Wenn jede Minute zählt
Tag gegen den Schlaganfall: Wie moderne Technik und schnelle Abläufe Leben retten
- Beim Schlaganfall zählt jede Minute
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Annähernd 270.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall, knapp 200.000 davon sind erstmalig. Oft mit gravierenden Folgen: Innerhalb des ersten Jahres versterben bis zu 40 Prozent aller Schlaganfall-Betroffenen, damit ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache. Und oft verändert sich das Leben danach dramatisch. Ein Jahr nach dem Schlaganfall bleiben rund 60 Prozent der Patienten auf Therapie, Hilfsmittel oder Pflege angewiesen. Der Schlaganfall ist damit der häufigste Grund für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter.
Viele Folgen eines Schlaganfalls sind unsichtbar
Die häufigsten Behinderungen nach einem Schlaganfall sind unsichtbar. Zwar bringen viele Menschen einen Schlaganfall mit körperlichen Beeinträchtigungen wie Lähmungserscheinungen in Verbindung. Doch die weit häufigere Folgen sind auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Dazu gehören Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Probleme mit der Sprache oder dem Lesen, Planungsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen wie Reizbarkeit oder Depression oder schnelle Erschöpfung. Fachleute gehen davon aus, dass vier von fünf Schlaganfall-Betroffenen unter neuropsychologischen Störungen leiden. Darauf macht die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zum bundesweiten “Tag gegen den Schlaganfall” am 10. Mai aufmerksam.
Für Außenstehende bleiben diese Veränderungen oft verborgen – mit schwerwiegenden Folgen für Beruf, Familie und soziale Teilhabe. Die Betroffenen wirken gesund, deshalb reagiert ihr Umfeld mit Unverständnis. „Unsichtbare Folgen werden oft unterschätzt“, sagt Dr. Michael Brinkmeier, Vorstand der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Gleichzeitig macht die Stiftung Mut: Erfolge brauchen Zeit. Vieles verbessert sich über Jahre hinweg, ohne dass Betroffene die Fortschritte sofort bemerken. Wichtig sind gezieltes Training, aber genauso konsequente Pausen zur Erholung.
Elbe Kliniken Stade sind bei Schlaganfallpatienten
die erste Adresse für die regionalen Rettungsdienste
Im Landkreis Stade sind die Elbe Kliniken in Stade die erste Adresse, die Rettungsdienste mit Schlaganfallpatienten ansteuern. In der Hansestadt werden jährlich zirka 1.300 Schlaganfälle und vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns (TIA) behandelt. "Im Falle eines Schlaganfalls muss vom Rettungsdienst immer das nächstgelegene geeignete Krankenhaus angesteuert werden", erklärt Prof. Dr. med. Holger Schmidt, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Elbe Klinikum Stade. "Entsprechend sind in dieser Zahl auch eine große Zahl von Patientinnen und Patienten enthalten, die in den Landkreisen Rotenburg/Wümme und Cuxhaven wohnen."
Wie ist die Schlaganfallversorgung organisiert?
Die Rettungsdienste haben einen "direkten Draht" zum neurologischen Diensthabenden über ein sogenanntes "Schlaganfall-Handy", das nur für diese Art des Notfalls reserviert ist. "Auf diese Weise können bereits mit der Ankündigung die Vorbereitungen im Krankenhaus für die Diagnostik und Therapie getroffen werden", sagt Prof. Dr. med. Holger Schmidt. "Wir sind die einzige neurologische Schlaganfall-Einheit in der Osthälfte des Elbe-Weser-Dreiecks und nehmen daher eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Schlaganfall-Patienten ein."
- Prof. Dr. med. Holger Schmidt
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Die Weiterbehandlung erfolgt in Stade größtenteils auf der zertifizierten Schlaganfall-Station. Für den Fall besonderer Eingriffe, die die Elbe Kliniken in Stade nicht vorhalten können, ist das Krankenhaus Mitglied im Universitären Schlaganfall Netzwerk des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf, das im Falle solcher Übernahmenotwendigkeiten Kapazitäten bereithält.
Welche diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten stehen zur Verfügung?
Die Elbe Kliniken in Stade verfügen radiologisch über zwei Computertomographen zur Darstellung der Hirngefäße (CT-Angiographie), zwei Kernspintomographen und zwei Digitale Subtraktions-Angiographie-Anlagen (DSA). "Zudem halten wir ein modernes und zertifiziertes Ultraschall-Labor in der Neurologischen Abteilung vor", so Prof. Dr. med. Holger Schmidt. "Für den sehr seltenen Fall, dass ein Schlaganfall operativ versorgt werden muss, kann dies im Stader OP von unseren eigenen Neurochirurgen durchgeführt werden."
Wie wird der Übergang von der Akutbehandlung in die Rehabilitation organisiert?
Der Übergang von der Schlaganfall-Station ("Stroke-Unit") in die Rehabilitationseinrichtung erfolgt je nach Schweregrad der Symptome entweder direkt in die Phase B oder im Falle leichterer Symptome in die Phase C des deutschen Rehabilitationsschemas. Patientinnen und Patienten, die einer Phase-B-Rehabilitation bedürfen, können direkt in Stade weiterbehandelt werden. "Wir halten für diese Therapie sechs Betten vor. Da dies für unsere Region nicht ausreicht, ist hier ein Ausbau auf zukünftig zehn Betten geplant", erläutert Prof. Dr. med. Holger Schmidt. "Patientinnen und Patienten, die leichter betroffen sind, können – wenn dies die Symptomatik zulässt – nach der Akutbehandlung teilweise auch zu Hause auf den Start der Rehabilitationsbehandlung warten."
Schlaganfall-Symptome und -Risikofaktoren:
Das sollte jeder wissen
Im Gegensatz zum Herzinfarkt gibt es beim Schlaganfall keine spezifischen Unterschiede bei Männern und Frauen. Die Symptome verlaufen ähnlich. Im Einzelnen sind das:
- plötzlich einsetzende halbseitige Symptome wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen einer Körperhälfte
- plötzlich einsetzende Gesichtslähmung
- der Ausfall eines Gesichtsfelds
- Verlust der Sprachproduktion oder des Sprachverständnisses.
"Tritt so etwas auf, sollten Patienten bzw. Patientinnen und Angehörige nicht den Weg über den Hausarzt wählen, sondern direkt die Rettung verständigen", betont Prof. Dr. med. Holger Schmidt.
Risiken für das Eintreten von Schlaganfällen sind neben dem Alter, das sich ja nicht beeinflussen lässt:
- bestimmte Herzrhythmusstörungen
- arterieller Hochdruck
- hohe Cholesterinwerte
- Zuckerkrankheit (Diabetes)
- bewegungsarme Lebensweise
- Übergewicht
"Oft vergessen wird auch, dass eine gute Zahnhygiene das Risiko für Schlaganfälle mindert", verrät Prof. Dr. med. Holger Schmidt. "Seltener spielen angeborene Veränderungen des Gerinnungssystems, des Gefäßaufbaus oder der Anatomie des Herzens eine tragende Rolle für die Auslösung eines Schlaganfalls."
Jeder kann persönlich dazu beitragen, sein Schlaganfallrisiko zu minimieren. "Bis auf das Alter lassen sich die oben genannten Risikofaktoren gut beeinflussen", erläutert der Fachmediziner. Dazu gehören ausreichend Bewegung und eine ausgewogene, gesundheitsbewusste Ernährung. Ebenso senkt der Verzicht auf das Rauchen das Schlaganfall-Risiko. Die relevanten medizinischen Werte wie Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker sollten regelmäßig ärztlich kontrolliert werden. Hintergrund: Reichen lebensstilbezogene Maßnahmen nicht aus, kann das Schlaganfallrisiko durch eine ärztlich verordnete und kontrollierte Prophylaxe mit Medikamenten vermindert werden.
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