Mit Besuch von Olaf Lies
Großer Festakt bevor am Stader Kernkraftwerk die Kuppel fällt
- Ministerpräsident Olaf Lies (Mitte) mit dem Preussen-Elektra-Vorstandsvorsitzenden Dr. Guido Knott (li.)und Kraftwerksleiter Marco Albers
- Foto: sb
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
Im kommenden Jahr wird das Reaktorgebäude des Kernkraftwerks Stade abgebrochen. Damit endet die Rückbauphase, die 2003 begann und als Pionierarbeit des Atomausstiegs in die Geschichte eingeht. Denn das Kernkraftwerk Stade ist der erste vollständig zurückgebaute kommerzielle Druckwasserreaktor in Deutschland. Das Leuchtturmprojekt wurde vom Betreiber Preussen Elektra am Montagabend mit einem Festakt gefeiert. Einer der Ehrengäste war der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), dem das Stader Kernkraftwerk auch aus seinen Dienstjahren als niedersächsischer Umweltminister und später als Wirtschaftsminister gut bekannt ist.
Mit rund einer Stunde Verspätung – der Minister war terminlich aufgehalten worden – begannen die Feierlichkeiten in der eher zweckmäßig eingerichteten Kantine des Kraftwerkgebäudes. Sie ist neben dem Sicherheitsbehälter eine der letzten noch verbliebenen Immobilien auf dem Gelände. Der Rückbau dauerte mehr als 20 Jahre. Von den Brennstäben bis zu den Wanddübeln in den Bürogebäuden wurde alles einzeln entnommen, auf radioaktive Kontamination geprüft und entsprechend entsorgt bzw. eingelagert.
Anlagenleiter Marco Albers erinnerte in seiner Ansprache an die Geschichte des Kernkraftwerks in Stade. Nach einer sensationell kurzen Bauzeit von nur fünf Jahren ging das Werk 1972 in Betrieb "und hat 31 Jahre lang perfekt funktioniert", betonte Albers. Die Entscheidung, das Werk abzuschalten, habe keine sicherheitsrelevanten Gründe gehabt. Dazu zählte die Wirtschaftlichkeit (das Stader Kernkraftwerk war mit seinen 640 Megawatt deutlich kleiner als andere), der von der Rot-Grünen Regierung beschlossene Atomausstieg sowie die zur Jahrtausendwende letzte Möglichkeit, die Brennstäbe nach Frankreich zu transportieren.
Mit dem Rückbau leistete Stade echte Pionierarbeit. "Vieles, was hier gemacht wurde, kann beim Rückbau anderer Kernkraftwerke angewendet werden", betonte Dr. Guido Knott, Vorstandsvorsitzender von Preussen Elektra. Bis der nun komplett leere Sicherheitsbehälter aus Beton und Stahl abgebaut ist, wird es noch rund ein Jahr dauern. Die so entstehende "Grüne Wiese" werde dann sicherlich wieder für ein anderes Projekt zur Energieerzeugung genutzt. "Wir werden dann allerdings nicht einfach machen, was wir wollen", sagte Knott mit einem Augenzwinkern. Vielmehr stehe man in intensivem Austausch mit der Stadt sowie mit den Nachbarn des Industriegebiets, das mit seiner hervorragenden Lage an der Elbe und seiner bereits vorhandenen Infrastruktur viele Möglichkeiten biete. Die Idee eines Wasserstoff-erzeugenden Elektrolyseurs sei zwar in den Hintergrund gerückt. Spannende Ideen seien jedoch eine Flusswärmepumpe, Batterie- oder Cloudspeicher sowie die Erprobung von Fusionstechnologien.
Ministerpräsident Olaf Lies hob wie seine Vorredner die großen Leistungen der Kraftwerk-Belegschaft hervor. "Hier wurde über Jahrzehnte herausragende Arbeit geleistet, um sicher und störfallfrei Energie zu gewinnen", sagte er. Stades stellvertretende Bürgermeisterin Melanie Reinecke hob in ihrer Rede zudem hervor, dass Stade vom Kernkraftwerk sowie der in der Folge ansiedelnden Industrie enorm profitiert habe. "Von der Altstadtsanierung bis zur Schaffung von Arbeitsplätzen hat Stade sowohl wirtschaftlich als auch an Lebensqualität gewonnen."
Kunstvoller Abschied vom Kernkraftwerk
Mit einer fulminanten Show endete diese Woche die Ära im Kernkraftwerk Stade. Betreiber Preussen Elektra hat die komplett entleerte Kugel des ehemaligen Sicherheitsbehälters für die multimediale Show "Orbitale" freigegeben. Während das Publikum auf dem Boden der Stahlkugel mit einem Durchmesser von 48 Metern sitzt, werden direkt auf die nackte Oberfläche Videos und Fotos projiziert. Untermalt wird die einmalige Show mit gewaltiger Musik, die zum Teil sogar live gespielt wird.
"Orbitale" ist das Werk der Kölner Künstlerin Gudrun Barenbrock und des Kölner Komponisten Sebastian Gramss. Die beeindruckende Show handelt von Energie, Wahrnehmung und Vergänglichkeit und zeigt auch eindrucksvoll, wie das Kernkraftwerk Stade entstand. Alle öffentlichen Showtermine waren innerhalb kürzester Zeit ausgebucht.
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