Netzwerk gegen häusliche Gewalt
Mehr Schutzplätze für Frauen im Landkreis Stade
- Im Schutz- und Beratungszentrum erhalten betroffene Frauen Hilfe und Unterstützung
- Foto: KI-generiert
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Als die Tür hinter ihr ins Schloss fällt, zuckt sie unwillkürlich zusammen. Noch immer hallen die Worte ihres Partners in ihrem Kopf nach – Vorwürfe, Drohungen, Demütigungen. Die blauen Flecken sind längst nicht mehr das Schlimmste. Es ist die ständige Angst, die Kontrolle, das Gefühl, keinen Ausweg zu haben.
Doch an diesem Morgen fasst sie einen Entschluss. Sie greift zum Telefon. Am anderen Ende meldet sich eine ruhige weibliche Stimme, hört zu, stellt behutsam Fragen. Es ist eine Mitarbeiterin des Schutz- und Beratungszentrums im Landkreis Stade. Ein erster Schritt – niedrigschwellig, vertraulich, ohne Verpflichtung. Wenige Tage später weiß die betroffene Frau: Wenn es nötig ist, gibt es einen sicheren Ort für sie und ihre Kinder – das Frauenhaus. Ein Ort, an dem sie bleiben kann, bis sie wieder festen Boden unter den Füßen spürt.
Keine Frau musste abgewiesen werden
Für Opfer häuslicher Gewalt wie diese Frau gibt es im Landkreis Stade eine wichtige und ermutigende Nachricht: Im vergangenen Jahr musste erstmals keine Frau aus dem Landkreis im Stader Frauenhaus abgewiesen werden. Möglich wurde dies durch das ergänzende Hilfsangebot des Schutz- und Beratungszentrums, das vor knapp zwei Jahren eröffnet wurde. Insgesamt stehen in diesem Hilfesystem 14 Familienplätze zur Verfügung, davon fünf mit anonymer Adresse. 57 Frauen im Alter zwischen 19 und 65 Jahren fanden im Jahr 2025 gemeinsam mit ihren Kindern Schutz und Unterkunft im Frauenhaus oder im Schutz- und Beratungszentrum.
Mehr als 500 Fälle
Wie präsent häusliche Gewalt auch im Landkreis Stade ist, zeigten die Zahlen der Beratungsstelle BISS, die im vergangenen Jahr 537 Fälle bearbeitete, davon 488 Frauen. Die Polizei meldete davon insgesamt 458 Fälle nach entsprechenden Einsätzen. Die anschließende Beratung durch die BISS ist stets freiwillig, vertraulich und kostenfrei. Dies trifft auch auf die Frauenberatung zu. Im Jahr 2025 wurden 92 Frauen und Mädchen ab 16 Jahren beraten. Hinzu kamen Fachberatungen und Angehörigenberatungen. In diesem Jahr sind zusätzlich Präventionsveranstaltungen, beispielsweise in Schulen, geplant.
Netzwerk bündelt Kräfte im Landkreis
Gerade in diesem sensiblen Bereich ist die enge Zusammenarbeit aller Akteure besonders wichtig. Das zeigte jetzt auch das jüngste Netzwerktreffen gegen häusliche Gewalt im Stader Kreishaus. Mehr als 30 Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Bereichen kamen zusammen, um sich auszutauschen und ihre Arbeit zu koordinieren. Beteiligt waren unter anderem Gleichstellungsbeauftragte, Fachkräfte aus Beratungsstellen, Mitarbeiterinnen des Frauenhauses, Vertreter von Jugendämtern und Schulen sowie Fachpersonal des Elbe Klinikums.
Mehrere Aktionen sind geplant
Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, Betroffene noch besser zu erreichen, Angebote zu verzahnen und das Thema Gewalt in der Partnerschaft stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Geplant sind dafür verschiedene Aktionen und Projekte – von öffentlichkeitswirksamen Kampagnen über Präventionsarbeit bis hin zu gemeinsamen Veranstaltungen im Landkreis. Informationsangebote mit QR-Codes sollen darüber hinaus einen schnellen Zugang zu Hilfsangeboten ermöglichen. Insgesamt bündelt das Netzwerk damit verschiedene öffentlichkeitswirksame Maßnahmen, um Aufmerksamkeit zu schaffen und Betroffene gezielt zu unterstützen.
Elena Knoop, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Stade, hatte gemeinsam mit Vertreterinnen des Frauenhauses, der Frauenberatung und der BISS Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt Stade zum Netzwerk-Treffen eingeladen. Sie betonte nach der Sitzung: „Unsere Arbeit ist weiterhin dringend notwendig. Deshalb setzen wir neben Beratung und Vernetzung auch verstärkt auf sichtbare Aktionen im Landkreis, um zu sensibilisieren und Betroffene zu ermutigen, sich Hilfe zu holen.“
- ie treten gemeinsam gegen Gewalt in der Partnerschaft ein: Das Netzwerk gegen Häusliche Gewalt im Landkreis Stade, das jetzt wieder im Stader Kreishaus zusammenkam
- Foto: Landkreis Stade / Nina Dede
- hochgeladen von Jörg Dammann
Das sind die Hilfsangebote
Das Frauenhaus bietet Frauen ab 18 Jahren und ihren Kindern rund um die Uhr Schutz – anonym, freiwillig und unabhängig von Herkunft oder Sprachkenntnissen. Neben der sicheren Unterkunft stehen Unterstützung bei der Existenzsicherung, Hilfe bei der Wohnungssuche sowie Begleitung bei der Verarbeitung von Gewalterfahrungen im Mittelpunkt.
Das Schutz- und Beratungszentrum richtet sich als niedrigschwelliger Zugang an Frauen und Mädchen ab 16 Jahren. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und individuell – von ersten Gesprächen über längerfristige Begleitung bis hin zur Vermittlung weiterer Hilfsangebote. Themen reichen von häuslicher und digitaler Gewalt bis zu Trennungssituationen oder Stalking. Ziel ist es, Betroffene zu stärken und ihnen Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen.
Mehr Infos: www.staderfrauenhaus.de
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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