Überraschende Nominierung kurz vor Toresschluss
Wahl des Stader Landrates: Einziger Gegenkandidat von Amtsinhaber Kai Seefried kommt von der AfD
- Werner Jacobs ist von der AfD als Landrats-Kandidat für den Landkreis Stade nominiert worden
- Foto: AfD
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Bislang sah es so aus, dass die Landratswahl im Landkreis Stade quasi schon vor dem Wahltermin am 13. September entschieden sein würde. Amtsinhaber Kai Seefried (CDU) bewirbt sich um eine zweite Amtszeit – und niemand wollte sich ihm bis vor ein paar Tagen in den Weg stellen. Weder SPD noch Grüne, die traditionell den Gegenpol zur CDU bilden, schicken diesmal einen eigenen Kandidaten ins Rennen. Doch kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist kam nun doch noch Bewegung in die Wahl: Die AfD hat einen Herausforderer nominiert.
Mit Werner Jacobs schickt der AfD-Kreisverband einen politischen Neuling ins Rennen. Der 60-jährige Maurer- und Betonbaumeister aus dem Geestdörfchen Brest (Samtgemeinde Harsefeld) ist in der Kommunalpolitik bislang nicht in Erscheinung getreten. Die Kreis-AfD nominierte Jacobs mit 60 von 61 Stimmen. "Von der Aufstellungsversammlung wurde er mit nur einer Gegenstimme, somit fast einstimmig, gewählt", heißt es in einer Mitteilung der AfD, die dem WOCHENBLATT vorliegt.
Seefried ohne Konkurrenz aus der politischen Mitte
Warum die Parteien der demokratischen Mitte keinen Bewerber aufgestellt haben, darüber lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise fehlte es an einer geeigneten Persönlichkeit, die eine realistische Chance gegen Seefried gehabt hätte. Zudem hat sich Seefried in den vergangenen fünf Jahren einen Ruf als sachorientierter und verlässlicher Verwaltungschef erarbeitet, den selbst politische Wettbewerber anerkennen.
AfD setzt auf einen Unbekannten
Jacobs' Kandidatur kommt überraschend. Noch kürzlich hieß es seitens der AfD, trotz Suche keinen geeigneten Landratskandidaten gefunden zu haben. Der gebürtige Buxtehuder kandidiert nicht nur für das Landratsamt, sondern zugleich für den Rat der Gemeinde Brest, den Samtgemeinderat Harsefeld und den Kreistag. Erfahrungen in kommunalen Spitzenämtern oder in der Verwaltung bringt er allerdings nicht mit.
Kreisweit mehr als 100 AfD-Bewerber für die Räte
Die Nominierung dürfte vor allem als politisches Signal zu verstehen sein. Die AfD versucht, die bundesweit gestiegene Zustimmung für die Partei auch auf kommunaler Ebene in Wahlerfolge umzusetzen. Bei der Kreistagswahl 2021 kam die AfD kreisweit auf nicht einmal fünf Prozent der Stimmen. Sie errang damit dennoch drei Kreistagsmandate, da bei Kommunalwahlen nicht die Fünf-Prozent-Sperrklausel greift.
Diesmal tritt die AfD nach eigenen Angaben erstmals nahezu flächendeckend im Landkreis Stade an. In der Pressemitteilung spricht sie von „über 100 Kandidaten aus fast allen gesellschaftlichen Schichten“, die sich für die Kommunalwahl zur Verfügung gestellt hätten.
AfD unter Beobachtung des Verfassungsschutzes
Der niedersächsische AfD-Landesverband wird derzeit vom Verfassungsschutz als Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung eingestuft. Anfang Juni hatte das Verwaltungsgericht Hannover einen Eilantrag der Partei gegen diese vorläufige Einstufung zurückgewiesen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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