Boulevard-Blatt macht Wohnungskündigung durch die Stadt zum Aufreger
KOMMENTAR: Von einem Stader Skandal, der offenbar keiner ist

Dieses Wohnhaus soll in ein Bürogebäude umgewandelt werden
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Hauptsache, die Schlagzeile lässt sich gut verkaufen: "Mieser Rauswurf in Stade", schrieb vor ein paar Tagen die Boulevard-Zeitung mit den vier großen Lettern. Es geht um eine gekündigte Wohnung - und damit ein Thema, wie es jeden Tag vorkommt, ohne dass es der Presse auch nur eine Zeile wert ist. Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter sollten - wenn es keine einvernehmliche Lösung gibt - allenfalls vor Gericht und nicht öffentlich in den Medien ausgetragen werden. Es sei denn, es handelt sich um einen exemplarischen Fall. Der ist hier aber nicht erkennbar.

Worum geht es? Die Stadt Stade hat den vier Mietern eines stadteigenen Mehrfamilienhauses gekündigt. Das Haus, das sich in Nachbarschaft zur Kläranlage befindet, soll ab 2022 als Verwaltungsgebäude für die Abwasserentsorgung genutzt werden. Auch wenn man es formaljuristisch nicht so bezeichnen darf: Es ist eine Art Eigenbedarfskündigung, denn die Stadt will die Räumlichkeiten künftig ja für eigene Zwecke nutzen. Ausgesprochen wurden die Kündigungen bereits im März.

Nun hat sich einer der Mieter an das Boulevard-Blatt gewandt. In dem Artikel beklagt er sich: "Ich bin noch nie so gedemütigt und belogen worden." Die Stadt durfte sich zwar alibiweise kurz rechtfertigen, doch Bürgermeister Sönke Hartlef wird zum Buhmann abgestempelt.

Grundsätzlich stimmen zwar die Fakten: Besagter Mieter hat zuvor 46 Jahre bei der Stadt gearbeitet - als Rechnungsprüfer. Und er erhielt die Wohnungskündigung, kurz nachdem ihn Hartlef in den Ruhestand verabschiedet hat. Korrekt ist auch, dass der Rentner mit seiner Frau seit sechs Jahren in der Wohnung wohnt und 548 Euro Kaltmiete für rund 100 Quadratmeter zahlt. Für das Rentnerpaar ist das alles verständlicherweise ärgerlich, doch es erschließt sich nicht, warum das Blatt diese Geschichte zum Aufreger hochpuscht.

Zwei Tage später greift die örtliche Tageszeitung die vermeintliche Sensations-Story auf, erzählt sie über weite Strecken nach und fügt zusätzliche Aspekte und Mieter hinzu. Stärker wird die Geschichte dadurch auch nicht. Der Kern bleibt: Vermieter kündigt Mietern und diese müssen eine neue Wohnung finden. Das ist in zwei Fällen bereits geschehen und beim dritten Mieter zeichnet sich ebenfalls eine Lösung ab.
Auch hier ist nicht zu erkennen, was die eigentliche Geschichte dahinter sein soll. Hier hat kein Miethai Mieter von heute auf morgen aus der Wohnung geschmissen. Im Gegenteil: Die Mieter haben laut Bekunden von Hartlef Hilfe bei der Wohnungssuche angeboten bekommen. Die Stadt will bei den neuen Wohnungen die Mietkaution übernehmen und den Umzug gratis durchführen.

Mal ehrlich: Welcher Mieter erhält von seinem bisherigen Vermieter solch einen Service? Noch einmal: Die Mieter tun mir ehrlich leid. Unfreiwillig ausziehen zu müssen, ist ärgerlich - erst recht dann, wenn man in guter Wohnlage in Stade bisher nur etwas mehr als fünf Euro pro Quadratmeter gezahlt hat.
Aber sehen wir die Sache mal andersherum: Welche Möglichkeiten hätte die Stadt gehabt? Sie organisiert das Tochterunternehmen Abwasserentsorgung Stade (AES) neu und möchte die Verwaltung und den technischen Bereich in einem Gebäude zusammenfassen - und das nahe am Klärwerk.

"Diverse Unterbringungsmöglichkeiten wurden geprüft, geeignete Alternativen sind aber in räumlicher Nähe zum Klärwerk in der notwendigen Größe nicht verfügbar", heißt es seitens der Stadt.
Was wären die Alternativen gewesen: Die teure Anmietung von Büroräumen oder sogar ein Neubau für die AES-Verwaltung? Das wäre dann tatsächlich ein Fall für die Presse gewesen: Trotz hoher Schulden verschwendet Stade Steuergelder.

Jörg Dammann

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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