Harter Kriegswinter in Kiew
Ukrainer Grischa Kaflowsky setzt weiter auf Hilfe aus dem Landkreis Stade
- m Eigenheim in einem Kiewer Vorort trotzt er den russischen Angriffen im Winter: Grischa Kaflowsky mit Stromgenerator und Holzvorrat
- Foto: G.K:
- hochgeladen von Jörg Dammann
Er ist 67 Jahre alt und denkt nicht an den Ruhestand: Der Kiewer Geschäftsmann Grischa Kaflowsky ist nicht nur in seinem Job als Handelsvertreter weiter aktiv, er organisiert vor allem regelmäßig Hilfslieferungen für seine kriegsgebeutelte Heimat. Dabei kann Kaflowsky auf die Unterstützung von Freunden und Weggefährten aus dem Landkreis Stade zählen, wo er lange gelebt hat.
„Derzeit ist die Situation wirklich schwierig“, sagt Kaflowsky. Weite Teile von Kiew haben weder Strom noch fließend Wasser. Bei den winterlichen Temperaturen von minus zehn Grad und kälter „ist das kaum zu ertragen“, berichtet Kaflowsky. Sein Haus sei glücklicherweise autark – dank Brunnen und Generator. Doch viele Menschen in Kiew haben nicht so viel Glück, sie können sich allenfalls in beheizten Zelten des Katastrophenschutzes kurz aufwärmen. Benzin sei sehr teuer. Aber Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft seien groß, sagt Kaflowsky.
Doppelschläge richten sich gegen Einsatzkräfte
Seine Enkelin, die in Berlin studiert und die über Weihnachten zu Gast bei den Großeltern war, hat er unlängst wieder nach Deutschland geschickt. Über Polen reiste sie per Bus zurück in die Bundeshauptstadt. „Es wäre hier zu gefährlich für sie“, sagt Kaflowsky. Beinahe täglich gibt es Luftalarm, die russische Armee zielt mit Raketen und Drohnen auf die Energieinfrastruktur und Wohngebiete.
- Holz hacken im heimischen Garten: Sascha Kaflowsky kümmert sich um Nachschub
- Foto: G.K.
- hochgeladen von Jörg Dammann
Besonders verheerend seien die Doppelschläge: Wenn kurz nach einem Angriff die Einsatzkräfte vor Ort sind, folge eine zweite Attacke. Sanitäter, Ärzte, Feuerwehrleute – sie seien das Ziel dieser Angriffe. „Das ist barbarisch“, sagt Kaflowsky. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko rief kürzlich die Bewohner zum Verlassen der Stadt auf. Auch Orte im Westen der Ukraine seien betroffen, vergleichsweise sicher sei es allenfalls in den Gebirgszügen der Karpaten.
Pakete gehen an die Front
Kaflowsky und seine Familie packen weiterhin jede Woche Pakete für die Frontorte, um Soldaten und in den umkämpften Gebieten ausharrende Zivilisten mit dem Nötigsten zu versorgen: Kleidung, Lebensmittel, Medikamente – alles werde benötigt. Es fehle auch an allradgetriebenen und geländegängigen Fahrzeugen – etwa für Evakuierungen und Materialtransporte. Groß sei außerdem der Bedarf an Stromgeneratoren und -speichern: „Hilfe wird dringend benötigt“, sagt Kaflowsky. „Wir dürfen nicht warten.“
„In der Bevölkerung gibt es einen großen Hass gegen diese korrupten Kader“, sagt Kaflowsky. Die Antikorruptionsbehörde mache einen guten Job, die Ermittlungserfolge seien wichtig. Die Korruptionsnetzwerke seien „Spuren aus der Sowjetzeit“, der Sumpf müsse trockengelegt werden. Das sei nicht zuletzt notwendig, um einem EU-Beitritt der Ukraine näherzukommen. „Unsere Zukunft liegt in unserem gemeinsamen Haus Europa“, wird Kaflowsky nicht müde zu betonen.
Hilfsaktion wird fortgesetzt
Im Frühjahr möchte Kaflowsky mit dem Landkreis Stade und den Feuerwehren und Hilfsorganisationen erneut einen Hilfskonvoi in die Ukraine überführen. Dafür werden weiter Spenden gesammelt. Gelder können unter dem Stichwort „Ukraine-Hilfe Landkreis Stade“ auf folgende Konten eingezahlt werden:
DRK-Kreisverband Stade Flüchtlingshilfe gGmbH, IBAN: DE 91 2419 1015 1009 3346 00
Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. – Regionalverband Bremen-Verden, IBAN: DE 16 3702 0500 0004 3107 18.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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