Schwertransport durch Winsen
Ein ganzes Haus fährt durch die Nacht

Mit einem Kran wurde das Haus auf einen Tieflader gesetzt   Fotos: thl
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  • Mit einem Kran wurde das Haus auf einen Tieflader gesetzt Fotos: thl
  • hochgeladen von Thomas Lipinski

"Quelle-Fertighaus" aus den 1960er Jahren zog von Winsen ins Kiekeberg-Museum um
thl. Winsen. So eine Aktion hat es in der Luhestadt bisher auch noch nicht gegeben: Ein gesamtes Wohnhaus wird mit einem Kran auf einem Tieflader gesetzt und anschließend als Schwertransport zum Museum am Kiekeberg in Rosengarten gefahren.
Knapp 80 Tonnen schwer, 26,50 Meter lang, fünf Meter hoch und 7,80 Meter breit - das waren die Maße des Schwertransportes, der sich in der Nacht zu Mittwoch von Winsen nach Ehestorf "quälte". Allein für die Strecke von der Mozartstraße bis zur Fuhlentwiete - Entfernung rund einen Kilometer - benötigte der Koloss eine Stunde. Kein Wunder, hatte er an einigen Stellen doch nur 30 Zentimeter Platz. Insgesamt dauerte die Fahrt, die über Stelle zur Autobahnauffahrt Maschen, weiter über die A39 bis Fleestedt und dann zum Kiekeberg führte, etwas über sechs Stunden. Vor allem in Winsen standen viele Schaulustige an der Straße und beobachteten das Geschehen.
Transportiert wurde das sogenannte "Quelle-Haus", das 1966 in der Mozartstraße zunächst als Musterhaus gebaut und zwei Jahre später von der Familie Gröll bezogen wurde. Das Gebäude, das seinerzeit über den Katalog des Quelle-Versandhauses bestellbar war, wird Teil der neuen Museums-Ausstellung "Königsberger Straße", die sich mit dem ländlichen Leben in der Nachkriegszeit von 1949 bis 1979 beschäftigt.
"Mein Vater Walter pflegte eine Freundschaft zu dem ehemaligen Museumsdirektor Dr. Rolf Wiese", erzählte Ronald Gröll (61), einer der drei Söhne der Familie. Er selbst lebte vom Einzug bis etwa 1978 in dem Haus. "Schon zu Lebzeiten hatte er dem Museum das Haus für das geplante Projekt versprochen." Walter Gröll verstarb bereits im Mai 2008. Seine Witwe Gisela lebte noch bis März 2018 in dem Haus, ehe auch sie ihre ewige Ruhe fand.
"Das Fertighaus war eine Oase der Moderne", erinnert sich Gröll, der noch zwei jüngere Brüder hat. "110 Quadratmeter Wohnfläche, große Fenster, eine Heizung und ein Bad mit allen Schikanen - das kannten wir aus der vorherigen Wohnung alles nicht." 100.000 Mark habe das Fertighaus gekostet, dessen Bauweise damals sehr umstritten war.
Jetzt löste Gröll das Versprechen seines Vaters ein und übergab das Haus an das Kiekeberg-Museum. Über Wochen wurde die Wände des Gebäudes versteift, damit es den Transport übersteht. Außerdem wurde das Haus vom Keller abgetrennt. Parallel dazu wurde ein baugleicher Keller am Kiekeberg errichtet. Zunächst wurde ein Großteil des Daches in einem Stück abgenommen, weil der Transport sonst viel zu hoch gewesen wäre. Anschließend wurde das gesamte (Rest)Haus mittels eines Telekrans langsam angehoben, um zusehen, dass es auch stabil und komplett vom Keller getrennt ist, und auf einen bereitstehenden Tieflader gesetzt. Rund drei Stunden dauerte die Aktion.
Bis das Haus im Kiekeberg-Museum für die Öffentlichkeit zugänglich ist, werden noch rund zwei Jahre vergehen. Dafür wird das Quelle-Haus originalgetreu eingerichtet. "Sogar mit unseren alten Möbeln und alten Fotoalben, die meine Eltern gesammelt haben", sagt Ronald Gröll stolz.

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