Ein Klassiker für Scherbensammler

Geballte Doktor-Power bei der Buchvorstellung (v. li.): Dr. Henning Haßmann, der Stader Museumsdirektor Dr. Sebastian Möllers, Stadtarchäologe und Autor Dr. Andreas Schäfer, Professor Dr. Rainer-Maria Weiss und Dr. Marcus C. Blaich im Schwedenspeicher
2Bilder
  • Geballte Doktor-Power bei der Buchvorstellung (v. li.): Dr. Henning Haßmann, der Stader Museumsdirektor Dr. Sebastian Möllers, Stadtarchäologe und Autor Dr. Andreas Schäfer, Professor Dr. Rainer-Maria Weiss und Dr. Marcus C. Blaich im Schwedenspeicher
  • hochgeladen von Thorsten Penz


Wuchtiger Wälzer: Stadtarchäologe legt Doktorarbeit vor / So lebten die Germanen im Kreis Stade und Harburg

tp. Stade. Dick wie ein OTTO-Katalog, schwer wie ein Sack Kartoffeln und voller buchstäblich potthässlicher Schwarzweiß-Zeichnungen zerbrochener Tonkrüge und Häusergrundrissen. Der mehr als 500 Seiten starke, wuchtige Wälzer, den der Stader Stadtarchäologe Dr. Andreas Schäfer jetzt vorlegte, wird wohl nie ein Millionen-Seller, doch es musste einfach sein. Viele Jahre nach seiner Dissertation legte Schäfer nun, wie es der Wissenschafts-Brauch verlangt, seine Doktorarbeit in gedruckter Form vor.

Zur Vorstellung der Arbeit über die Siedlungsweise der Germanen vor rund zwei Jahrtausenden im Raum Hamburg und den Landkreisen Stade und Harburg reiste Forscher-Elite aus dem Norden an: Im Stader Schwedenspeicher-Museum waren der Niedersächsische Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann, der archäologische Abteilungsleiter des Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Markus C. Blaich, beide aus Hannover, und der Hamburger Landesarchäologe, Professor Dr. Rainer-Maria Weiss zu Gast.

Schäfer untersuchte für seine Doktorarbeit das Siedlungsverhalten der Bauern an der Niederelbe, die von der jüngeren vorrömischen Eisenzeit bis zum Ende der Völkerwanderungszeit mit ihrem Vieh in dreischiffigen Pfostenhäusern in kleinen Dörfern lebten. Dazu wurden umfangreiche Kartierungen durchgeführt, teils mit der hochmodernen "Airborne"-Methode, bei der die Feldmark aus einem Flugzeug per Laser abgetastet wird.
"Wir graben an jeder Baustelle, und dann soll die Ergebnisse es auch einer publizieren", sagte Dr. Haßmann und lobte den Fleiß, den Dr. Schäfer bei seinen Untersuchungen an den Tag legte. Der Familienvater ist als Stadtarchäologe und Chef der neuen „Stade Marketing und Tourismus GmbH“ beruflich voll eingespannt. Nach eigenem Bekunden nutzte Schäfer, der in Hamburg wohnt, die halbstündige Fahrzeit im Pendlerzug Metronom, um die Doktorarbeit als Buch fertigzustellen.

Siedlungen seien, anders als etwa Schmuckfunde "ein undankbares Geschäft", so Dr. Haßmann, der das Vorwort schrieb. Umso dankbarer sei die Archäologen-Szene über die Kern-Erkenntnis des Werks: Entgegen früherer Annahmen war die untersuchte Gegend im dritten Jahrhundert nach Christus nicht völlig menschenleer. Dr. Schäfer spricht von der "Widerlegung der postulierten Siedlungslücke".

Das Buch, das in 500er-Auflage erscheint, richtet sich an Fachpublikum und interessierte Laien. Passionierte Scherbensammler unter den Hobby-Archäologen werden sich das Werk, das Grabungsergebnisse aus mehr als fünf Jahrzehnten enthält, ins Regal stellen ebenso wie Uni-Bibliotheken. Experten wittern Klassiker-Qualitäten, sodass wohl bald mancher Archäologie-Professor seinen Studenten empfiehlt: "Schlagt mal im 'Schäfer' nach."

• Tel. 04141 - 401-410 (Dr. Andreas Schäfer).

Geballte Doktor-Power bei der Buchvorstellung (v. li.): Dr. Henning Haßmann, der Stader Museumsdirektor Dr. Sebastian Möllers, Stadtarchäologe und Autor Dr. Andreas Schäfer, Professor Dr. Rainer-Maria Weiss und Dr. Marcus C. Blaich im Schwedenspeicher
Schloss mit dem Buch das Kapitel "Dorkorarbeit" in seinem Leben ab: Dr. Andreas Schäfer
Autor:

Thorsten Penz aus Stade

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Panorama

12. April: Die aktuellen Corona-Zahlen aus dem Landkreis Harburg
Die Gemeinde Hollenstedt beklagt einen Corona-Toten

(sv). Der Landkreis Harburg meldet am heutigen Montag, 12. April, einen Corona-Toten aus der Samtgemeinde Hollenstedt. In Hollenstedt sind nun drei von insgesamt 98 Menschen im Landkreis am oder mit dem Coronavirus verstorben. Der Inzidenzwert geht heute wieder leicht zurück, von 66,42 am Sonntag auf 60,53 am heutigen Montag. Die aktiven Fälle sinken auf 225, das sind 30 weniger als am Vortag. In den letzten sieben Tagen meldete der Landkreis 154 Fälle. Insgesamt sind seit Beginn der Pandemie...

Service
Die Grafik zeigt, wie stark die Zahlen in dieser Woche gestiegen sind

Inzidenzwert im Landkreis Stade über 100: Jetzt droht verschärfter Lockdown
Wert in vier Tagen verdoppelt: Höchste Sieben-Tage-Inzidenz in diesem Jahr im Kreis Stade

jd. Stade. Die Corona-Zahlen im Landkreis Stade gehen gerade durch die Decke: Erstmals in diesem Jahr ist die Sieben-Tage-Inzidenz über den Wert von 100 gestiegen. Am Sonntag, 11. April, wird ein Inzidenzwert von 113,0 gemeldet. Zuletzt gab es einen so hohen Wert am 28. Dezember (112,5). Damit hat sich die Sieben-Tage-Inzidenz innerhalb von nur vier Tagen verdoppelt. Am Mittwoch lag sie noch bei 56,2. Die hohe Sieben-Tage-Inzidenz von 113,0 ist Folge der seit Tagen steigenden Zahl an...

Wirtschaft
Das Dow-Werk in Stade-Bützfleth

Chemiewerk führt Verkaufsgespräche über Unternehmensteile
Dow Stade: Verkauf wird konkreter

sb/jd. Stade. Die Pläne der Dow in Stade, Teile des Chemiewerks an der Elbe zu verkaufen, werden konkreter. Erste Verhandlungen seien angelaufen, teilt das Unternehmen mit. Betroffen sind Teile der Infrastruktur und des Dienstleistungsbereichs. Verkaufs-Überlegungen für Stade seien Teil einer weltweiten Firmen-Strategie, teilte Firmensprecher Stefan Roth mit. Bereits im Juli 2020 habe Dow global angekündigt, die Nicht-Produktionsbereiche zu überprüfen im Hinblick auf die Möglichkeit, eine...

Sport
Den 31:19-Sieg über Ketsch bejubelte das Luchse-Team euphorisch
2 Bilder

1. Handball-Bundesliga
"Luchse" mit verdientem 31:19-Heimsieg

(cc). Die Hoffnung auf den Klassenverbleib in der 1. Bundesliga lebt: Am Samstagabend hat sich die abstiegsbedrohte Mannschaft der Handball-Luchse (HL) Buchholz 08-Rosengarten verdient mit 31:19 (Halbzeit: 16:10) Toren in heimischer Nordheidehalle gegen die Kurpfalz Bären aus Ketsch durchgesetzt. Beste Werferin war Kim Berndt mit acht Toren. "Meine Mannschaft hat zu 90 Prozent das umgesetzt, was ich ihr vorgegeben habe. Bis auf unsere kurze Schwächephase in der ersten Halbzeit ist uns ein...

Panorama
Ein Hinweisschild - wie auf dieser Fotomontage - könnte bereits am Eingangstor des Impfzentrums für Klarheit sorgen

Stader Impfzentrum: "Heute nur AstraZeneca im Angebot"
Impfen ist kein Wunschkonzert: Wer umstrittenen Impfstoff nicht will, muss wieder gehen

jd. Stade. "Hier gibt es nur Astra": Hängt solch ein Schild an einer Kneipe, dann weiß jeder Gast, dass nur diese eine Biersorte im Ausschank ist. Ähnlich wie ein Kneipenwirt würde auch Nicole Streitz, Leiterin des Stader Impfzentrums, es gern handhaben. Am Eingang des Impfzentrums könnte dann der Hinweis stehen: "Heute nur AstraZeneca." Damit würde sie sich und ihren Mitarbeitern möglicherweise viel Ärger ersparen, meint Streitz. "Wer draußen das Schild liest und nicht mit AstraZeneca geimpft...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen