Schädlingsbefall macht Hobbygärtnern den Genuss der roten Frucht buchstäblich madig
Die Kirschernte vermasselt

So sieht eine Kirsche aus, wenn sich die Made der Kirschfruchtfliege breitgemacht hat Foto: lt
  • So sieht eine Kirsche aus, wenn sich die Made der Kirschfruchtfliege breitgemacht hat Foto: lt
  • hochgeladen von Jaana Bollmann

(jab). Im eigenen Garten schnell ein paar Kirschen gepflückt und vernascht oder doch die etwas größere Ernte vorgenommen und selbst Marmelade, Gelee oder Saft hergestellt - wie auch immer die Vorlieben sind, Kirschen sind derzeit in aller Munde. Doch mancherorts hat dieser Genuss einen bitteren - oder besser madigen - Beigeschmack. Denn: Die Kirschfruchtfliege bzw. Kirschessigfliege ist im Anflug und hinterlässt ihre Nachkommen in den runden, roten Früchten.

Auf den ersten Blick ist der Befall häufig nicht erkennbar. Schaut man aber genauer hin, fallen einem an den Früchten kleinste Bohrlöcher auf. In diesem Fall hat sich die Kirschfruchtfliege am Obst zu schaffen gemacht und dort ein Ei abgelegt, ansonsten ist die Frucht von außen aber intakt. Im Inneren frisst sich mit der Zeit die Made durch das Fruchtfleisch. Bei der Kirschessigfliege, die an ihrem Eiablageapparat sogenannte Sägezähne hat, ist das Loch schon eher zu erkennen. Spätestens wenn die zahlreichen Maden sich vom Fruchtfleisch zu ernähren beginnen, fällt die Kirsche in sich zusammen. Aus den heruntergefallenen Früchten gelangen die Maden außerdem in die Erde und können so im kommenden Jahr erneut als Fliege Schäden am Obst anrichten.

Dass die "Schaderreger" aber nicht nur ein Problem der Hobbygärtner sind, erklärt Dr. Matthias Görgens, stellvertretender Leiter des Obstbauzentrums Esteburg in Jork-Moorende. Auch die Obstbauern in Deutschland haben seit 2008 mit den aus Asien eingeschleppten und sich global ausbreitenden Insekten zu tun. Die ersten wirtschaftlichen Schäden gab es nach Aussage Görgens' 2014 bzw. 2015. Mit der Zeit haben die Obstbauern aber ihre Erfahrungen gesammelt und wissen sich zu helfen.

Die Obstbauern betreiben von Beginn an eine sogenannte Bestandshygiene, was bedeutet, dass das Obst immer restlos abgepflückt und vollständig aus der Plantage gebracht wird. Auch Netze kämen zum Einsatz, seien aber vergleichsweise teuer, so Görgens. Beide Maßnahmen eignen sich auch für den Hausgebrauch. Zusätzlich zu engmaschigen Netzen gibt es im Baumarkt Gelbtafeln, die die Kirschfruchtfliegen durch ihre gelbe Farbe anlocken und an denen sie dann festkleben. Für die Fruchtessigfliegen gibt es spezielle Essig- bzw. Rotweinfallen. Die Kirschen bzw. das Obst von befallenen Bäumen und Sträuchern sollten zudem vollständig entfernt bzw. aufgesammelt und anschließend entsorgt werden, am besten über die Biotonne. Görgens' Top-Tipp: Hühner. Sie fressen nämlich nicht nur die heruntergefallenen Früchte, sondern auch die Maden.

Chemische Maßnahmen sieht Görgens übrigens sehr kritisch, da sie bei den besagten Fliegen nicht sonderlich effektiv wirken. Auch Abholzung sieht er nicht als Lösung, schließlich erfülle der Baum zusätzlich zum gestalterischen Aspekt im Garten für Tier und Umwelt weitere wichtige Zwecke. Außerdem könne der Befall im nächsten Jahr schon wieder ganz anders aussehen.

Sollten Kirschfreunde doch einmal eine madige Kirsche aus dem eigenen Garten erwischen, ist es zwar unappetitlich, aber keinesfalls gesundheitsschädlich, so Görgens. Ist der Befall doch einmal größer, kann er die einwandfreien Früchte aus dem Laden oder vom Marktstand der Umgebung empfehlen.

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