Probleme mit den Wasserstoff-Triebwagen
Volle Züge statt voller Leistung: Überfüllte Bahnen auf der EVB-Strecke Buxtehude-Bremervörde
- Mit den Wasserstoff-Zügen der EVB gibt es massive Probleme. Es fehlen Ersatzmodule
- Foto: Sabrina Adeline Nagel
- hochgeladen von Jörg Dammann
Auf der EVB-Bahnstrecke zwischen Buxtehude und Bremerörde fehlen weiterhin einsatzfähige Triebwagen. Der Grund sind technische Probleme mit den Wasserstoffzügen und fehlende Ersatzteile. Besonders im Schüler- und Berufsverkehr wird es deshalb eng. Statt mit zwei gekoppelten Fahrzeugen fahren die Züge nur mit einem Triebwagen. Besonders morgens und nachmittags, wenn Schüler und Berufspendler unterwegs sind, dürften die Sitzplätze nicht ausreichen.
Um komplette Zugausfälle möglichst zu vermeiden, setzt die EVB auch während der Hauptverkehrszeiten teilweise nur einen Triebwagen ein. Dieser bietet 155 Sitzplätze. Bei zwei gekoppelten Fahrzeugen wären es doppelt so viele. Die EVB steht vor einem Dilemma: Entweder fallen einzelne Verbindungen aus oder die vorhandenen Fahrzeuge werden so verteilt, dass möglichst alle Fahrten stattfinden können. Das Unternehmen hat sich für die zweite Variante entschieden. Die Folge sind überfüllte Züge.
Die für den Zugbetrieb in Niedersachsen zuständige Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) hat der EVB bereits eine Ersatzflotte aus Dieseltriebwagen zur Verfügung gestellt. Doch auch diese Fahrzeuge reichen nicht aus, um die Engpässe vollständig auszugleichen. Weitere Züge lassen sich nicht ohne Weiteres bereitstellen. Würden zusätzliche Triebwagen auf der RB33 eingesetzt, fehlten sie nach Angaben der EVB auf anderen Strecken in Niedersachsen.
EVB bittet Fahrgäste um Verständnis
„Überfüllte Züge sind nicht unsere Vorstellung von Service“, erklärt Robert Palm, Geschäftsbereichsleiter Schienenpersonennahverkehr der EVB. „Darum arbeiten wir hinter den Kulissen mit Hochdruck daran, die Situation zu verbessern.“ Palm dankt den Fahrgästen ausdrücklich für ihre Geduld. Sein Dank gilt auch den Beschäftigten auf den Zügen, in der Disposition und in der Werkstatt, die den Betrieb trotz des Fahrzeugmangels aufrechterhalten. Wann sich die Situation für die Fahrgäste spürbar verbessern wird, lässt die EVB offen. Fest steht lediglich, dass auch in den kommenden Monaten mit einer hohen Auslastung einzelner Züge gerechnet werden muss.
Vorzeigeprojekt wird Dauerproblem
Im August 2022 ging auf der EVB-Strecke der weltweit erste dauerhafte Linienbetrieb mit einer Flotte von Wasserstoffzügen an den Start. Hersteller der 14 Fahrzeuge ist der französische Konzern Alstom. Bei den Triebwagen handelt es sich um das Modell Coradia iLint, das im Werk Salzgitter gebaut wird.
Die Züge erzeugen mithilfe von Brennstoffzellen aus Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie für den Antrieb. Statt umweltschädlicher Abgase entsteht beim Betrieb lediglich Wasser. Mit einer Tankfüllung sollen die Fahrzeuge bis zu 1.000 Kilometer zurücklegen können.
Doch aus dem einstigen Vorzeigeprojekt ist inzwischen ein Dauerproblem geworden. Von den 14 Wasserstofftriebwagen steht nach Angaben der EVB im Durchschnitt nur die Hälfte für den täglichen Einsatz zur Verfügung. Der Hersteller arbeite daran, die Zuverlässigkeit der Brennstoffzellen zu verbessern, heißt es seitens der EVB. Hinzu kämen fehlende Ersatzteile.
Ärger mit dem Wasserstoffantrieb gab es schon öfter. So konnten im Herbst 2024 Züge wegen Treibstoffmangels nicht eingesetzt werden. Der Lieferant konnte damals nicht genügend Wasserstoff bereitstellen. Die EVB musste teilweise wieder Dieseltriebwagen einsetzen.
Im August 2025 verschärfte sich die Situation erneut. Diesmal waren fehlende Ersatzmodule für die Brennstoffzellen das Problem. Von den 14 Wasserstoffzügen waren zeitweise nur noch vier einsatzbereit. Angekündigte Ersatzteillieferungen waren ausgeblieben.
Inzwischen stehen zwar wieder mehr Wasserstoffzüge zur Verfügung, doch von einem zuverlässigen Betrieb mit der kompletten Flotte ist die EVB weiterhin weit entfernt. Mehr als vier Jahre nach dem Start des Wasserstoffprojekts müssen deshalb noch immer Dieseltriebwagen aushelfen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
|
| Webseite von Jörg Dammann | |
| Jörg Dammann auf Facebook | |
| Jörg Dammann auf Instagram | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.