Von Salzgewinnung zur Wasserstoffspeicherung
Zwei riesige Salzstöcke im Landkreis Stade: Was Stade und Harsefeld zur Energiezukunft beitragen können
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Der Landkreis Stade gilt als rohstoffarm. Im neuen Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP), das Ende 2026 in Kraft treten soll, werden lediglich drei „Bodenschätze“ genannt: Salz, Sand und Klei. Doch gerade das Salz könnte in Zukunft von überregionaler Bedeutung sein. Denn unter Stade und Harsefeld liegen zwei mächtige Salzstöcke, die nicht nur historisch zur Salzgewinnung dienten, sondern künftig eine Rolle bei der Energiespeicherung spielen könnten.
Zukunftsprojekt Wasserstoffspeicher
Im Harsefelder Salzstock hat der Chemiekonzern Dow in Ohrensen riesige unterirdische Kavernen ausgespült, um Sole für die industrielle Produktion zu gewinnen. Ein paar Kilometer weiter - in Hollenbeck - werden die gigantischen Hohlräume tief unter der Erde zusätzlich als Erdgasspeicher genutzt. Laut RROP werden diese Anlagen als Vorranggebiet Speicherung von Primärenergie gesichert. Nun soll auch geprüft werden, ob sich die Kavernen ebenfalls zur Speicherung regenerativer Energie – etwa von Wasserstoff – eignen. Das Zukunftsprojekt "SaltHy", das das Unternehmen Storengy vor Ort verfolgt, beinhaltet den Plan, in den 2030er Jahren zwei große Wasserstoff-Kavernen in Betrieb zu nehmen.
Bodensenkungen in Harsefeld
Vor ein paar Jahren herrschte aber Aufregung in Harsefeld. Bedingt durch die Kavernen, gibt es in Harsefeld leichte Bodenbewegungen. Laut Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) gab es über mehrere Jahrzehnte im Harsefelder Ortskern westlich der Herrenstraße Absenkungen zwischen einem und neun Zentimetern. Im Schnitt sinkt der Boden um etwa zwei Millimeter pro Jahr. Ursache ist die sogenannte Konvergenz – ein geologischer Prozess, bei dem sich die riesigen, mit Sole gefüllten Kavernen durch den Gebirgsdruck leicht zusammenpressen. Das LBEG hat aber immer wieder betont, dass sich Hauseigentümer keine Sorgen machen müssen.
Salzgewinnung und Erdfallrisiko
In Stade reicht die Geschichte in Sachen Salz rund 100 Jahre weiter zurück als in Harsefeld: Ab 1873 wurde im Stadtteil Campe Salz gefördert, später verlagerte sich die Saline an die Schwinge bei Bassenfleth. Vor rund 20 Jahren stellte das Unternehmen Akzo Nobel die Produktion ein – das Ende eines 130-jährigen Kapitels des „weißen Goldes“.
Der Salzstock Stade liegt anders als in Harsefeld in einer sogenannten geologischen Hochlage. Genau das macht die Situation vor Ort ein wenig heikler. Denn die Deckschicht des Salzstocks, der sogenannte Gipshut, begünstigt die Entstehung von Erdfällen. Gips ist wasserlöslich und durch dessen Ausspülung können Löcher im Boden entstehen, die manchmal nur einen Durchmesser von einem Meter haben, deren Umfang aber auch weitaus größer sein kann. Diese Absackungen im Erdreich können mehrere Meter tief sein. Das wohl bekannteste innerstädtische Erdfallgebiet befindet sich in Lüneburg - am Rande der Altstadt. Dort mussten bereits Straßen gesperrt und Häuser geräumt werden.
Erdfälle im Stadtgebiet
Doch nach Angaben des LBEG ist die Situation in Stade nicht mit Lüneburg vergleichbar. „Aufgrund der unterschiedlichen geologischen Verhältnisse ist das Ausmaß der Bodensenkungen in Lüneburg nicht auf Stade übertragbar“, erklären die Bergbau-Experten auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Während die Sole in Lüneburg lediglich 30 bis 50 Meter unterhalb der Erdoberfläche gefördert wurde, erfolgte die Soleförderung in Stade aus Tiefen zwischen 180 und 500 Metern. Absackungen aufgrund der früheren Salzförderung sind in Stade daher nicht im gleichen Ausmaß wie in Lüneburg zu erwarten. Aber aufgrund der Gipsauslagung in der Deckschicht sind Teile des Stader Stadtgebietes als "erdfallgefährdet" eingestuft. Dies gilt laut LBEG beispielsweise für das Neubaugebiet am ehemaligen Festplatz in Campe. Dort gelten Erdfallgefährdungskategorien 3 und 4. Die Kategorien reichen von 1 bis 6 (höchste Gefährdung). Je nach Gefährdung bestehen bestimmte bauliche Auflagen.
Uniper erkundet Stader Salzstock
So wie in Harsefeld kommt auch der Stader Salzstock aufgrund seiner geologischen Struktur als künftiger Energiespeicher in Betracht. Das Unternehmen Uniper erhielt die Erlaubnis, zunächst befristet bis 2028, die geologischen Voraussetzungen für das Anlegen von Kavernen tief im Boden unter der Hansestadt zu prüfen. Gebohrt wird aber noch nicht. Zunächst wertet Uniper vorhandene Daten früherer Tiefenbohrungen aus, mit denen die Mächtigkeit des Salzstocks erkundet wurde. In Stade könnte damit eine künftige Wasserstoff-Infrastruktur etabliert werden: Mit dem neuen Energiehafen und den Industrieansiedlungen in Bützfleth könnte sich die Stadt zu einem zentralen Knotenpunkt entwickeln: Erzeugung, Import, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff an einem Ort.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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