Hausärzteverband möchte schon jetzt mit Impfungen in den Arztpraxen beginnen
Ab wann impft der Hausarzt gegen Corona? Stader Ärztevertreter gibt Einschätzung ab

Impfen in den Hausarztpraxen: Das sollte nach Meinungen der Experten möglichst schnell ermöglicht werden
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jd. Stade. Womöglich ab Mai, vielleicht auch schon etwas früher, könnte nach Einschätzung von Dr. Stephan Brune, Vorsitzender der Bezirksstelle Stade der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), mit den Impfungen in den Arztpraxen begonnen werden. Die Gruppe mit der höchsten Priorität sei dann wahrscheinlich durchgeimpft und parallel könnten die Impfzentren die Schutzimpfungen für Angehörige der Kategorie 2 (hohe Priorität) zum Abschluss bringen. Zudem dürften dann endlich größere Mengen des für den Einsatz in den Praxen prädestinierten Impfstoffes von Astrazeneca bereitstehen.

Eine Absage erteilt Brune allerdings dem Ansinnen des Hausärzteverbandes, schon jetzt in den Praxen zu impfen und dabei die besonders empfindlichen Impfstoffe von Biontech oder Moderna zu verwenden. Der Berufsverband, dem ein Teil der Hausärzte angehören, hatte erklärt, dass man sich durchaus in der Lage sehe, diese sogenannten "mRNA-Impfstoffe" zu handhaben.

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"Wir können das", meint Ruben Bernau, Bezirksvorsitzender Stade des Hausärzteverbandes Niedersachsen. Er verweist auf das Know-how aus den Grippeimpfungen. Daher könnten die Hausärzte auch binnen kurzer Zeit Impfdosen mit einer vergleichsweise kurzen Haltbarkeit verimpfen. Bernau schlägt vor, dass die Hausärzte die Impfungen entweder bei den Hausbesuchen oder in speziellen Impfsprechstunden vornehmen.

Im Gegensatz zu seinem Berufskollegen Bernau betrachtet Brune das Handling der sensiblen mRNA-Impfstoffe, bei denen strikt die Kühlkette eingehalten werden muss, als eher schwierig für normale Arztpraxen. Dieser Ansicht ist auch die Leiterin des Stader Impfzentrums, Kreis-Dezernentin Nicole Streitz. So könne das Biontech-Vakzin höchstens fünf Tage im Kühlschrank lagern und sei nur bedingt transportfähig. Wenn überhaupt, sollte der Impfstoff nur in Ampullen und keinesfalls in aufgezogenen Spritzen möglichst frei von Erschütterungen befördert werden.

Streitz stellt zudem klar, dass die jetzige Impfverordnung und die Vorgaben des Landes aktuell keine andere Möglichkeit zulassen als das Gros der Bevölkerung in den Impfzentren zu versorgen. Angesichts des noch immer knappen Impfstoffes müssten die Impfprioritäten strikt eingehalten werden. Das Anmeldeprozedere verlange einen relativ hohen organisatorischen Aufwand, der um ein Vielfaches höher sei als der Impfvorgang selbst, so Streitz.

"Diesen hohen Aufwand wird sich zum jetzigen Zeitpunkt wohl keine Praxis ernsthaft zumuten wollen", sagt die Dezernentin. Zudem sei es für ein Impfzentrum einfacher, unberechtigte Impfwillige abzuweisen. Die unangenehme Aufgabe, etwa einem 79-jährigen Stammpatienten zu erklären, dass er noch nicht dran sei, möchte sie keiner Arzthelferin zumuten.

Aber auch Streitz setzt darauf, dass in naher Zukunft eine dezentrale Impfung in den Arztpraxen möglich ist. "Die Impfvorsorge gehört definitiv in den hausärztlichen Bereich und dorthin sollte auch so zeitnah wie möglich die COVID-19-Schutzimpfung gehen."

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Forderung: Höchste Priorität für Haus- und Fachärzte

"Alle niedergelassenen Ärzte und deren Praxismitarbeiter sind so schnell wie möglich zu impfen." Das fordert der Stader KV-Bezirksvorsitzende Dr. Stephan Brune. Der Kardiologie hält es für ein Unding, dass Haus- und Fachärzte sowie deren Praxispersonal nicht der Gruppe mit der höchsten Impfpriorität zugeordnet sind. Derzeit werden Ärzte nur dann vorrangig geimpft, wenn sie etwa Patienten in einem Alten- und Pflegeheim versorgen oder Corona-Abstriche vornehmen.

Die Argumente für zügige Durchimpfung der Haus- und Facharztpraxen liegen laut Brune auf der Hand: Die Ärzte und die medizinischen Fachangestellten kommen täglich mit rund 70 bis 80 Patienten in Kontakt. Die Infektionsgefahr ist also hoch. Sollte sich ein Arzt mit dem Coronavirus anstecken, müsste eine Praxis womöglich über Wochen schließen, was negative Auswirkungen auf die Patientenversorgung hätte.

Nach Ansicht von Brune erscheint ein rasches Durchimpfen der niedergelassenen Ärzte und ihrer Praxisteams auch in Hinblick auf die künftige Impfstrategie als höchst sinnvoll. Sobald nämlich ausreichend Impfstoff bereitsteht, sollen die meisten Menschen den schützenden Piks in den Arztpraxen erhalten. Das setzt aber gesundes Personal voraus.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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