Prozess gegen mutmaßlichen Komaschläger von Meckelfeld
Großer Schritt in Richtung Freispruch?

Der Angeklagte (Mitte) mit seinen beiden Verteidigern Johannes Rauwald (li.) und Dr, Gerhard Strate
  • Der Angeklagte (Mitte) mit seinen beiden Verteidigern Johannes Rauwald (li.) und Dr, Gerhard Strate
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  • hochgeladen von Thomas Lipinski

Hauptbelastungszeuge will Schlag des mutmaßlichen Täters doch nicht gesehen haben

thl. Lüneburg. Erinnerungen verblassen - diese Weisheit ließ sich jetzt beim Prozess gegen den mutmaßlichen Schläger (35) feststellen, der im Rahmen des Meckelfelder Dorffestes im August 2015 einen Polizisten ins Koma geprügelt haben soll, als dieser vor einer Kneipe einen Streit schlichten wollte. Mittlerweile ist es der dritte Prozess in diesem Fall. In erster Instanz bekam der Angeklagte vier Jahre Haft aufgebrummt, in zweiter Instanz wurde das Urteil auf drei Jahre und sechs Monate abgemildert. Wegen Rechtsfehlern wurde der Schuldspruch allerdings vom Oberlandesgericht aufgehoben und das Verfahren zu einer anderen Kammer am Lüneburger Landgericht zurückgewiesen.
Und dort wendet sich der Prozess gerade zugunsten des Angeklagten. Denn der einzige Hauptbelastungszeuge, ein 41-jähriger Security-Mann, hatte große Erinnerungslücken. Gab er bei den ersten beiden Verfahren noch jeweils an, er habe genau gesehen, wie der Angeklagte den Schlag ausgeführt habe, sprach er jetzt nur noch von einer Schulterbewegung, die er gesehen habe. Und er habe ein klatschend-knackendes Geräusch gehört. "Und dann lag der Polizist am Boden", sagte er vor Gericht aus. Den Schlag selber habe er aber nicht gesehen. Allerdings schlussfolgerte er, dass der Angeklagte der Täter sein müsse, da er diesen zuvor gesehen habe, wie er zielstrebig in einem Halbkreis auf den Beamten zuging und anschließend auch als Einziger neben dem bewusstlos am Boden liegenden Polizisten stand. Immerhin war der Security-Mann sich immer noch sicher, dass der Angeklagte derjenige ist, den er damals dort gesehen habe.
Die Aussage sorgte sowohl beim Richter als auch bei allen Prozessbeteiligten für Verwunderung. Doch der Zeuge verteidigte sich: "Die ganze Sache ist vier Jahre her. Heute sehe ich das Bild des Schlages nicht mehr vor meinem geistigen Auge. Aber wenn ich es damals so gesagt habe, wird es stimmen."
Trotzdem dürften mit dieser Aussage die Hoffnungen des Angeklagten auf einen Freispruch, den seine Verteidiger schon im vorherigen Verfahren gefordert haben, gestiegen sein.
Der Prozess geht weiter.

Es bleiben viele Fragezeichen

Was den Prozessbeobachtern mit der Aussage des Security-Mannes geboten wurde, hinterlässt viele Fragezeichen. Trat der 41-Jährige in den ersten beiden Verfahren noch souverän auf, wirkte er jetzt geradezu verstört. Warum? Ist es wirklich nur die verblasste Erinnerung? Und auch das Verhalten des Angeklagten lässt weiter viele Fragen offen. Wenn er unschuldig ist, warum spricht er dann nur von Erinnerungslücken für die Tatzeit? Warum hat er im Angesicht einer drohenden Gefängnisstrafe keine Entlastungszeugen gesucht und benannt? Und warum hatte er DNA-Spuren des Polizisten an Händen und Füßen? Fragen über Fragen - ob es darauf jemals eine abschließende Antwort gibt?

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