Aufgefundene verstorbene Haustiere
Trauer mit Gewissheit statt vergebene Hoffnung
- Die verstorbenen Lieblinge nehmen auch nach ihrem Ableben einen Platz bei den Menschen ein
- Foto: @adobestock / ibex_media
- hochgeladen von Sven Rathert
Ein trauriger Fund in einem Wohngebiet in Meckelfeld hat viele Fragen aufgeworfen. Unter einem Trampolin entdeckten spielende Kinder eine tote Katze. Das Tier wies keine äußeren Verletzungen auf, war gepflegt und hatte sich offenbar einen geschützten Platz zum Sterben gesucht. Besonders für die Kinder war die Situation belastend. Ihr Wunsch war eindeutig: Die Katze sollte würdevoll bestattet werden.
Die Erwachsenen der Nachbarschaft versuchten zunächst, über einen Mikrochip die Halterin oder den Halter ausfindig zu machen. Aufgrund der Erscheinung war davon auszugehen, dass das Tier ein menschliches Zuhause hatte. Erste Anlaufstelle war die Gemeinde Seevetal, doch dort erhielten sie keine konkrete Unterstützung. Eine Mitarbeiterin verwies auf den Verein „Haustiertotfund“. Doch dieser ist kaum noch aktiv. Julia Welsch, die von Seevetal und dem Land Niedersachsen ausgezeichnete Initiatorin des Projekts, erklärte auf Nachfrage: „Es war einfach eine Zeitfrage.“ Sie habe nach Feierabend monatlich rund 30 tote Katzen zu Tierärzten gebracht, auf eigene Kosten. Ihr Engagement für Tiere ist ungebrochen, inzwischen kümmert sie sich jedoch vor allem um lebende Exemplare im Landkreis Harburg.
Weitere Hinweise der Gemeinde, sich an den Landkreis Harburg oder die Polizei zu wenden, brachten ebenfalls keine Lösung. Beide Stellen verwiesen zurück an die Kommune. Auch eine Tierarztpraxis wurde kontaktiert. Zwar bot man an, den Chip auszulesen, allerdings hätte die Katze selbst dorthin gebracht werden müssen - ein Transport, der so nicht umsetzbar war.
Das WOCHENBLATT fragte bei den entsprechenden Behörden nach, wie in einem solchen Fall zu verfahren sei:
Katja Bendig, Sprecherin des Landkreises Harburg, sagt dazu: „Erste Ansprechpartner sind die Gemeinden. Sie sind für die Bergung der Kadaver zuständig. In der Regel verfügen sie über ein Chiplesegerät, um beispielsweise auch Hunde im Rahmen der Hundesteuerkontrolle zu identifizieren.“ Sollte kein Gerät vorhanden sein, könne der Landkreis beim Auslesen unterstützen.
Auch von Seiten der Gemeinde Seevetal wurde klargestellt, wie in solchen Fällen zu verfahren ist. Sprecherin Anne Strauch erklärte: „Tot aufgefundene Katzen und Hunde werden vom Betriebshof eingesammelt und zu einem Tierarzt gebracht. Dort wird der Chip, insofern vorhanden, ausgelesen, um Halterinnen oder Halter zu informieren.“ Wichtig sei, den Fundort möglichst präzise zu melden, idealerweise mit Foto. Dies könne zum Beispiel über das Bürgertipps-Portal der Gemeinde erfolgen.
Gewissheit für Halterinnen und Halter
Immer wieder tauchen in Wohngebieten Plakate auf, mit denen verzweifelte Menschen nach ihren verschwundenen Haustieren suchen. Nicht selten hängen sie monatelang - in der Hoffnung, dass das Tier zurückkehrt. Julia Welsch betont, wie wichtig es sei, Chips auch bei toten Tieren auszulesen: „Menschen brauchen Gewissheit. Nur so haben sie die Möglichkeit, zu trauern und abzuschließen.“
Der Fall in Meckelfeld zeigt, dass Mitgefühl allein oft nicht ausreicht. Eine klare Zuständigkeit und reibungslose Abläufe sind nötig, damit aus einem traurigen Fund nicht auch noch Frust bei den Helfenden wird.
Auch im Landkreis Stade sind die Kommunen (Hansestadt, Samtgemeinde oder Gemeinde) zuständig für die Entsorgung tot aufgefundener Heimtiere. Unterstützung für die Kommunen beim Auslesen der Chips gibt es seitens des Landkreises Stade nicht.
Im Fall Meckelfeld übernahm schließlich Julia Welsch erneut Verantwortung und organisierte das Auslesen des Chips des Tieres. Eine Bekannte der Seevetalerin kam mit einem Lesegerät zum Unglücksort, die Katze war allerdings nicht gechippt.
Das Tier wurde schließlich in Begleitung der Kinder würdevoll bestattet. Für einige der Kinder war es das erste Mal, dass sie mit dem Tod eines Tieres so unmittelbar konfrontiert wurden, eine prägende Erfahrung. Was bleibt, ist die Erkenntnis: In der Theorie mögen Zuständigkeiten geregelt sein und sowohl die Gemeinde Seevetal als auch der Landkreis Harburg möchten ihre Haustierbesitzer unterstützen. In der Praxis jedoch zeigt sich momentan ein anderes Bild, mit teils zäher Kommunikation und offensichtlichem Verbesserungsbedarf.
Redakteur:Sven Rathert aus Seevetal |
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