Besserer Service und mehr Sauberkeit gefordert
Landkreis Stade macht beim Busverkehr künftig klare Qualitätsvorgaben
- Der Busverkehr im Landkreis Stade wird auch weiter von der KVG betrieben
- Foto: tk
- hochgeladen von Jörg Dammann
Der Busverkehr im Landkreis Stade bleibt auch ab 2027 in den Händen der KVG - und das bis 2036. Das Stader Unternehmen hat sich in der europaweiten Ausschreibung gegen vier weitere Anbieter durchgesetzt. Für die Fahrgäste soll sich dennoch einiges ändern: Der Landkreis schreibt dem Stader Busunternehmen detailliert vor, welche Qualität es künftig liefern muss – von barrierefreien Fahrzeugen über Kundenservice bis hin zur Sauberkeit im Bus. Und gerade bei der Umsetzung dieser Vorgaben wird sich zeigen müssen, ob die Erwartungen des Landkreises erfüllt werden
Mit der Neuausschreibung des Busverkehrs ist auch ein Systemwechsel verbunden. Die Vergabe erfolgt jetzt im Rahmen eines öffentlichen Dienstleistungsauftrages (öDA). Künftig kann der Landkreis deutlich konkreter vorgeben, welche Leistungen ein Betreiber erbringen und welche Qualitätsstandards er einhalten muss. Das bisherige Modell könne den Anforderungen an einen modern ausgerichteten ÖPNV nicht mehr gerecht werden, hieß es im vergangenen Jahr aus dem Kreishaus. Der neue öffentliche Dienstleistungsauftrag solle den Service für die Fahrgäste verbessern.
Mancher Fahrgast hätte sich wohl einen Wechsel gewünscht
Dass erneut die KVG den Zuschlag erhält, dürfte bei etlichen Buskunden nicht gerade für Begeisterung sorgen. So mancher hätte sich wahrscheinlich gewünscht, dass bei der Ausschreibung ein anderes Unternehmen zum Zuge kommt. Schließlich hat das WOCHENBLATT in der Vergangenheit wiederholt über Bus-Ärger berichtet. Ein Beispiel war die HVV-PrepaidCard. So berichtete ein Fahrgast, dass KVG-Fahrer wiederholt nicht gewusst hätten, wie das digitale Bezahlsystem zu bedienen sei. Die KVG räumte auf WOCHENBLATT-Nachfrage selbst ein, dass mehrere Beschwerden wegen mangelnder Kenntnisse des Fahrpersonals eingegangen seien. Kurz darauf meldete sich eine weitere Kundin. Auch sie konnte nach ihrer Darstellung ihre PrepaidCard nicht wie vorgesehen einsetzen – wegen fehlender Technikkenntnisse des Fahrpersonals.
In Lüneburg ging ein Großteil des Busnetzes verloren
Nicht immer bedeutet eine jahrzehntelange Präsenz vor Ort, dass ein Verkehrsunternehmen bei einer Ausschreibung automatisch zum Zuge kommt. Das musste die KVG zuletzt im Landkreis Lüneburg erfahren. Dort hatte die neu gegründete kreiseigene Mobilitätsgesellschaft MOIN das Liniennetz für die Neuvergabe ab 2026 in sechs Lose aufgeteilt. Zunächst ging die KVG sogar bei allen sechs Paketen leer aus. Das Unternehmen ging gegen die Entscheidung juristisch vor. Erst nach einem Vergleich vor dem Oberlandesgericht Celle erhielt die KVG noch eines von sechs Losen. Den Großteil des Lüneburger Busnetzes übernahmen damit Mitbewerber.
Landkreis macht der KVG klare Vorgaben
Für den neuen Vergabezeitraum ab 2027 muss sich die KVG im Landkreis Stade nun an die Vorgaben aus dem Kreishaus halten. Diese beziehen sich u.a. auf die Barrierefreiheit. So müssen etwa Niederflurbusse mit Rollstuhlplätzen und Rampen eingesetzt werden. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sollen dadurch möglichst ohne zusätzliche Hürden ein- und aussteigen können. Gerade bei einem öffentlichen Verkehrsmittel ist das keine Nebensache. Der Busverkehr muss auch für Rollstuhlfahrer, Senioren, Menschen mit Gehhilfen und Eltern mit Kinderwagen nutzbar sein.
Klimaanlage, USB-Anschlüsse und Videoüberwachung
Auch bei der technischen Ausstattung macht der Landkreis Vorgaben. Neu angeschaffte Busse müssen klimatisiert sein. Außerdem sind USB-Ladebuchsen vorgeschrieben, damit Fahrgäste ihre Smartphones während der Fahrt laden können. Hinzu kommen eine Videoüberwachung in neuen Fahrzeugen und die Anzeige der Haltestellen. Dafür müssen entsprechende Bildschirme zur Fahrgastinformation installiert sein. Die nächste Haltestelle darf aber nicht nur angezeigt werden. Sie muss zusätzlich akustisch angesagt werden. Das ist insbesondere für sehbehinderte Menschen wichtig.
Durchschnittsalter höchstens neun Jahre
Auch einer Überalterung der Fahrzeugflotte schiebt der Landkreis einen Riegel vor. Die im Kreisgebiet eingesetzten Busse dürfen im Durchschnitt höchstens neun Jahre alt sein. Dabei handelt es sich ausdrücklich um einen Durchschnittswert für die Flotte. Einzelne Fahrzeuge können also älter sein – dafür müssen entsprechend jüngere Busse eingesetzt werden, damit die vorgeschriebene Quote insgesamt eingehalten wird. Auch bei der Elektromobilität gibt es eine konkrete Vorgabe. Bereits zum Beginn des neuen Vertrages müssen mindestens sechs Elektrobusse eingesetzt werden. Dabei soll es nicht bleiben. Ab dem Jahr 2030 müssen mindestens 15 Prozent der eingesetzten großen Busse elektrisch angetrieben werden.
Regeln auch für die Reinigung der Busse
Besonders interessant sind die Vorgaben zur Sauberkeit. Der Landkreis überlässt es dem künftigen Betreiber keineswegs, selbst zu definieren, wann ein Bus als sauber gilt. Die Fahrzeuge müssen innen und außen regelmäßig gereinigt werden. Im Fahrgastraum sollen unter anderem Fußböden, Sitze, Haltestangen, Ablagen und Innenwände sauber sein. Flecken sowie klebrige oder fettige Rückstände sind inakzeptabel. Auch für Abfall gibt es Regeln: Die Mülleimer in den Bussen müssen regelmäßig geleert werden. Und selbst für den Dreck, der während des laufenden Betriebes entsteht, hat der Landkreis Vorgaben formuliert: Grobe Verschmutzungen, herumliegende Verpackungen oder Zeitungen muss das Fahrpersonal bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit entfernen.
Das ändert sich bei den Buslinien
- 🚌 Linie 2001 Hagen – Stade – Haddorf: Einige Fahrten werden bis Mittelsdorf-Siedlung verlängert.
- ➕ Linie 2007 Viele bisher in Ottenbeck endende Fahrten werden bis Agathenburg verlängert. Morgens und abends kommen Zusatzfahrten zwischen Bahnhof Stade und Hügelweg hinzu.
- 🌙 Linien 2009 und 2010 Sie ersetzen die bisherige Stader Spätrundfahrt der Linie 2021. Geplant sind bessere Takte und direktere Verbindungen. Sonntags fahren die Busse künftig bereits tagsüber ab etwa 9 Uhr.
- 🚉 Linie 2020 Neue direkte Verbindung Freiburg – Cadenberge mit Anschluss an den Regionalzug. Außerdem gibt es zusätzliche Fahrten zwischen Freiburg und Balje.
- ⏱️ Linie 2025 Zusätzliche Fahrten ermöglichen morgens einen 30-Minuten-Takt von Drochtersen nach Stade.
- ➕ Linie 2030 Vier neue Fahrten je Richtung zwischen Jork und Wisch sowie ein erweitertes Angebot zwischen Jork und Buxtehude.
- 🚌 Linien 2035 und 2038 Zusätzliche Fahrten zwischen Buxtehude und Apensen sowie zwischen Buxtehude und Hollenstedt.
- ⛴️ Linien 2040 und 2050 Auf der Linie 2040 werden die Anschlüsse an die Fährlinie 62 in Finkenwerder verbessert. Auf der Linie 2050 Stade – Finkenwerder kommen zusätzliche Fahrten hinzu.
- ↪️ Linie 2053 Die Verbindung Horneburg – Steinkirchen führt künftig über Guderhandviertel und erhält zusätzliche Abfahrten.
- ⚡ Linie 2060 Zwischen Harsefeld und Stade soll die Fahrt künftig nur rund 25 Minuten dauern. In Harsefeld kommen neue Haltestellen entlang der Buxtehuder Straße und Im Sande hinzu.
- 🔢 Neue Linie 2090 Die bisherige Linie 2027 Stade – Gräpel erhält die Nummer 2090. Zwischen Himmelpforten und Oldendorf soll es bis zu dreimal mehr Abfahrten geben. Auch sonntags fahren künftig Busse.
- 🔢 Neue Linie 2080 Die bisherige Linie 2028 Stade – Bremervörde wird zur Linie 2080 und fährt künftig über Groß Sterneberg und Hammah.
- 🏙️ Linie 2101 Die Brunckhorstschen Wiesen in Buxtehude werden besser angebunden. Außerdem sollen die Anschlüsse an die Zugabfahrten am Bahnhof verbessert werden.
- 🌆 Linien 2103 und 2104 Sonnabends werden die Betriebszeiten bis in den Abend verlängert. Die Linie 2104 erhält werktags zusätzliche Fahrten ins Gewerbegebiet Alter Postweg.
- 🕑 Linie 257 Künftig werden nur noch die Fahrten zwischen Neugraben und Jork unter dieser Nummer geführt. Vorgesehen ist ein einheitlicher 120-Minuten-Takt.
Haltestellen sollen einen besseren Eindruck machen
Nicht allein die Busse stehen im Fokus. Nach Angaben des Landkreises sollen auch die Haltestellen optisch aufgewertet werden. Der Handlungsbedarf ist an manchen Stellen kaum zu übersehen: Ausgeblichene Haltestellenschilder oder beschmierte Wartehäuschen sollen künftig nicht mehr dauerhaft das Bild prägen. Für Fahrgäste gehört schließlich auch das Umfeld an der Haltestelle zum ÖPNV-Angebot. Wer mehr Menschen für Bus und Bahn gewinnen möchte, muss nicht nur einen Fahrplan anbieten, sondern auch dafür sorgen, dass das Gesamtbild stimmt.
Freundlich, hilfsbereit und rücksichtsvoll
Vom Personal erwartet der Landkreis einen serviceorientierten Umgang mit den Fahrgästen. Busfahrer sollen über ausreichende Kenntnisse zu Fahrplan, Tarif und Anschlussverbindungen verfügen. Außerdem ist ein freundliches und hilfsbereites Verhalten gegenüber den Kunden an den Tag zu legen. Das Gleiche gilt hinsichtlich einer sicheren und rücksichtsvollen Fahrweise.
Mit seinen Vorgaben hat der Landkreis nun eine Messlatte für die Qualität des Busverkehrs angelegt. Viele Fragen dürften sich künftig objektiv überprüfen lassen:
- Sind die Busse sauber?
- Funktionieren Anzeigen und Ansagen?
- Sind die Fahrer über Tarife und Anschlüsse informiert?
- Werden Fahrgäste freundlich behandelt?
- Stimmen die Takte?
- Fallen Fahrten aus?
- Funktionieren die technischen Systeme?
- Kommen die versprochenen Elektrobusse tatsächlich zum Einsatz?
Mängel nicht einfach hinnehmen
Fahrgäste sollten Mängel jedenfalls nicht einfach hinnehmen. Wer wiederholt Probleme erlebt, sollte diese möglichst konkret dokumentieren und dem Landkreis Stade melden – am besten mit Datum, Uhrzeit, Linie, Fahrtrichtung und Haltestelle. Und natürlich darf auch das WOCHENBLATT gerne informiert werden.
Denn wenn der Landkreis einen öffentlichen Dienstleistungsauftrag mit detaillierten Qualitätsvorgaben vergibt, müssen diese Vorgaben mehr sein als ein paar Sätze auf dem Papier.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
|
| Webseite von Jörg Dammann | |
| Jörg Dammann auf Facebook | |
| Jörg Dammann auf Instagram | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.