Stadt will Einvernehmen für Bauprojekt erteilen
Erhitzt geplantes Heizkraftwerk in Bützfleth weiter die Gemüter?

So soll das geplante Holz-Heizkraftwerk (Gebäude in der Bildmitte) im Industriegebiet Bützfleth aussehen. Links ein Teil der AOS-Anlagen | Foto: Visualisierung: Hansekraft
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Ein Projekt mit viel Dampf – und einigem Zündstoff: Die Pläne für das Biomasseheizkraftwerk (BMHKW) im Stade Industriegebiet Bützfleth nehmen Gestalt an. Auf rund 8,4 Hektar will das Unternehmen Hansekraft ein Heizkraftwerk errichten, das jährlich hunderttausende Tonnen Altholz verfeuert, um Strom, Prozessdampf und Fernwärme zu erzeugen. Der städtische Ausschuss für Stadtentwicklung, Klima und Umwelt sowie der Ortsrat Bützfleth befassen sich auf einer gemeinsamen Sitzung am Donnerstag, 12. Juni, mit dem Thema. Es geht um das sogenannte „kommunale Einvernehmen“ zum geplanten Bauvorhaben – ein zentraler Schritt im Genehmigungsverfahren. Bei der Sitzung dürften auch einige Kritiker anwesend sein. Das Vorhaben ist in Bützfleth durchaus umstritten. 

Vorhaben ist bauplanerisch zulässig
Die Verwaltung spricht sich für die von Hansekraft beantragte vorzeitige Zustimmung zum Bauprojekt aus. Der Vorteil: Das Unternehmen hätte Planungssicherheit und die Stadt unterstreicht gegenüber der Genehmigungsbehörde – dem Gewerbeaufsichtsamt (GAA) Lüneburg –, dass aus ihrer Sicht planungsrechtlich nichts im Wege steht. Laut einer von Hansekraft in Auftrag gegebenen fachlichen Stellungnahme ist das Vorhaben bauplanerisch zulässig und erfüllt die einschlägigen Kriterien des Baugesetzbuches: Das Gelände liegt innerhalb eines faktischen Industriegebiets, die Erschließung ist gesichert, das Maß der Nutzung fügt sich in die Umgebung ein.

In Stade soll "grüne Energie" aus Altholz gewonnen werden

Politik ist dafür - Umweltverbände sind dagegen
Die Stadtverwaltung schließt sich nach eingehender Prüfung der Einschätzung an, dass die Errichtung der Anlage nach Planungsrecht genehmigungsfähig ist. Aus Sicht der Verwaltung liegt daher kein Grund vor, das Einvernehmen zu verweigern. Selbst bei einer Ablehnung könnte es „ersetzt“ werden – das Gewerbeaufsichtsamt darf es anstelle der Stadt erteilen, wenn die Versagung als rechtswidrig gilt. Genau das wäre hier laut Stellungnahme der Fall. Die Verwaltung warnt sogar vor einer möglichen Amtshaftung, sollte das Einvernehmen unrechtmäßig versagt werden. Dafür gibt es aber auch keinen Grund: Es deutet sich ohnehin eine stabile politische Mehrheit für das Projekt an – trotz der lautstarken Kritik von Umweltverbänden und der Bürgerinitiative Bützfleth. Moniert werden vor allem die geplanten Anlieferungen großer Mengen Altholz per Schiff und Lkw sowie die Importe aus dem Ausland. Auch die Frage nach den tatsächlichen Auswirkungen auf die Umwelt ist weiterhin umstritten.

Infopapier der Umweltverbände zum Stader Holzheizkraftwerk
Bützflether Bürgerinitiative fordert Stopp der Baupläne für Holzkraftwerk
Holzkraftwerks-Pläne für Stade: Das Schweigen der Lokalpolitiker

Standort direkt am Wasser
Der Standort der Anlage im Industriegebiet Bützfleth – direkt am Hafen und nördlich angrenzend an die Areale von AOS und Dow - wurde bewusst gewählt: Der Großteil des benötigten Altholzes wird über den Hafen angeliefert. Die Fläche ist vollständig erschlossen, sowohl verkehrlich (über die Johann-Rathje-Köser-Straße und Bahnanlagen) als auch infrastrukturell – ein Pluspunkt aus Sicht der Betreiber. Langfristig sollen Lkw-Transporte reduziert und die Belieferung per Schiff forciert werden. Das Holz-Heizkraftwerk hat eine Gesamtwärmeleistung von 240 Megawatt (MWth). Herzstück der Anlage ist eine sogenannte zirkulierende Wirbelschichtverbrennung auf zwei Linien, mit der aus Dampf Strom sowie Fern-(Wärme) erzeugt werden soll.

Acht Betriebseinheiten auf dem Werksgelände
Die Anlage wird in die folgenden acht Betriebseinheiten (BE) gegliedert:

  • BE 1 – Anlieferung und Lagerung: Überwiegend dreiseitig geschlossene und überdachte Hallen dienen als Durchgangs- und Vorratslager für Altholz der Klassen A1 (unbehandelt) bis A4 (mit Holzschutzmitteln behandelt bzw. belastet). Radlader und Kräne übernehmen die interne Verteilung.
  • BE 2 – Aufbereitung: In mehreren Linien wird das Holz über Schredder, Metallabscheider und Sichtanlagen vorbereitet. Wertstoffe werden getrennt, Störstoffe entfernt.
  • BE 3 – Wirbelschichtfeuerung: Das zentrale Herzstück. Bei ca. 33 Tonnen pro Stunde je Linie wird Altholz verbrannt, dabei entsteht Dampf für Turbinen.
  • BE 4 – Rauchgasreinigung: Ein mehrstufiges Verfahren filtert Partikel, Schwermetalle, Dioxine und Gase aus dem Abgasstrom. Die Reinigung ist laut Planung abwasserfrei.
  • BE 5 – Energieerzeugung: Der Dampf wird zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Strom dient sowohl dem Eigenbedarf als auch der Einspeisung ins Netz.
  • BE 6 – CO₂-Abscheidung: Rund 10.000 Tonnen CO₂ sollen in einer ersten Ausbaustufe abgeschieden und vermarktet werden.
  • BE 7 – Vorbrechen: Grobes Altholz wird vor dem Dosieren vorzerkleinert.
  • BE 8 – Nebenanlagen: Hierunter fallen u.a. Pumpenanlagen und technische Einrichtungen für die Energieverteilung.
Die Fläche für das geplante Kraftwerk aus der Luft (gelb umrandet). Dort sollte vor einigen Jahren eine Müllverbrennungsanlage entstehen | Foto: Martin Elsen / nord-luftbilder.de
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So funktioniert die Energieerzeugung 

Herzstück der Anlage: Die thermischen Anlagenteile
Das Herz des geplanten Biomasseheizkraftwerks bilden die thermischen Komponenten, bestehend aus zwei Linien zirkulierender Wirbelschichtfeuerung, die für eine besonders stabile und gleichmäßige Verbrennung sorgen sollen. Je Linie ist ein Durchsatz von etwa 33 Tonnen Altholz pro Stunde vorgesehen. Daraus ergibt sich eine Gesamtbrennstoffwärmeleistung von 240 Megawatt thermisch (MWth) – eine Dimension, die das BMHKW zu einem der leistungsfähigsten seiner Art im Land machen würde.

Die erzeugte Wärme wird in einem sogenannten Abhitzekessel in Dampf umgewandelt. Dieser Dampf wird über zwei Turbinen geleitet: Er dient zum einen der Stromerzeugung für den Eigenbedarf und das öffentliche Netz, zum anderen wird Nutzwärme für industrielle Partner sowie für ein Fernwärmenetz ausgekoppelt. Dieses Verfahren der Kraft-Wärme-Kopplung ermöglicht eine besonders effiziente Nutzung der eingesetzten Energie. Für bestimmte Betriebsphasen wie das An- und Abfahren der Anlage sowie zur Stützfeuerung bei Temperaturschwankungen ist der Einsatz von Erdgas vorgesehen – mit der Perspektive, künftig auf Wasserstoff umzustellen, sobald dieser in ausreichender Menge verfügbar ist.

Mehrstufige Rauchgasreinigung: Technik gegen Emissionen
Die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase werden laut Betreiber durch ein mehrstufiges Verfahren nach Stand der Technik gereinigt – im Einklang mit den Vorgaben der 17. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV).

Stufe 1: Partikelabscheider: Zunächst werden grobe Asche- und Staubpartikel mechanisch abgeschieden.

Stufe 2: Reagenzienzugabe: Anschließend wird das Abgas mit Reagenzien behandelt, um chlor-, fluor- und schwefelhaltige Verbindungen, Schwermetalle sowie Dioxine und Furane zu binden.

Stufe 3: Gewebefilter: Die entstehenden Reaktionsprodukte und feinere Partikel werden im Gewebefilter abgeschieden. Die Rückstände werden in speziellen Silos zwischengelagert.

Ein weiterer technischer Pluspunkt: Die Abgasreinigung soll abwasserfrei erfolgen – also ohne Einleitung von Prozessabwässern in Gewässer oder Kanalisation. Zur Einhaltung der gesetzlich zulässigen Grenzwerte wird das gereinigte Abgas kontinuierlich überwacht – mit zugelassenen Messeinrichtungen direkt vor dem Schornsteinaustritt. Zusätzlich ist eine Probenentnahmestelle für diskontinuierlich zu messende Stoffe vorgesehen. Der über 60 Meter hohe Kamin dient der sicheren Ableitung der gereinigten Rauchgase.

Diese technischen Vorkehrungen sollen sicherstellen, dass das BMHKW sowohl ökologisch verantwortbar als auch gesetzeskonform betrieben werden kann – ein zentraler Punkt, insbesondere angesichts der Kritik in Teilen der Öffentlichkeit.

So soll das geplante Holz-Heizkraftwerk (Gebäude in der Bildmitte) im Industriegebiet Bützfleth aussehen. Links ein Teil der AOS-Anlagen | Foto: Visualisierung: Hansekraft
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