WOCHENBLATT-Interview mit Winsens Bürgermeisterkandidaten
"Die Stadt gestalten"

Im Gespräch (v. li.): Stephan Schrader, Susanne Menge und André Wiese   Foto: thl
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  • hochgeladen von Thomas Lipinski

thl. Winsen. Mit Susanne Menge (59) und André Wiese (43) haben zwei Kandidaten ihren Hut für das Bürgermeisteramt der Stadt Winsen in den Ring geworfen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite Amtsinhaber und Christdemokrat Wiese, der ein "echter Winsener Jung" und in seiner "Heimat tief verwurzelt" ist. Auf der anderen Seite die Herausforderin Menge aus Oldenburg, die von den Grünen, der SPD und der Partei Die Linke unterstützt wird.
In einem Interview fühlten WOCHENBLATT-Geschäftsführer Stephan Schrader und Redakteur Thomas Lipinski beiden Kandidaten "auf den Zahn".
WOCHENBLATT: Welche Motivation steckt hinter Ihrer Kandidatur?
Susanne Menge: Ich habe als Landtagsabgeordnete viele Veranstaltungen in Winsen durchgeführt. Das Bürgermeisteramt sehe ich als attraktive Aufgabe und berufliche Herausforderung. Ich kann mir vorstellen, hier schnell heimisch zu werden.
André Wiese: Ich habe viele Dinge angeschoben und möchte diese auch gerne zu Ende bringen. Es ist schwer vorstellbar, wie jemand von außen das übernehmen will.
WOCHENBLATT: Es kann sowohl von Vor- als auch von Nachteil sein, wenn man jahrelang an der Spitze aktiv ist.
Wiese: Man muss die Bürger mitnehmen und sich für sie einsetzen. Dann, hoffe ich, wollen sie auch das "Gewohnte" behalten.
WOCHENBLATT: Wo sehen Sie Winsen heute, wo sehen Sie kurzfristige Ansätze, etwas anzupacken?
Menge: Ich will die Stadt gestalten und mich dabei an den Anforderungen der Zukunft orientieren. Dazu gehört die Belebung einer autofreien und fahrradfreundlichen Innenstadt mit mehr Aufenthaltsqualität, die bereits am Bahnhof beginnt. Dort muss nach meiner Ansicht ein Fahrradladen hin, der auch Reparaturen und Leihräder anbietet. Dadurch würde es gleichzeitig eine soziale Kontrolle und somit weniger Straftaten am Bahnhof geben. Der Nahverkehr muss vor allem in den Ortsteilen verbessert werden. Ein weiterer Punkt sind die Luhegärten. Diese zentralen Flächen schreien geradezu danach, angepackt zu werden.
Wiese: Bei vielen Dingen, die Sie angesprochen haben, habe ich mich gefragt, warum man dafür einen Wechsel im Bürgermeisteramt braucht. Denn wir haben schon viel angeschoben, wie z.B. die Luhepromenade sowie die beschlossenen städtischen Veränderungen. Ein kommunaler Fahrradladen am Bahnhof war politisch nicht gewollt. Nicht zuletzt auch, weil ein Händler nur eineinhalb Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt ist. Was die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt betrifft, darf man die Extreme nicht gegeneinander betrachten. Es ist unrealistisch, dass die Kunden, die in die Stadt wollen, auf ihr Auto verzichten werden. Wichtig ist, dass Winsen eine Familienstadt bleibt. Dafür haben wir viel getan, z.B. die Zahl der Betreuungsplätze verdoppelt und die Ganztagsgrundschule eingeführt.
Menge: In puncto Familienstadt haben Sie nur die gesetzlichen Aufgaben erfüllt. Und was die Luhepromenade betrifft: Wasser muss sichtbar sein. Ihr Konzept sieht dort aber die Ausweisung von Parkplätzen vor.
WOCHENBLATT: Was ist Ihr persönliches Ziel für Winsen?
Wiese: Dass Winsen eine wachsende Stadt bleibt, in der sich alle Generationen wohlfühlen.
WOCHENBLATT: Wir hatten vor einigen Jahren mal die Vision ins Spiel gebracht, den Schlossplatz zu bebauen. Wie stehen Sie zu dem Thema?
Wiese: Wir würden dadurch das historische Ensemble mit Schloss, Marstall und Kirche aufs Spiel setzen. Vielmehr müssen wir an einer Lösung für den Marstall arbeiten, denn die jetzige Nutzung ist auf Dauer nicht mehr möglich.
Menge: Das ist eine Sahnefläche, die man gestalten kann. Allerdings muss sie eingebunden werden. Ich bin keine Freundin davon, parzellenweise zu gucken.
WOCHENBLATT: Wie grün sind Sie als Christdemokrat und wie konservativ als Grüne?
Wiese: Wir haben eine starke Nähe zur Natur und zur Landwirtschaft und deren Erhaltung. Zudem haben wir u.a. auch Windräder gebaut, sodass wir in Winsen rechnerisch mit der Energiewende durch sind.
Menge: Konservativ verbinde ich mit alten Werten. Dazu zählt vor allem der Zusammenhalt in der Familie und die Sicherheit.
WOCHENBLATT: Wenn es am 26. Mai nicht mit dem Wahlsieg klappen sollte, haben Sie dann einen Plan B?
Menge: Ich werde dann in meinem Beruf als Lehrerin weiterarbeiten.
Wiese: Ich habe noch keinen Plan B. Im Falle einer Niederlage habe ich anschließend fünf Monate Zeit, mich mit meiner Familie zu beratschlagen.
WOCHENBLATT: Frau Menge, Herr Wiese, vielen Dank für das Gespräch. Wer keine Lust hat, am Sonntag, 26. Mai, an die Wahlurne zu gehen, sollte per Briefwahl von seinem Wahlrecht Gebrauch machen. Die erforderlichen Unterlagen können ab sofort im Rathaus abgeholt werden. Auskünfte dazu gibt es unter Tel. 04171 - 657139 oder 657238. Briefwahl ist auch möglich Susanne Menge:
59 Jahre alt
geschieden, drei Kinder
Studienrätin
wohnhaft in Oldenburg
im Landtag von 2013 bis '17
André Wiese:
43 Jahre alt
verheiratet, drei Kinder
Bürgermeister seit 2011
wohnhaft in Winsen
im Landtag von 2003 bis '11 Das sind die beiden Kandidaten

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