IGS Stade organisiert Podiumsdiskussion zum Surfpark
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Seit Beginn des Schuljahres haben sich die Schüler und innen der AG Zukunftswerkstatt der IGS Stade intensiv mit dem Thema Surfpark Stade auseinandergesetzt, recherchiert und mit verschiedenen Akteuren aus Politik und Gesellschaft Gespräche geführt. Einige dieser Akteure hatte die Zukunftswerkstatt Ende April zur Podiumsdiskussion eingeladen. Neben den beiden Bürgermeisterkandidaten Arne Kramer (CDU) und Kai Koeser (SPD) nahmen der Erste Stadtrat Lars Kolk, Michael Quelle von der Partei Die Linke sowie Jost Robohm, Prof. Dr. Bernd Hohendorff und Udo Paschedag stellvertretend für die Bürgerinitiative „Surfpark – Nein Danke“ auf dem Podium Platz.
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Unter der Leitung der drei Schüler bzw. Schülerinnen Helene Schmorl (Jg. 10), Jakob Peters und Per Felzel (beide Jg. 12) und vor den Augen von ca. 180 Mitschülern der IGS wurde zunächst der aktuelle Stand durch Lars Kolk dargelegt: Derzeit liege der Antrag auf Beendigung der Baustopps des Surfparks beim Verwaltungsgericht, eine Entscheidung stehe aus. Die Erschließung des geplanten Gewerbegebiets um den Surfpark herum ist in Arbeit.
Es folgte ein Schlagabtausch der Podiumsteilnehmer in den Themenbereichen Soziales, Nutzen für Stade, Finanzen, Verkehr und des Genehmigungsprozesses. Die auf dem Podium vertretenen Kritiker stellten die zugrundeliegende Stadtplanung in Frage und kritisierten den Flächen-, Energie-, und Ressourcenverbrauch. Jost Robohm als Anrainer-Landwirt brachte Bedenken zur Standortwahl vor, die zwischen den Dörfern zur Zersiedlung der Landschaft führe und legte dar, dass der Wasserverbrauch einer solchen Anlage den Betrieb eines Sportschwimmbeckens, wie im Solemio vorhanden, um 90 Prozent übersteige. Prof. Dr. Bernd Hohendorff mahnte den deutschen Erdüberlastungstag am 10. Mai an, als Tag an dem die zur Verfügung stehenden Ressourcen der Erde für dieses Jahr erschöpft sind, wenn alle so lebten wie wir in Deutschland, und sprach vom Surfpark als eine „Metapher für die Hybris der Freizeitgesellschaft“. Michael Quelle kritisierte die hohen Kosten, die für die Nutzung von ähnlichen Surfanlagen wie in Bristol oder München anfallen und nur besserverdienende Zielgruppen ansprächen.
Die Befürworter des Surfparks sprachen sich für die Vorteile aus: Ein Imagegewinn für Stade sowie steigende wirtschaftliche und touristische Attraktivität würden laut Kai Koeser mit dem Bau des Surfparks einhergehen. Zudem bestehe in Stade eine Nachfrage nach kleinteiligen Gewerbeflächen, die gemäß seiner Vorstellung um den Surfpark herum entstehen sollen. Arne Kramer erhofft Synergieeffekte durch den Bau des Surfparks wie die Etablierung eines Start-up-Charakters in Stade, die Ansiedlung weiterer Aktivangebot, die in Stade fehlen würden und ein Ausbau des gastronomischen Angebots. Kramer ergänzt zudem Möglichkeiten, wie der Surfpark auch für Nicht-Surfer und -Surferinnen z.B. als Zuschauermagnet attraktiv werden könnte und brachte Stade als möglichen Olympiastützpunkt für den Surfsport ins Spiel.
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Im Themenbereich Verkehr befürchtete Prof. Dr. Bernd Hohendorff, dass die Anreise zum Surfpark zu einer Erhöhung des Privatverkehrs führe, was eine Vermüllung der Landschaft durch achtloses Entsorgen von Abfällen nach sich ziehe. Demgegenüber sei die Anreise laut Arne Kramer durch ein geplantes Shuttle der Betreiber des Surfparks und die zur Verfügung stehende Autobahn und Kreisstraße unproblematisch.
Für die Stadt Stade seien laut Lars Kolk durch die Klage des BUND, den daraus folgenden Änderungen im Bebauungsplan und dem Zielabweichungsantrag zum Regionalen Raumordnungsplan bereits Gerichtskosten im Rahmen von 236.000 Euro angefallen, die Michael Quelle auf eine „versemmelte Vorarbeit“ seitens der Stadt Stade zurückführt. Udo Paschedag nahm Bezug auf ein Gutachten von Prof. Dr. Martin Schulte, das aussage, die Zielabweichung sei rechtlich nicht zulässig. Resultierend aus dieser Annahme seien weitere Klagen gegen den Bau des Surfparks zu erwarten, so Paschedag.
Das letzte Wort bei der Podiumsdiskussion hatten die Schüler und Schülerinnen: Auf die Frage, ob sie den Surfpark nutzen würden, ergab sich im Publikum ein gemischtes Bild. Insbesondere die hohen Kosten seien laut der Wortmeldung eines Schülers problematisch, wodurch das Surfen kein Freizeitangebot sei, dass regelmäßig in Anspruch genommen werden könnte. Abschließend warben die Mitglieder der Zukunftswerkstatt der IGS Stade dafür, miteinander ins Gespräch zu gehen, um sich bei komplexen Themen, die „nicht nur schwarz und weiß sind, sondern eine große Grauzone“ hätten, eine eigene Meinung zu bilden und kritisch zu hinterfragen.
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Die Zukunftswerkstatt ist eine neue AG der IGS Stade, in der sich Schüler und Schülerinnen mit regionalen Projekten kritisch auseinandersetzen. Dabei sollen Themen multiperspektivisch und tiefgehend beleuchtet werden, um sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden. Damit soll schnelllebigen Social-Media Trends entgegengewirkt werden. Die Zukunftswerkstatt wirbt damit, sich wieder mehr mit Fakten auseinander zu setzen und Projekte und Meinungen zu hinterfragen. In diesem Fall ist das mehr als gelungen.
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