Leser melden kuriose Beschilderungen
Verkehrsschilder-Irrsinn in den Landkreisen Stade und Harburg

In Buchholz-Sprötze stehen zahlreiche Halteverbotsschilder, obwohl ohnehin niemand auf die Idee komt, dort zu parken | Foto: privat
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Autofahrer, aber auch Radfahrer oder Fußgänger fragen sich oftmals nach dem Sinn bestimmter Verkehrsschilder. Manche Schilder stiften eher Verwirrung und lassen die Verkehrsteilnehmer rätseln, was damit eigentlich bezweckt werden soll. Nachdem das WOCHENBLATT kürzlich über kuriose Beschilderungen berichtet hatte, meldeten sich zahlreiche Leserinnen und Leser mit weiteren Beispielen für den alltäglichen Schilder-Irrsinn.

Geboren in dem einzig wahren Schilda
Vorweg eine kleine Anekdote: „Schilda ist überall“, lautete die WOCHENBLATT-Schlagzeile vor einer Woche. Diese Aussage ist streng genommen nicht ganz korrekt – darauf weist Rita Dunkel augenzwinkernd hin. „Ich oute mich mal, dass ich 1961 in Schilda geboren wurde“, schreibt sie der Redaktion. Und dieses besagte Schilda liegt tatsächlich in Brandenburg, ein 400-Seelen-Dörfchen am Rande der Niederlausitz. Viele wüssten gar nicht, dass es den Ort wirklich gibt, so Dunkel, die inzwischen in Buchholz in der Nordheide wohnt. Mit dem eigentlichen Thema hat das zwar nichts zu tun, aber ein paar Zeilen zum Schmunzeln seien gestattet, bevor das Trauerspiel rund um Verkehrsschilder beginnt.

Man erkennt es trotz Regentropfen auf der Frontscheibe: Diese Kombination könnte den Eindruck erwecken, dass Fußgänger mit bis zu 30 km/h unterwegs sein dürfen | Foto: privat
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Kuriose Schilderkombination in Buxtehude
Auf eine merkwürdige Kombination von Verkehrsschildern in Buxtehude macht Holger Krupp aufmerksam. In der Straße „An der Rennbahn“ sind mehrere Verkehrszeichen so untereinander angeordnet, dass plötzlich eine ganz neue Bedeutung entsteht – zumindest, wenn man die Straßenverkehrsordnung korrekt interpretiert. Seine Deutung: „Autos sind in der Straße also verboten.“ Denn die Beschilderung vermittle streng genommen: Nur Fußgänger und Radfahrer dürfen dort mit maximal 30 km/h unterwegs sein.

An der B73 kurz vor Himmelpforten ist Tempo 70 aufgehoben. Bis zum Ortschild könnten Autofahrer Gas geben | Foto: privat
  • An der B73 kurz vor Himmelpforten ist Tempo 70 aufgehoben. Bis zum Ortschild könnten Autofahrer Gas geben
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In 20 Metern von 70 auf 100
Dass man an manchen Stellen eher einen Sportwagen als Verkehrszeichen bräuchte, um die Regeln überhaupt einzuhalten, beschreibt Klaus-Dieter Hagen auf humorvolle Weise. Sein Lieblingsbeispiel ist die B73 kurz vor Himmelpforten. Dort endet 20 Meter vor dem Ortsschild eine Tempo-70-Begrenzung – theoretisch darf also kurzzeitig wieder 100 gefahren werden, bevor unmittelbar danach im Ort Tempo 50 gilt. Hagen hat es ausprobiert. Mehrfach. „Es ist mir nicht gelungen“, schreibt er mit ironischem Unterton, „diese Unfähigkeit betrübt mich sehr, da sie Zweifel an meiner Fahrtüchtigkeit aufkommen lässt.“

Halteverbot - und das gleich achtfach
Bernd-G. Bachmann aus Buchholz-Sprötze schickte gleich mehrere Beispiele aus seiner Nachbarschaft rund um Niedersachsenstraße, Trelder Weg und Schmiedegasse. Sein erster Kritikpunkt: eine wahre Parade von Halteverbotsschildern. Auf gerade einmal etwa 150 Metern stehen dort gleich acht Schilder, die auf ein absolutes Halteverbot hinweisen – verteilt auf beide Straßenseiten. „Außer Anlieger fahren hier wegen des schlechten Straßenbelags so gut wie keine Autofahrer“, schreibt Bachmann. Trotzdem jage dort ein Verbotsschild das nächste.

Auch die Tempo-30-Regelungen sorgen in Sprötze offenbar für Stirnrunzeln. Während an einer Einfahrt groß eine „30“ auf die Fahrbahn gemalt wurde, fehlt die Kennzeichnung aus der Gegenrichtung komplett. Dort gehe es laut Bachmann „reger und zügiger“ zu, weil viele Autofahrer die Strecke als Abkürzung zur B3 nutzen. Sein Fazit: „Da haben sich Verwaltungs-Schildbürger einiges einfallen lassen – dabei wohnen wir doch nicht in Schilda, oder?“

Schilda ist überall: Der Verkehrszeichen-Irrsinn am Beispiel Stade

„Ganz Deutschland ist ein Schilderwald“
Für Kerstin Clement ist ohnehin „ganz Deutschland ein einziger Schilderwald“. Vor Ort ärgert sie sich vor allem über die Situation an der B73 vor Neu Wulmstorf: Auf dieser Strecke würden die Tempolimits teilweise im Minutentakt zwischen 50 und 70 km/h wechseln. Sie fragt sich inzwischen scherzhaft, ob es „zu viele Schilder-Lobbyisten im Bundestag“ gebe. Sinnvoller wäre es ihrer Meinung nach, lieber Geld in neue Straßenmarkierungen zu investieren – das würde gerade bei Dunkelheit und Regen für mehr Sicherheit sorgen.

Tempo 30 – oder doch nicht?
Eines der Beispiele aus dem WOCHENBLATT griff Harald Kremers auf. Es geht um die Baustellen-Beschilderung an der Altländer Straße in Stade. Seit Wochen gilt dort baustellenbedingt Tempo 30. Das Problem: Das Ortsschild hob die Geschwindigkeitsbegrenzung ausgerechnet mitten im Baustellenbereich automatisch wieder auf. „Ich hatte immer darauf gewartet, dass ein Blitzer in diese Richtung aufgestellt wird und ich mit 50 km/h dort geblitzt werde“, schreibt Kremers trocken. Dass die Straßenverkehrsbehörde inzwischen 50 Meter hinter dem Ortsschild einfach ein weiteres Tempo-30-Schild aufgestellt hat, amüsiert ihn ebenfalls. Sein Urteil: „Viel besser ist das nun auch nicht.“

Das Schild "Radfahrer frei" sollte nicht in einer Tempo-30-Zone stehen. Denn dort gehören Radler eigentlich auf die Fahrbahn | Foto: privat
  • Das Schild "Radfahrer frei" sollte nicht in einer Tempo-30-Zone stehen. Denn dort gehören Radler eigentlich auf die Fahrbahn
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Konflikte auf dem Gehweg
Nicht nur Autofahrer verzweifeln am Schilderwald. Dirk Reszkowski kritisiert die Situation in der Alten Dorfstraße in Wiepenkathen. Dort wurde ein schmaler Gehweg für Radfahrer freigegeben. Das führe regelmäßig zu Konflikten zwischen Fußgängern, Radfahrern und E-Scooter-Fahrern. Besonders problematisch: Viele E-Bike-Fahrer seien deutlich zu schnell unterwegs. Reszkowski spricht von „Schilderwildwuchs“, der Unsicherheit schaffe und Fehlverhalten fördere. Eigentlich solle der Radverkehr in Tempo-30-Zonen laut Vorschrift auf der Fahrbahn geführt werden.

Fest steht: Der Kampf gegen den Schilder-Irrsinn bewegt die Menschen offenbar mindestens genauso sehr wie Schlaglöcher oder Baustellen. Und irgendwo zwischen Tempo-30-Schildern, widersprüchlichen Zusatztafeln und zugewachsenen Wegweisern lebt der Geist von „Schilda“ offenbar munter weiter. Irgendwie ist „Schilda“ dann doch überall.

In Buchholz-Sprötze stehen zahlreiche Halteverbotsschilder, obwohl ohnehin niemand auf die Idee komt, dort zu parken | Foto: privat
Das Schild "Radfahrer frei" sollte nicht in einer Tempo-30-Zone stehen. Denn dort gehören Radler eigentlich auf die Fahrbahn | Foto: privat
Man erkennt es trotz Regentropfen auf der Frontscheibe: Diese Kombination könnte den Eindruck erwecken, dass Fußgänger mit bis zu 30 km/h unterwegs sein dürfen | Foto: privat
An der B73 kurz vor Himmelpforten ist Tempo 70 aufgehoben. Bis zum Ortschild könnten Autofahrer Gas geben | Foto: privat
Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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