Gefährliche Situationen durch falsch aufgebrachte Fahrbahnmarkierungen
Stade: Schildbürgerstreich gefährdet Radfahrer

Durch den schraffierten Bereich ist die gefährliche Kurve nun entschäft  Fotos: jd/Ückert
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jd. Stade. Diese Geschichte könnte statt in Stade auch in Schilda spielen: Da sollten Fahrbahnmarkierungen aufgebracht werden, die die Sicherheit der Radfahrer erhöhen. Praktisch erfolgte aber das Gegenteil. Die Mittellinie wurde in einem Kurvenbereich so gezogen, dass die Gefährdung für Radler größer als vorher war. Wer mit seinem Drahtesel nach links abbiegen wollte, musste fürchten, von einem Auto erfasst zu werden. Nach Intervention seitens der Politik reagierte die Verwaltung unerwartet rasch. Der Schildbürgerstreich wurde beseitigt. Die gefährliche Mittellinie, die den Radlern gegen den Strich ging, hat man entschärft.

Christian Ückert engagiert sich seit Jahren für die Rechte der Radfahrer in Stade, merkt immer wieder kritisch an, wenn es irgendwo hapert. Doch der jüngste Vorfall hat selbst ihn, der von der Stadt in Sachen Radverkehr einiges an Ignoranz gewohnt ist, verzweifeln lassen. "Ich bin ratlos, wie man mit dieser Verwaltung noch umgehen soll", erklärte Ückert in einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden. Die Behörde habe genau entgegengesetzt zu den vorher getroffenen Vereinbarungen gehandelt.
Konkret geht es um den Klarenstrecker Damm im Gewerbegebiet Ottenbeck. Die Straße, auf der Radler häufig zur B73-Unterführung an der Bronzeschmiede (sogenannter "Hühnertunnel") unterwegs sind, hat eine abknickende Vorfahrt. Wer mit seinem Drahtesel nach links abbiegen will, war gezwungen, in der Fahrbahnmitte weit in die Kurve hineinzufahren, um zu sehen, ob es Gegenverkehr gibt. Dort fahren viele Lkw, darunter zahlreiche Mülllaster, die auf dem Weg zum Recycling-Zentrum sind. Das barg ein hohes Gefahrenpotenzial, da viele Autofahrer die Kurve schnitten.

Ückert hatte daher den Vorschlag gemacht, innerhalb der Kurve in der Fahrbahnmitte eine kleine "Schutzzone" für die Radfahrer einzurichten. Ein solch schraffierter Bereich soll das Schneiden der Kurve verhindern. Der engagierte Radfahr-Aktivist hatte sogar Skizzen von seinen Vorschlägen angefertigt und der Verwaltung vorgelegt. Laut Ückert seien aus dem Rathaus positive Signale gekommen. "Aus den 'Arbeitsgesprächen' Radverkehr wurde mir zugetragen, dass mein damaliger Vorschlag umgesetzt werden soll."

Doch es kam ganz anders: Als Ückert die von der Stadt vorgenommene Markierung in Augenschein nahm, war er entsetzt. Diese Markierung habe geradezu das Schneiden der Kurve erzwungen. Das sei eine Einladung zum ungebremsten Durchfahren der Kurve gewesen. Eine absolute Gefahr für links abbiegende Radfahrer - darunter viele Schulkinder, so Ückert: "Diese Strecke stellt eine wichtige Verbindung von Ottenbeck zu den Schulen auf der Camper Höhe und zum Athenaeum dar."

Ückerts Eingabe an die Fraktionen führte jetzt schnell zum Erfolg. Offenbar reagierte SPD-Fraktionschef Kai Holm als Erster und nutzte seinen guten Draht ins Rathaus. Innerhalb weniger Tage wurde die irrsinnige Markierung korrigiert und die Fahrbahn im Kurvenbereich gemäß Ückerts Vorschlag mit einer schraffierten Zone versehen. "Ich habe mir die Situation selbst vor Ort angeschaut und Stadtbaurat Lars Kolk um Abhilfe gebeten", sagt Holm. "Noch an demselben Nachmittag kam die Antwort: Leider schiefgegangen, es wird kurzfristig korrigiert."

Für Holm ist das Ganze ein Paradebeispiel für ehrenamtliches kommunalpolitisches Engagement: "Ein Problem wird von Bürgern angetragen, von uns mit der Verwaltung besprochen und abgearbeitet. In diesem Falle vergingen gerade mal 36 Stunden zwischen Meldung und Erledigung."

Hier bleibt allerdings anzumerken: Kai Holm hätte gar nicht aktiv werden müssen, wenn die Verantwortlichen im Bauamt gleich richtig zugehört und vor allem richtig nachgedacht hätten.

Durch den schraffierten Bereich ist die gefährliche Kurve nun entschäft  Fotos: jd/Ückert
Vorher verleitete die Mittellinie zum Kurvenschneiden

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