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Stader Verwaltung "hat versagt"

"Verärgert": Klaus Quiatkosky (SPD) (Foto: tp)
 
Listete die Mehrkosten auf: Stadtbaurat Lars Kolk (Foto: tp)

Zoff um Millionen-Garage im Finanzausschuss: Klaus Quiatkowsky (SPD) übt harsche Kritik an der Stadt

tp. Stade. "Elbphilharmonie", "Vogelkäfig", "Schuhkarton": Diese Begriffe fielen schon in Diskussionen um den geplanten Neubau der städtischen Parkgarage neben dem künftigen Einkaufszentrum "Neuer Pferdemarkt" in Stade. Angesichts der Kostensteigerung des ursprünglich mit gut 8,4 Millionen Euro veranschlagten Bauprojektes um mögliche weitere 1,95 Millionen Euro netto entbrannte am Donnerstag im Finanzausschuss Zoff. Vize-Bürgermeister Klaus Quiatkowsky (SPD) kritisierte die aus seiner Sicht unzulängliche Information seitens der Verwaltung: Sie habe "versagt".

Eine Abstimmung über das Parkhaus an der Stockhausstraße stand im Ausschuss nicht an, doch wurde gestritten über drei wesentliche Posten, die die Teuerung verursachen, und von Stadtbaurat Lars Kolk sachlich und schonungslos präsentiert wurden:

Bei der Fassadengestaltung geht es um eine Aufwertung der günstigen Variante, die die Stadt vom Kaufhaus-Investor "Matrix" im "Paktet" erwarb, als die das Parkhaus-Projekt übernahm. Gegenüber der Stabgitter-Variante schlägt die Verwaltung Keramik mit Holzoptik vor: Mehrkosten bis zu 670.000 Euro plus Planungsleistungen von 84.000 Euro.

Die Zusatzkosten für die Bauplanung, -überwachung und -abwicklung unter Berücksichtigung der Nachbarschaft beziffert Kolk mit rund einer halben Million Millionen Euro. Dabei geht es u.a. darum, das Ärztehaus und Anwohner vor Erschütterungen, Lärm und Staub und umliegende Häuser vor Schattenwurf und Setzungsrissen zu bewahren und ein Beweissicherungsverfahren durchzuführen.

Beim Bodenbelag favorisiert die Stadt statt einer 4 Millimeter dünnen Betonschicht eine 7 Zentimeter dicke, stabile Beschichtung aus Gussasphalt. Die Mehrkosten inklusive neuer Statik von 730.000 Euro würden sich wegen der Haltbarkeit von bis zu 30 Jahren gegenüber der Betonlösung, die nach spätestens 15 Jahren für rund 650.000 Euro erneuert werden müsse, rasch amortisieren.

Die Verwaltung verweist auf ähnlich hohe Kosten für die städtische Parkpalette am Bahnhof, deren Betonbelag noch im Sommer saniert werden muss.
Im Vorfeld hatte der Erste Stadtrat Dirk Kraska daran erinnert, dass die Stadt von "Matrix" eine unfertige Planung übernommen und dies dem Rat gesagt habe.
Klaus Quiatkowski zeigte sich dennoch "verärgert", dass es sich bei der "Matrix"-Variante um eine Spar-Lösung gehandelt habe: "Wir hatten darüber keine Kenntnis." Die Öffentlichkeit reagiere sensibel auf solche Angelegenheiten: Einerseits könne die Politik dem Bürger als Parkhaus "nicht irgendeine Kiste" hinstellen, andererseits werde das Projekt "immer teurer."

Karsten Behr (CDU) ergänzte: "Ärger entsteht, wenn Mehrkosten im Nachhinein erklärt werden müssen."

Reinhard Elfring (Grüne) war nicht überrascht: "Gussasphalt war immer Thema."
Carsten Brokelmann (FDP) sprach sich für Guss-Asphalt aus, aber gegen die teure Fassade: "Das Geld dafür kriegen wir nicht wieder."

Bürgermeisterin Silvia Nieber verteidigte die Verwaltung: "Während ihrer Amtsperiode habe es kein Bauprojekt gegeben, das teurer wurde als geplant."

• Die Entscheidung über den nötigen Nachtragshaushalt zur Millionen-Garage fällt am Montag, 20. Juni, im Rat. Die Kosten sollen durch Ersparnisse aus einem nicht zustande gekommenen Grundstückserwerb kompensiert werden.