Mythos Fledermaus: Vampir und Kuscheltier

Die meisten Fledermausarten ernähren sich von Insekten, die sie im Flug erbeuten
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  • Die meisten Fledermausarten ernähren sich von Insekten, die sie im Flug erbeuten
  • Foto: Marko König
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25 Fledermausarten in Deutschland / Vom Aussterben bedroht / Nahrung und Lebensräume schwinden

(as). Sie hängen kopfüber an der Decke, flattern lautlos durch die Lüfte und machen sich nachts auf die Suche nach Beute: Fledermäuse. Manch einen schaudert es bei der Vorstellung, die geflügelten Säugetiere könnten auf sein Blut aus sein. Doch mit Dracula und Co. haben die Tiere nichts gemein, weiß Chrissie Kokartis. Seit etwa einem Jahr engagiert sich die Vahrendorferin (Gemeinde Rosengarten) als ehrenamtliche Fledermausbotschafterin beim NABU. "Wir wollen die Fledermaus wieder populär machen - weg vom Vampirimage", sagt Kokartis. "Es besteht überhaupt kein Grund, vor Fledermäusen Angst zu haben. Im Gegenteil, es sind äußerst faszinierende Lebewesen."
Aufgrund der Schauergeschichten haftet den Tieren ein bedrohliches Image an - dabei sind sie es, die vom Aussterben bedroht sind. Zu schaffen machen ihnen vor allem Nahrungsmangel und Lebensraumverlust. Fledermäuse gibt es schon seit über 50 Millionen Jahren in Deutschland. Doch in den letzten 50 Jahren wurden sie beinahe ausgerottet. 25 Fledermausarten sind in Deutschland beheimatet, die meisten sind nicht größer als fünf Zentimeter - und alle sind streng geschützt. Besonders verbreitet sind bei uns die Breitflügelfledermaus, die Zwergfledermaus und die Wasserfledermaus.
"Das Vorurteil, das Fledermäuse Menschen angreifen oder sich in die Haare setzen, hält sich hartnäckig. Dabei sind Fledermäuse äußerst scheue Tiere", sagt die Fledermausbotschafterin. "An Blut sind sie nicht interessiert. Auf dem Speiseplan unserer heimischen Fledermausarten stehen fast ausschließlich Insekten."

Perfekte Jäger


Von Frühjahr bis Herbst gehen Fledermäuse nachts auf die Jagd. Einige Arten fangen bis zu 4.000 Mücken pro Nacht - manch ein Gartenbesitzer würde sich über eine Fledermaus im Garten freuen. Bei ihren Jagdzügen fressen sie etwa ein Drittel ihres eigenen Körpergewichts, das sind bis zu 10 Gramm pro Einzeltier.
Die Fledermäuse sind perfekte Jäger. Nahezu lautlos flattern Fledermäuse durch die Dunkelheit, in der sie verhältnismäßig gut sehen können. Bis zu zwanzig Kilometer legen sie täglich zurück, um ihre Jagdgebiete zu erreichen. Bei der Jagd verlassen sie sich vor allem auf ihren Gehörsinn und ihr Echolot. Fledermäuse stoßen, für uns unhörbar, durch Mund oder Nase Ultraschalllaute aus. Anhand des Echos analysiert die Fledermaus Distanz, Richtung, Größe, Form und Struktur des Beuteinsekts. So kann sie ihre Nahrung direkt aus der Luft fangen.

Nahrung wird knapp


Ihr Speiseplan birgt jedoch auch Risiken für die geflügelten Säuger. "Durch das Insektensterben finden Fledermäuse immer weniger Nahrung", so Kokartis. Helfen kann man z.B. durch das Anpflanzen von bei Insekten beliebten Gehölzen wie Holunder und bei Nachtfaltern beliebten Blütenpflanzen wie Seifenkraut und Wegwarte.
Hinzu kommt, dass Insekten vielfach durch Pflanzenschutzmittel oder andere Chemikalien belastet sind. Beim Verzehr eines Insekts nehmen die Fledermäuse auch diese Gifte auf, die sie oder ihren Nachwuchs schwächen.
Fledermäuse nehmen über den Sommer 20 bis 30 Prozent an Gewicht zu - das ist ihr Polster für den Winterschlaf. Von November bis März verschlafen die Fledermäuse den Winter. Sie wachen nur selten auf und gehen in dieser Zeit nicht auf Nahrungssuche. Bis zu sechs Monate kommen sie ohne Nahrung aus.

Lebensraum schwindet


Nicht nur ihre Nahrung wird knapp, auch der Lebensraum der Fledermäuse schwindet. "Fledermäuse gibt es nicht nur auf dem Land. Die Tiere haben sich mittlerweile an die urbanisierten Lebensräume angepasst und sind auch in Städten zu finden. Doch ob auf dem Land oder in der Stadt, sie finden immer weniger Quartiere", so Kokartis.
"Man kann den Fledermäusen schon helfen, wenn man zum Beispiel nicht jede Ritze und Spalte am Haus zumacht", sagt die Fledermausbotschafterin. Auch mit dem Anbringen von Fledermauskästen, Hohlblocksteinen oder Holzleisten als Hängeplätze, z.B. im Carport, kann man die Tiere unterstützen. Wichtig: die Oberflächen müssen rau sein, damit sich die Tiere in ihrer bevorzugten Schlafstellung kopfüber festkrallen können. Der NABU bietet Fledermauskästen und Anleitungen zum selberbauen an und zeichnet fledermausfreundliche Häuser aus.
Fledermäuse leben die meiste Zeit des Jahres in Gruppen. "Fledermäuse sind unglaublich sozial", so Kokartis. Zum Beispiel beim schlafen: Die Fledermäuse hängen in Trauben und tauschen von außen nach innen durch, damit jeder sich aufwärmen kann. "Und fällt eine junge Fledermaus auf den Boden, macht sich die ganze Gruppe auf die Suche."
Seltene Vampire
Von den weltweit rund 1.200 Fledermausarten gibt es nur drei, die sich tatsächlich von Blut ernähren: die in Südamerika und dem Süden der USA beheimateten Vampirfledermäuse. Auf ihrer Speisekarte steht das Blut von Tieren, der Mensch gehört nicht zum Beutespektrum. Etwa 20 ml Blut nehmen die Sauger bei einer Mahlzeit auf. Für das Beutetier ist nicht der Blutverlust bei einem Biss gefährlich, sondern vielmehr die Infizierung mit Krankheiten oder eine Entzündung der Wunde.

Fledermaus gefunden - was jetzt

Findet man eine junge Fledermaus, z.B. auf dem Boden, sollte man als erstes den zuständigen Fledermausbetreuer kontaktieren (eine Auflistung nach Landkreisen gibt es unter www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/tier_und_pflanzenartenschutz/ansprechpartner_tier_und_pflanzenartenschutz/fledermausregionalbetreuer/fledermaus-regionalbetreuer-in-niedersachsen-44215.html). "Man sollte die Tiere nie ohne Handschuhe anfassen. Die Tiere sind in einer Stresssituation und könnten beißen", sagt Chrissie Korkatis. Bei einem Biss könnte Tollwut übertragen werden. Will man das Tier bergen, sollte man es mit einem Tuch anfassen und vorsichtig mit dem Tuch in eine Pappschachtel (mit kleinen Luftlöchern) legen und die Schachtel sehr gut verschließen.

• Infos zu Fledermäusen gibt es auch bei der NABU-Fledermaushotline unter Tel. 030-284984-5000 sowie unter www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/fledermaeuse

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