die Kulturgeschichte der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre in der ländlichen Region vollumfänglich erforscht, bewahrt und ausstellt. Inhaltlich geht es um eine auf ganz Deutschland übertragbare Entwicklung, die für das Werden und das Selbstverständnis der Bundesrepublik maßgeblich war. Wiese, der bereits seit vier Jahren an dem Projekt arbeitet, geht von Gesamtkosten in Höhe von sechs Millionen Euro aus. Auf knapp einem Hektar soll ein ganzer Straßenzug mit Häusern, Gärten und Geschäften entstehen.
„Der Besucher macht mit jedem Schritt einen kleine Zeitreise“, so Wiese. Sie beginnt mit den Flüchtlingsströmen in der Nachkriegszeit um 1945 und endet mit dem Bau von Fertighäusern in den 1980er Jahren.

„Dank des Einsatzes von Michael Grosse-Brömer kommen wir der Realisierung des Projektes ‚Königsberger Straße‘ einen unglaublichen Schritt näher. Vielleicht können die Arbeiten schon im Herbst kommenden Jahres beginnen“, sagt Professor Dr. Rolf Wiese. Der Leiter des Freilichtmuseums am Kiekeberg ist sich sicher, dass es durch die Bundesmittel in Höhe von 3,84 Millionen Euro deutlich einfacher wird, weitere Zuschüsse einzuwerben. Das Sechs-Millionen-Euro-Projekt, davon ist Wiese überzeugt, ist ein Besuchermagnet. Zudem passe das Projekt zu der aktuellen Flüchtlingssituation.
Die „Königsberger Straße“ ist laut Wiese das erste Museums-projekt, das die Kulturgeschichte der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre in der ländlichen Region vollumfänglich darstellt. Der Landkreis Harburg (ein ländlich strukturierter Raum, dessen Bevölkerung aufgrund von Flüchtlingszustrom um das Vierfache anwuchs und sich im Zuge des Wirtschafts- und Baubooms wandelte) und das Freilichtmuseum als Kulturvermittler und Präsentationsstandort würden ideale Voraussetzungen bieten. „Die Aufgabe von Museen ist es, an historische Sachverhalte heranzuführen, um aus der Vergangenheit für die Gegenwart zu lernen“, so Wiese. „Da ein Teil der ‚Königsberger Straße‘ auch die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in der Nachkriegszeit beleuchtet, hat die Ausstellung auch ganz konkrete aktuelle Bezüge.“ In den Nachkriegsjahren seien mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge, Vertriebene und Evakuierte sowie bis zu zehn Millionen ehemalige Zwangsarbeiter und KZ-Insassen aufgenommen worden. Die damals trotz der vorherrschenden Versorgungsprobleme gelungene wirtschaftliche und soziale Eingliederung der Flüchtlinge sei zum Garanten des Wirtschaftswunders geworden. „Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass rund ein Viertel aller heute lebenden Deutschen von Flüchtlingen und Vertriebenen abstammt.“ Kulturelle Vielfalt sei integraler Bestandteil bundesrepublikanischer Identität.
Expertenprognosen zufolge wird der ursprüngliche Baubestand der Nachkriegszeit auf dem Land aufgrund des zunehmenden Siedlungsdrucks der Großstädte in 20 bis 30 Jahren fast vollständig verschwunden sein. „Das Bauerbe ist bedroht durch Maßnahmen der Dorferneuerung und konstruktive Eingriffe seitens der Nachbesitzer“, erklärt Wiese. Die 1950er bis 1970er Jahre ins Museum zu holen, biete die einmalige Gelegenheit, ein wichtiges Stück der Architektur- und Zeitgeschichte zu bewahren.
Um diese für die Bundesrepublik prägende Zeit wirklichkeitsnah vermitteln zu können, werden regionaltypische Gebäude mit aussagekräftigen Geschichten ausgewählt:
• Eine Tankstelle aus der Zeit um 1960 verdeutlicht als bauliches Symbol für die zunehmende Mobilität auch die Rolle des Verkehrs für Wiederaufbau und Wirtschaftswunder.
• Sich nach den Zeiten der Not wieder etwas leisten, moderne Haushaltsgeräte und Produkte konsumieren, fand seinen Ausdruck in einer neuen Warenwelt, die sich die Menschen zuerst über Läden und Schaufenster erschloss. Unter anderem soll daher eine originalgetreue Ladenzeile mit Geschäften aus den 1950er entstehen.
• Die in Selbsthilfe oder auf politische Förderung hin errichteten Siedlungsstellen, ob als Doppelhaus oder einfaches Siedlungshaus, boten Flüchtlingen, Vertriebenen und Ausgebombten schnell adäquaten Wohnraum und behoben den Wohnungsmangel. Die so entstandenen Siedlungen prägten das Erscheinungsbild der Dörfer und Kleinstädte nachhaltig. Am Kiekeberg entstehen komplette Häuser mit Gärten.
• Auch das bäuerliche Wirtschaften veränderte sich. Außerhalb des Dorfbereichs entstanden „Aussiedlerhöfe“, landwirtschaftliche Betriebe mit entsprechendem Technisierungsgrad, um mehr Felder zu bewirtschaften und größere Viehbestände zu unterhalten.
• Der Einfluss westlicher, meist amerikanischer Kultur fand im Hausbau und Lebensstil seinen Niederschlag: Beim Fertighaus spielten neben Funktionalitätsansprüchen auch der günstige Preis und eine kurze Bauzeit eine Rolle. Sogar ein Fertighaus soll auf dem Areal gezeigt werden.
„Die Ausstellung steigert den touristischen Wert der Metropol-Region und kann noch unter Mithilfe von Zeitzeugen konzipiert werden“, sagt Heiner Schönecke, CDU-Landtagsabgeordneter und Kiekeberg-Fördervereins-Mitglied. „So bleibt die Lebensleistungen der Menschen in Erinnerung.“ Michael Grosse-Brömer ergänzt: „Ich war von Anfang an von diesem Projekt überzeugt.“

Auf ein Wort

Warum können Bundesmittel nicht umgewidmet werden?
Es ist nicht verwerflich, dass der Kiekeberg von den guten Kontakten eines Michael Grosse-Brömer profitiert und Bundesmittel in Höhe von fast vier Millionen Euro für ein absolut interessantes Projekt erhält! „Das Geld wird ausgeschüttet“, sagt Grosse-Brömer. „Wenn es nicht in den Landkreis Harburg fließt, profitiert ein anderes Bundesland davon.“
Genau das ist der Punkt. Über den Städten und Gemeinden im Landkreis Harburg schwebt schon jetzt die nächste Erhöhung der Kreisumlage wie ein Damoklesschwert. „Wir müssen sparen“, lautet der häufigste Satz in den aktuellen Haushaltsdiskussionen. Dabei weiß noch niemand, wie hoch die Kosten tatsächlich sein werden, die durch die aktuelle Flüchtlingssituation entstehen. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass in den nächsten Jahren allein durch den Nachzug von Familien immense Kosten entstehen werden. Vor diesem Hintergrund fällt es mir schwer zu verstehen, dass Bundesmittel für kulturelle Prestigeprojekte unbedingt ausgeschüttet werden müssen - und nicht für aktuelle Themen - wie etwa die Flüchtlingsarbeit - umgewidmet werden können.
Noch eine Anmerkung: Professor Rolf Wiese und seinem Team gebührt große Wertschätzung. Der Kiekeberg-Chef ist ein echter Visionär. Gut, dass er mit seinen Ideen das Freilichtmuseum immer weiter nach vorn bringt - und damit auch den Landkreis Harburg. Sascha Mummenhoff

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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