Wo steckt die fünfte Glocke?

Turmführerin Christina Reimann vor der neuen Glocke aus dem Jahr 1959
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  • Turmführerin Christina Reimann vor der neuen Glocke aus dem Jahr 1959
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bc. Stade. Muss die Geschichte der Stader St. Cosmae-Kirche neu geschrieben werden - zumindest der Teil, der die Kirchenglocken betrifft? Turmführerin Christina Reimann hat eine hoch interessante Information von ihrem Besuch in einer der ältesten Glockengießereien Deutschlands mitgebracht. Danach ist es durchaus denkbar, dass die sogenannte barocke Dank-Glocke der Cosmae-Kirche aus dem Jahr 1663 nicht im Zweiten Weltkrieg zu Kriegszwecken eingeschmolzen wurde - so wie bisher vermutet - sondern möglicherweise noch existiert.

Kurz zur Geschichte: Anno 1663 wurden fünf neue große Glocken nach dem Kirchenbrand von 1659 in Cosmae aufgehängt. Im Zweiten Weltkrieg ließen die Nationalsozialisten diese demontieren und auf einem Glockensammelplatz in Hamburg lagern. Wie Christina Reimann jetzt bei Hanns Martin Rincker, Glockengießer in 13. Generation im hessischen Sinn, erfuhr, aus reinen Machtdemonstrationsgründen und nicht etwa mit dem Ziel, diese einzuschmelzen. Die Bronze-Legierung war nicht zu gebrauchen für die Waffentechnik im Zweiten Weltkrieg.

Nach Kriegsende wurden vier der fünf Glocken wieder aufgefunden und nach Stade zurückgebracht, die fünfte Glocke blieb verschollen. Die Geschichtsschreiber gingen davon aus, dass sie eingeschmolzen wurde. 1959 stifteten Ernst und Claere Jung eine neue Glocke für die Kirche, die vom Großvater von Hanns Martin Rincker angefertigt wurde.

Ob die fast 400 Jahre alte, verschollene Glocke wirklich noch existiert, ist zwar Spekulation, wie Christina Reimann einräumt. Aber allein der Gedanke, sie sei nicht eingeschmolzen worden, wirft bei ihr Fragen auf: „Wenn zum Beispiel in Hildesheim Glocken aus Pommern hängen, kann es doch auch möglich sein, dass die alte Dank-Glocke von St. Cosmae in Stade irgendwo anders abgeblieben ist und nicht zerstört wurde.“

• Turm- inklusive Glocken-Führungen sind an jedem Freitag ab 17 Uhr möglich. Tickets gibt es bei Stade Tourismus. Bei den Führungen werden alle Funktionen der Glocken und des Glockenspiels erklärt.

Die normale öffentliche Turmführung findet samstags und sonntags jeweils um 14, 15 und um 16 Uhr statt. Sonderführungen sind buchbar bei Christina Reimann unter christina-reimann@ewetel.net. Interessierte ehrenamtliche Turmführer können sich unter Tel. 46348 melden.

Turmführerin Christina Reimann vor der neuen Glocke aus dem Jahr 1959
Christina Reimann zu Besuch in einer der ältesten Glockengießereien Deutschlands bei Hanns Martin Rincker
Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

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