WOCHENBLATT-Serie: LEADER-Förderung
Plattdeutsch lernen mit Genuss
- Gretel Blume (v. li.) und Lisa Wrogemann werden beim Kochen von Cheyenne Skrzekowski gefilmt
- Foto: Nicola Kaatz
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
In der WOCHENBLATT-Serie „LEADER-Förderungen in der Region“ werden innovative Projekte vorgestellt, die mit Unterstützung von LEADER das Leben in ländlichen Gebieten verbessern. Diesmal geht es um ein gleichermaßen lehrreiches und leckeres Thema: Das Projekt "Koken op Platt - Kochen auf Plattdeutsch".
Was früher in vielen Haushalten Alltag war, ist heute eine charmante Seltenheit: Plattdeutsch. Die Regionalsprache, die einst Küche, Hof und Markt dominierte, ist inzwischen auf dem Rückzug – insbesondere unter jungen Menschen. Um dem entgegenzuwirken, haben sich der Verein „De Plattdüütschen“ aus Düdenbüttel und Landfrauen aus den Kreisen Stade und Cuxhaven zusammengetan. Gemeinsam mit den vier LEADER-Regionen „Altes Land und Geestrand“, „Kehdingen-Oste“, „Moorexpress-Stader Geest“ und „Hadler Region“ wurde das Projekt „Koken op Platt“ ins Leben gerufen.
Ein Kochbuch, zwei Sprachen, viele Geschichten
Herzstück des Projekts ist ein zweisprachiges Kochbuch – auf Plattdeutsch und Hochdeutsch. Die Idee: Über den Zugang zum Alltäglichen, zum Kulinarischen, die Sprache wieder fest im Alltag zu verankern. Neben den Rezepten finden sich im Buch QR-Codes, die zu kurzen Koch-Videos führen. Diese werden von plattdeutsch sprechenden Protagonistinnen und Protagonisten präsentiert – lebendig, authentisch, regional. Die Videos entstehen nach und nach in allen vier beteiligten Regionen, mit Gerichten, die in ihrer jeweiligen Heimat verwurzelt sind.
Die Zutaten stammen vorzugsweise aus der Region und werden über Hofläden oder Landfrauenmärkte bezogen. So schlägt das Projekt nicht nur eine Brücke zur Sprache, sondern auch zur regionalen Landwirtschaft und zu traditionellen Rezepten, die vielerorts fast in Vergessenheit geraten sind.
Auftakt in Bargstedt
Der Startschuss fiel Ende Mai in der Region Moorexpress-Stader Geest, genauer in Bargstedt. Mit dabei war Lisa Wrogemann, auf Social Media besser bekannt als @eat.platt.love. Gemeinsam mit Gretel Blume, die sich beim Heimatverein Bargstedt/Ohrensen für die Sparte Plattdeutsch engagiert, wurde in deren Küche gekocht, geschnackt und gefilmt.
Auf den Tisch kamen regionale Klassiker und kreative Neuinterpretationen: Wildburger mit Rotweinsauce, Grützwurst mit Apfelmus und Kartoffelbrei, Schmorkartoffeln („Schmuttkartuffeln“), Spargel-Erdbeer-Salat und ein saftiger Wurzelkuchen („Wöddelkoken“). Die visuelle Inszenierung übernahmen Fotograf Ulfert Kasten und Videografin Cheyenne Skrzekowski. Während Letztere mit viel Geduld die Szenen einfing, sorgte Kasten für die passende ästhetische Umsetzung – vom angerichteten Teller bis zum finalen Bildausschnitt.
Social Media als Sprachrohr der Regionalsprache
Dass das Projekt nicht nur analog stattfindet, zeigt der begleitende Instagram-Kanal des Vereins „De Plattdüütschen“ (@de_plattduutschen). Dort werden künftig die Videos veröffentlicht, ergänzt durch gespielte Sprüche, sprachliche Erklärungen und kurze Einblicke hinter die Kulissen. Der Vorsitzende Heinz Mügge und seine Enkelin Johanna Brunswik setzen sich aktiv dafür ein, dass die Inhalte junge Zielgruppen erreichen. Letztere wird gemeinsam mit ihrem Team den Kanal betreuen – authentisch, frisch und mit einer Prise Humor.
Eine Einladung zum Mitmachen
„Koken op Platt“ ist mehr als ein Buch oder eine Videoreihe. Es ist eine Einladung, Teil eines kulturellen Dialogs zu werden – zwischen Generationen, zwischen Regionen, zwischen Sprache und Kulinarik. Noch werden junge Laiendarstellerinnen und Laiendarsteller gesucht, die Lust haben, Plattdeutsch zu sprechen und sich vor der Kamera auszuprobieren.
Der offizielle Verkaufsstart des Kochbuchs ist für Ende November 2025 geplant. Bis dahin wird in allen Regionen gekocht, gefilmt und erzählt. Damit Plattdeutsch nicht nur gehört, sondern auch geschmeckt werden kann – in jeder Hinsicht.
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.